Perspektiven 2008: Let the good times roll…

Ein neues Jahr steht vor der Tür und damit erst einmal die Gelegenheit, Prognosen und Perspektiven zu formulieren. Robert Basic fasst sich eher knapp, während Martin Weigert sich schon etwas weiter aus dem Fenster lehnt. Ich bin grundsätzlich optimistisch für Social Software und denke, dass sie sich allmählich (in Deutschland) durchsetzen wird, auch wenn es aus unterschiedlichen Richtungen noch sehr großen Widerstand geben wird. Hier sind meine Erwartungen:

  1. Die Dominanz von Google in der Suchmaschinentechnologie beginnt zu bröckeln. Neue semantische Suchmaschinen (auch aus Deutschland?!) werden auf den Markt kommen und einen Qualitätswettbewerb entfachen, der Google erstmals leicht in die Defensive bringen wird. Dass ab Januar auch Jimmy Wales in diesem Markt mitmischen wird, halte ich dabei aber für weniger bedeutsam: Der Ansatz der Wikia dürfte den semantischen Konzepten unterlegen sein.
  2. Das mobile Web dämmert leider weiter vor sich, auch wenn eine Flut neuer und attraktiver Smartphones 2008 auf den Markt kommen wird: Die Mobilfunkanbieter bremsen den Markt durch zu hohe Preise und das ängstliche Festhalten an ihren unattraktiven Walled Gardens aus.
  3. Im Web 2.0 bleibt dagegen viel in Bewegung: Facebook kommt (u.a.) nach Deutschland, während hier laufend weiter neue Communities an den Start gehen. Gut möglich, dass neben viel Belanglosem auch ein paar sehr substantielle Angebote dabei sein werden.
  4. Zeitungsverlage verlieren weiter schleichend (junge) Leser und werden immer nervöser. Sie polemisieren öfter und schärfer gegen Blogs, Blogger und das Mitmachweb generell. Das könnte ähnlich groteske Züge annehmen wie im Fall der amerikanischen Musikindustrie, die mittlerweile schon Menschen verklagt, die nur ihre rechtmäßig erworbenen CDs auf dem eigenen Computer abspeichern.
  5. Zum Lichtblick könnten da die Buchverleger werden. Getragen von einer relativ guten Umsatzwelle und damit psychologisch in einer viel besseren Ausgangslage als die Zeitungen, wagen sich nach und nach mehr Verlage ins Web 2.0. Ihnen kommt dabei zu Gute, dass der Markt für elektronische Lesegeräte erst allmählich in Bewegung kommt und noch kein dominantes Geschäftskonzept gefunden ist.
  6. Social Software im unternehmensinternen Einsatz (Enterprise 2.0) dürfte 2008 den Experimentierstatus hinter sich lassen und mit einem signifikanten Potenzial zur Steigerung der Produktivität von sich reden machen. Es werden sich immer mehr Unternehmen damit befassen.
  7. Mit einer gewissen Sorge sehe ich den Öffentlichen Sektor (in einem durchaus weit gefassten Sinn). An vielen Schulen wird das Thema eLearning auch im nächsten Jahr ein abstrakter Begriff bleiben. Den Jugendlichen bleibt es damit weiterhin selbst überlassen, das Web kennen zu lernen und Medienkompetenz zu erwerben. Ob sich an den Hochschulen auf breiter Front herumsprechen wird, dass Social Software ein Thema aller Fakultäten und nicht nur der Informatiker ist? Ich habe Zweifel. Auch Behörden werden noch nicht auf breiter Front auf den Zug aufspringen. Problematisch könnte die Rechtsprechung werden, da die Gerichte zwar zunehmend mit Fällen des Internetrechts befasst sind, ihnen aber eigene (Anwendungs-) Erfahrungen fehlen.
  8. Ein Bremsfaktor ist und bleibt auch die Politik, die Schützenhilfe von den Medien erhält, insbesondere dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Beide Bereiche fürchten um ihrem Einfluss in einer zunehmend partizipativ vernetzten Welt.

Das ergibt zusammengenommen ein recht durchmischtes Bild, in dem aber (ganz wie auf dem obigen Foto) die positiven Töne überwiegen. Unserer Gesellschaft als Ganzes wird im klarer werden, dass das Internet eine alles verändernde Größe ist, die keinen Lebensbereich ausnimmt. Stellenweise wird dies freudig begrüßt, an anderer Stelle dagegen ignoriert oder gar bekämpft. Ich plädiere dafür, den Wandel anzunehmen und mit B. B. King zu sagen, „Let the good times roll“.

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