Isn’t everything news to someone?

Martin Koser hat sich dieses neue Video in sein Blog gestellt und ich übernehme es umstandslos. „Blogs in Plain English“ ist ein weiteres Erklär-Video von Common Craft (Seattle, USA). Bemerkenswert darin ist nicht die Erklärung, was Blogs sind, sondern wie sie in den größeren Zusammenhang der (traditionellen) Medien gestellt werden.

Demnach wurden Nachrichten bislang nur „professionell“ erstellt (von Journalisten), danach redaktionell gefiltert und schließlich verbreitet (Zeitung, Radio, Fernsehen). Mit dem Internet und darin den Blogs tritt neben die professionelle Produktion auch eine „persönliche“, bei der praktisch jeder mitmachen kann. Zudem wird jetzt der Begriff „Nachricht“ (News) sehr viel großzügiger interpretiert: Jeder der etwas mitzuteilen hat, wird auch ein Publikum finden, das seine Nachrichten neu und interessant findet („Isn’t everything news to someone?“).

Was das Video nicht thematisiert: Das Maß an Zeit, das Blogs von ihren Lesern erhalten, geht anderen Medien verloren (mehr oder weniger). Ich folgere daraus, dass je mehr Blogs es gibt und je besser diese werden (und das werden sie, auch in Deutschland!), desto schwieriger wird die Situation für die klassischen Medien.

Das ist die Chance für Blogger und bloggende Unternehmen. Denn das Internet bewirkt hier und heute einen fast schon unvorstellbaren Wandel im Medienangebot und in der Folge beim Medienkonsum. Dabei werden im Kern Zeitbudgets umgeschichtet, weil der Tag nur 24 Stunden hat. Tendenziell sinkt dabei die Reichweite der klassischen Medien, egal ob eine Zeitung in gedruckter Form oder digital im Internet verfügbar ist. Und darin wiederum liegt genau die Chance für uns Blogger – und für Unternehmen, so sie denn ein Corporate Blog haben.

Dumm nur, dass die meisten Unternehmen es gar nicht als ihre Aufgabe Chance sehen, im Internet mehr Präsenz zu zeigen und auf Formate des Web 2.0 zu setzen. Sie könnten jetzt mehr Aufmerksamkeit bekommen. Und sie könnten direkt an ihre Kunden und die Öffentlichkeit herantreten, anstatt weiterhin nur durch die Filter der klassischen Medien (einschl. der klassischen Werbung!).

7 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. … das wid schon noch, mit den Unternehmens-Blogs, muss ja praktisch, dauert eben nur etwas, bis dieses Instrument erkannt wird. VG, René

  2. Dem Schluß dass mehr Blogs, weniger Aufmerksamkeit der traditionellen Medien zur Folge haben kann ich nur bedingt zustimmen.
    Ja, ich lese und konsumiere heute deutlich weniger traditionelle Medien als noch vor 5 oder 10 Jahren. Aaaber mein Gesamtkonsum ist auch gestiegen, und das nicht zuletzt auf Grund meines vollgepackten RSS-Readers (schön auch: RSS in plain English).

    Und um dem ganzen mal noch ein Urteil beizufügen: beides ist gut so. Weniger traditionelle Medien ist gut, weil diese zu langsam und zu oberflächlich sind. Was kann Marietta Slomka schon über den Amazon Kindle erzählen, und v.a. wann? Als Beispiel: vom Web 2.0 habe ich zum ersten Mal im Sommer 2005 gehört, in amerikanischen und deutschen Blogs. Im Dezember 2005 habe ich zum ersten Mal in der deutschen Presse davon gelesen (namentlich die Debug). Und dann hat es nochmal ein volles Jahr gedauert, bis die Leitmedien – Zeit, Spiegel, Ard, ZDF – sich des Themas angenommen haben. Anderthalb Jahre. Das ist eine Ewigkeit im Netz.

    Und der zweite Punkt ist wichtig, weil wir immer noch auf dem Weg in die Wissensgesellschaft sind. Ich verbringe heute weit mehr Arbeitszeit mit dem Lesen von RSS-Feeds als noch vor ein paar Jahren und ich glaube der Trend ist zumindest unter technik-nahen Berufen allgemeingültig und richtig. Es passieren so viele Dinge im Netz und als Netzentwickler, ob auf der Ebene des Code oder der Projekt- und Teamleitung ist man eigentlich tot, wenn man die nicht mitbekommt. Stichwort: lebenslanges Lernen.

  3. René: Ich arbeite aktiv daran mit, dass es bald mehr Corporate Blogs gibt. Aber wie Du hier schon sagst, „es dauert eben“… 😉

    Ben: Wo so gute, neue Blogs wie Deines entstehen, muss das Medium einfach eine Zukunft haben! Die klassischen Medien haben zweifellos auch (noch) ihren Platz, da sie etwas liefern, was Blogs schwer bis gar nicht leisten: Absolute Stetigkeit und Zuverlässigkeit (die Tagesschau gibt es jeden Tag). Und dazu eben diesen Filter über alles (Redaktionsprinzip), auch wenn man das subjektiv sehr unterschiedlich sehen kann.

  4. Pingback: Amazon Kindle

  5. Pingback: Amazon Kindle

  6. Pingback: Amazon Kindle

  7. Pingback: Amazon Kindle