Elektronische Unternehmenskommunikation

Unter diesem Titel hat Frank Martin Hein gerade ein Buch veröffentlicht. Er verantwortet als Director of Communications weltweit die interne und auch die externe Kommunikation der Bombardier Transportation (Berlin). Dem Buch ging eine Studie (Download 172 KB) voraus, die in ihrer Art wohl die erste Bestandsaufnahme zum Einsatz elektronischer Medien in deutschen Unternehmen darstellt.

Schon die Studie ist sehr aufschlussreich, zeigt sie doch, dass Unternehmen bislang kaum die Bandbreite an elektronischen Medien voll nutzen. Schlimmer noch: Deren Einsatz dient noch viel zu oft allein der Beschleunigung von Vorgängen sowie der Kontrolle der Mitarbeiter. Die elektronische Unternehmenskommunikation spiegelt so den Führungsstil im Unternehmen deutlich wider. Konzepte und Ideen, wie mit elektronischen Medien die Motivation gesteigert, ein offener Informationsaustausch gefördert und letzten Endes auch das Innovationsklima eines Unternehmens verbessert werden kann, scheint es noch kaum zu geben.

Das Buch von Frank Martin Hein will genau das ändern und bringt dazu konkrete Beispiele aus der Praxis. Meine Frage, warum sich der Mittelstand mit Social Software noch schwer tut, beantwortet er so:

„Ich habe erheblichen Respekt vor der unternehmerischen Leistung jener Mittelständler, die ihre Firmen von Null an selbst aufgebaut haben. Ich kann auch verstehen, dass eine Gründergeneration zögern kann, neben bislang bewährten Managementprinzipien zu viel zu experimentieren. Social Software einzusetzen könnte ja bedeuten, dass etablierte, hierarchische Strukturen in Frage gestellt werden, mit denen man das Unternehmen groß gemacht hat. Intern geht man oft erst dann Risiken ein, wenn die bekannten Rezepte zur Bewältigung externer Herausforderungen nicht mehr ausreichen. Einerseits. Andererseits gibt es auch viele Mittelständler die gerade deswegen überlebt haben, weil sie immer wieder rechtzeitig Neues erkennen und aufnehmen. Ich kenne agile kleinere und langsame größere Firmen. Beide Kategorien kommen in meinem Buch vor.“

An dieser Stelle hake ich natürlich nach und frage, wie denn ein möglicher Brückenschlag aussehen könnte, damit die Akzeptanz elektronischer Medien voran gebracht werden kann:

„Revolutionen scheiden in der Regel aus, sie machen nur in existentiell elementar bedrohlichen Situationen Sinn. Evolutionäre Veränderungen gilt es anzustreben. Aus denen entwickelt sich dann – bei Erfolg – schnell die nötige Eigendynamik. Bleibt er aus, sterben die Ansätze auch wieder, ohne dass zu viele das Gesicht verloren haben, Geld oder gar den Job. Man sollte einzelne Projekte auswählen, die ein akutes Bedürfnis treffen – ein Wiki, einen internen Blog oder neue Chatfunktionen – getreu der Devise: „start small – think big“ – die sich ohne zu große Konflikte in die IT-Landschaft einfügen lassen. Man braucht einen oder ein paar wenige Sponsoren, die nötigen Enthusiasten der ersten Stunde finden sich dann schneller da als man denkt. Dann geht es zügig weiter. Denn eines ist sicher: Nur weil ein Unternehmen mittelständisch strukturiert ist, sind die Mitarbeiter selbst weder schlechter informiert noch weniger begeisterungsfähig. Man sollte auf die vorhandene Kompetenz bauen, nicht die mögliche Inkompetenz verurteilen.“

Vielen Dank an Frank Martin Hein. Zu seinen Aussagen passt sehr gut das Bild oben links: Markus Biedermann hat den Spruch in Sydney von einer Häuserwand abfotografiert und mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Und Frank Hamm machte mich auf das Buch und Frank Martin Hein aufmerksam.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Einen revolutionären Schritt zu setzen ist für die meisten Unternehmen, oder sagen wir besser Menschen, eine sehr große Herausforderung, die nicht alle annehmen wollen. Insofern bieten sich da kleine Schritte an.

    Aber ist das nicht bereits die Frage nach der Strategie und ist es nicht davor notwendig, die Ziele zu formulieren und den Nutzen zu bestimmen?

  2. Lieber Herr Henner-Fehr, was mache ich nur mit diesem Kommentar und Ihrer Frage?

    Sie haben natürlich vollkommen recht, jedes Projekt benötigt ein Ziel und eine Vorstellung vom (potentiellen) Nutzen.

    Hier ging es darum, einen Weg aufzeigen, wie mit kleinen Schritten Social Software in Unternehmen eingeführt werden kann. Nämlich die Sache anfangs eher tief zu hängen und so das Risiko zu minimieren.

  3. Wahrscheinlich habe ich mich zu unpräzise ausgedrückt, Verzeihung. Bevor ich es noch einmal versuche, hier der Verweis zu einem Beitrag von Ross Dwason. Seine sechs Erfolgsfaktoren drücken ganz gut aus, worüber man sich Gedanken machen sollte, wenn man mit Web 2.0-Tools arbeiten möchte oder soll.

  4. Vielen Dank für den Link! Seine Präsentation ist wirklich gut, insbesondere die 6 Faktoren.