Facebook, Microsoft und der Deal des Jahres

Um nicht den Eindruck zu erwecken, in diesem Blog ginge es nur noch um Bücher und Verlage, hier ein Blick auf den wohl wichtigsten Deal des Jahres (in Sachen Web 2.0): Microsoft beteiligt sich an Facebook. Letzte Woche wurde er bekannt gegeben und die Wogen schlugen hoch, ob des Preises, den Microsoft zu zahlen bereit war.

Andreas Göldi schreibt süffisant, dass Facebook „gar nicht soooo überbewertet“ sei und begründet dies mit Bewertungen, wie sie in der Boomphase der New Economy üblich waren. Demnach habe Microsoft noch ziemlich günstig eingekauft und es bestehe kein Grund zur Sorge. Gut zu wissen.

Nüchtern gibt sich Jeff Jarvis und übernimmt dazu die Argumentation von Paul Ginocchio, einem Analysten der Deutschen Bank, der sich zu Zeitungen und deren wirtschaftlichen Perspektiven geäußert hatte. Jarvis überträgt dessen Argumente einfach auf Facebook, was den Deal für Microsoft reichlich vorteilhaft aussehen lässt.

Locker und oberflächlich nimmt es Joe McKendrick, der die Verhältnisse schon in seiner Artikelüberschrift zurecht rückt und den Kaufpreis als „Griff in die Portokasse“ bezeichnet. Immerhin gibt er zu bedenken, dass Microsoft im Jahre 1981 selbst durch so einen Griff in die Portokasse, damals durch IBM, erst richtig durchstarten konnte.

In dem ganzen Für und Wider überzeugen mich nur der junge Nick O’Neill, der in diesem Geschäft vor allem eine Wette auf die Zukunft sieht, sowie Jeremiah Owyang, der jetzt Microsoft gegenüber Google im Vorteil wähnt, weil man mit den personenbezogenen Daten der Nutzerprofile auf Facebook eine bessere Ausgangsbasis für (personalisierte) Werbung habe, als dies Google mit seiner Suchmaschine möglich sei.

Wer auch immer Recht bekommen wird: Mir gibt weniger das Geschäft und dessen Preis zu denken, als die Tatsache, dass leider viele Entscheidungsträger in der deutschen Wirtschaft sich noch wenig bis gar nicht mit dem Web 2.0 befasst haben und ihnen zum Stichwort „Facebook“ folgerichtig wenig einfällt. Facebook? Nie gehört. Sich selbst sieht man aber als technologisch führend – ganz vorne dran so zu sagen…