Eindrücke von der Buchmesse

Was haben die Buchmesse in Frankfurt und das Web 2.0 miteinander zu tun? Und wer sich für letzteres interessiert, sollte der nicht lieber die aktuellen BarCamps besuchen?

Nicht unbedingt. Dem Einsteiger in Sachen Web 2.0 seien BarCamps ausdrücklich empfohlen, die Experten vom Fach aber dürften ruhig auch mal einen Besuch auf einer traditionellen Messe einplanen und sich ein Bild vom Stand des Medienwandels machen. Denn längst geht es auf der Frankfurter Buchmesse nicht mehr nur um das gedruckte Buch.

Zwar sieht man dort Bücher bis zum Abwinken, aber eben nicht nur. Langsam aber sicher schieben sich auch hier das Internet und die digitalen Medien zwischen die Buchregale und fordern ihre Aufmerksamkeit. Und während im Bereich Belletristik das Internet noch gern übersehen wird, zeigt sich bei den Fach- und Wissenschaftsverlagen schon ein ganz anderes Bild: Hier gewinnen allmählich die elektronischen Produkte die Oberhand und (gedruckte) Bücher scheinen nur noch zur bunten Dekoration des Messestandes zu dienen.

Vielleicht wirkt diese Darstellung etwas überspitzt, aber für mich lagen die deutlichsten Überraschungen ganz klar in Halle 4.2, wo neben Fach- und Wissenschaftsverlagen auch eine Reihe von Softwarehäusern ihre Produkte vorstellten. Mehr dazu im Lauf dieser Woche hier im Blog (Stichwort: „Semantisches Web“).

Ein Gefälle zeigte sich aber auch in anderer Hinsicht: Während die großen (namhaften) Verlage alle mehr oder weniger stark schon an Konzepten und Strategien arbeiten, die weit über die aktuellen Internetauftritte hinausreichen, fehlt es den kleinen Häusern an Wissen und mehr noch an personellen Ressourcen. Die Stimmung schwankt zwischen einem „das gedruckte Buch wird schon nicht tot zu kriegen sein“ und einem „hoffentlich geht es uns nicht so wie der Musikbranche“.

Ohne Zweifel stehen die Verlage vor dem größten Umbruch in ihrer Geschichte, auch wenn diese Aussage noch keine Konsensmeinung ist. Die Softwarebranche jedenfalls steht schon bereit und auch an klugen Vorträgen zur Digitalisierung und dem Web 2.0 mangelte es auf der Messe nicht. Etwas mehr an Debatten und Diskussionen zum Wandel der Medien hätte ich allerdings schon erwartet.

Und eine stärkere Teilnahme oder Beobachtung seitens der Blogosphäre wäre vielleicht auch nicht schlecht: Denn sonst wird sie von der Softwarebranche irgendwann still und leise überholt, wenn diese in ihre Programme nach und nach Funktionalitäten des Web 2.0 integriert. Speziell Wikis bzw. Content Management Systeme (für den internen Einsatz) sind in den Verlagen schon weiter verbreitet, als mancher vielleicht glauben mag.