iSense: Der Einstieg ins Semantische Web?

Immer häufiger taucht derzeit das Schlagwort „Web 3.0“ auf. In den USA wagte sich kürzlich Jason Calacanis mit einer Definition aus der Deckung, was nicht ohne Erwiderung blieb: Rasch meldeten sich Stowe Boyd und sehr ausführlich Tim O’Reilly zu Wort.

Für letzteren ist klar, dass die Zeit des Web 3.0 eng verknüpft sein wird mit dem, was auch als „Semantisches Web“ bezeichnet wird. Dabei geht es darum, die Bedeutung von Inhalten im Web (insbesondere Text, aber auch Bilder bzw. Videos) besser zu erfassen und zu ordnen.

Nun macht, in Deutschland noch kaum bemerkt, eine britische Firma von sich reden: Crystal Semantics hat ein Werkzeug („Sense engine“) entwickelt, mit dem sich Texte analysieren und zuverlässig kategorisieren lassen. Genutzt wird dies in erster Linie für die Platzierung kontextuell passender Werbeanzeigen. Das Produkt dazu nennt sich iSense. Sehr lesenswert dazu das Interview, das die FAZ mit dem Firmengründer und Linguisten, Prof. Dr. David Crystal, führte.

Crystal Semantics ist seit 2005 eine Tochtergesellschaft der deutschen ad pepper, einem international operierenden Onlinewerbevermarkter mit Sitz in Nürnberg. Deren Produkt, iSense, steht jetzt in direktem Wettbewerb zu Google. Die entscheidende Frage ist nämlich, wer von beiden Werbeanzeigen passgenauer (und damit erfolgreicher) in das jeweilige Umfeld setzen kann. Während Google dabei auf Algorithmen setzt, also auf Mathematik und Technik, basiert iSense auf der Arbeit seiner Linguisten und deren Fähigkeit, ein Klassifikationssystem von hoher Trennschärfe gewissermaßen manuell zu entwickeln (und zu betreiben).

So unkommerziell, demokratisch und irgendwie kumpelhaft uns das Web 2.0 entgegen trat, so sehr scheint das bevorstehende Web 3.0 ganz im Zeichen wirtschaftlicher Anwendungen zu stehen. Dabei arbeiten erste Vorläufer wie iSense still im Hintergrund und wohl völlig unbemerkt vom User. Auch Suchmaschinen, wenn sie erst einmal semantische Komponenten nutzen, dürften nicht von jedem in dieser Eigenart erkannt werden. Der Generationenwechsel im Web könnte also eher still ablaufen.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich bin nicht überzeugt davon, daß die schlichte Gleichung „Web 3.0 = Semantisches Web“ gültig ist. Mir erscheint ja überhaupt die Versionierung eines so dynamischen Systems wie es das Internet nun mal ist als ungültige Verkürzung.

    Aber wenn es schon so etwas wie Versionen geben soll, dann doch eher Evolutionsstufen, und zwar nicht technologischer Natur, sondern mit Blick darauf, wie wir mit dem Internet umgehen.

    Ich sehe das so: Web 1.0 hat bedeutet, daß wir AM Internet gearbeitet haben (es errichtet, Dienste eingeführt, eben Infrastrukturarbeit geleistet); Web 2.0 bedeutet, daß wir MIT dem Internet arbeiten (dass also das Internet mit seinen vielfältigen Angeboten ein ganz selbstverständliches Werkzeug für das tägliche Arbeitsleben geworden ist); und Web 3.0 wird bedeuten, dass wir IM Internet arbeiten werden (dass sich also eine digital economy tatsächlich etabliert hat).

  2. @Franz: Ein sehr guter Kommentar und eine interessante Sichtweise zur Entwicklung des Web! Ich werde nächste Woche darauf noch näher eingehen, wenn ich etwas über neue Entwicklungen (die ich auf der Buchmesse entdeckt habe) schreiben werde.

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