Des Kaisers neue Kleider: Die FAZ hat sich gehäutet

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat ihre Printausgabe einer optischen Auffrischung unterzogen. Seit Freitag kommt das Layout deutlich moderner und „leichter“ daher. Mir hat es auf Anhieb gefallen und die Zeitung wieder ein Stück sympathischer gemacht. Aber nicht alle sind dieser Meinung und so setzte eine lebhafte Debatte ein. Einen sehr guten Überblick über dieselbe hat medienlese zusammengestellt.

Meine Kritik setzt denn auch nicht an der Printausgabe an. Da hat die FAZ jetzt ihre Hausaufgaben gemacht. Die Probleme sehe ich bei der Website. Diese genügt weder optischen Ansprüchen, noch wird sie den (technischen) Möglichkeiten des Internets gerecht.

Noch immer ist die FAZ im Web nichts weiter als eine Art „Abdruck“ ihrer Printausgabe. Herausgeber und Redaktion scheinen noch vollständig im Denkmuster der gedruckten Zeitung zu verharren ohne die Möglichkeiten des Internets mit seiner Multidimensionalität richtig zu sehen und konsequent zu nutzen.

Beispiel Feuilleton: Da wird aktuell die Band „The New Pornographers“ in epischer Breite besprochen. Aber eine Hörprobe? Fehlanzeige. Immerhin gibt es einen Link auf das MySpace Profil der Band, wo man sich einen akustischen Eindruck verschaffen kann.

Beispiel Politik: Zum Thema „Burma“ gibt es online einen längeren Artikel und 5 Links, u. a. auf eine Sonderseite mit einer Zusammenstellung einer Vielzahl von Artikeln der FAZ zum Thema. Das ganze ergibt ein hübsches Potpourri, aber kein sinnvolles Ganzes. Wo sind die Grundlagen zu Burma (Geografie, Landeskunde…)? Wo die Links auf externe Quellen, etwa burmesische Blogs?

Wer als führendes Informationsmedium wahrgenommen (und genutzt) werden möchte, muss hier mehr bieten als nur eine mehr oder weniger chronologische Auflistung der eigenen Artikel und Kommentare. Die FAZ im Netz müsste eigentlich die Anlaufstelle nicht nur für aktuelle News, sondern auch für Grundlagen, für die Rezeption in anderen Medien und überhaupt für gesicherte Informationen aller Art (zu den aktuellen Themen) werden.

Und so etwas könnte dann auch die Basis für ein Geschäftsmodell im Web bilden: Die aktuellen Artikel kostenlos, aber den Kontext darüber hinaus nur für zahlende Kunden. Je wertvoller dieser Kontext wird, desto besser sollte er sich vermarkten lassen.