Nachgefragt bei: Jan Tißler

Jan Tißler ist seit einiger Zeit recht erfolgreich mit dem „Upload-Magazin“, das mehr ist als nur ein Blog: Denn neben dem Blog erscheint auch das Magazin im Pdf-Format, ganz aktuell die Nr. 2 letzte Woche. Jan Tißler ist 34 Jahre alt und lebt in Schwerin. Noch kann er von seinen publizistischen Tätigkeiten nicht leben, so dass er im „Brotberuf“ als Online-Redakteur arbeitet.

Dein Upload-Magazin hebt sich ab von anderen Blogs: Das Magazin lässt an Printmedien denken, die Podcasts orientieren sich am Stil von Sendungen im Radio und das Blog weist mit seinen zwei Artikelspalten leicht in Richtung Zeitung. Was ist Dein Konzept hinter diesem Auftritt?

Konzept wäre zuviel gesagt. Die Idee dahinter ist, die Möglichkeiten des Internets möglichst konsequent zu nutzen, dabei aber Erfahrungen und Erkenntnisse der „alten Medien“ nicht gleich von sich zu weisen. Ich schaue mir an, was mir an klassischen Angeboten wie Zeitungen, Zeitschriften usw. gefällt und nicht gefällt und versuche grundsätzliche Erkenntnisse daraus ins Internet zu übertragen. Das klingt jetzt allerdings großartiger, als es ist.

Eine Idee war deshalb beispielsweise, die langen Artikel und die Kurzmeldungen optisch voneinander zu trennen. Dann sehen neue Besucher sofort, was was ist. Überschriften sollten sofort als solche erkennbar sein. Die Überschrift des Hauptartikels ist die größte usw. Das sind alles Dinge, die sich in Magazinen und Zeitungen prima bewähren. Warum dieses Wissen nicht nutzen?

Ein anderes banales Beispiel: Neulinge können einen E-Mail-Newsletter abonnieren, falls sie mit RSS nichts anfangen können. Und falls sie neugierig sind, erkläre ich ihnen, was RSS ist. Da versuche ich möglichst leserfreundlich zu sein.

Vieles bei UPLOAD wird diesem Anspruch heute noch nicht gerecht. Der Podcast ist eine wichtige Baustelle zum Beispiel. Letztlich ist es eben doch ein Freizeitprojekt mit begrenztem Zeitbudget.

Alles in allem setze ich um, was ich persönlich für richtig halte – ohne dabei den Anspruch zu haben, die allein seligmachende Antwort zu haben. Das ist ja gerade das Schöne am heutigen Internet: Wir können alle alles ausprobieren. Und jeder findet seine Leser, Hörer und Zuschauer, die genau darauf gewartet haben. Klasse!

Im Gegensatz zu vielen anderen Bloggern bekennst Du Dich klar zum werbefinanzierten Blog. Denkst Du, dass Du langfristig vom Upload-Magazin leben kannst (und vielleicht auch weitere Autoren)?

Das wäre ein Traum, andere über dieses Projekt bezahlen zu können. Ob er realistisch ist, weiß ich heute noch nicht. Ich sehe aber (in ferner Zukunft) gewisse Chancen. Wäre es nicht toll, wenn man gute Leute für ihre gute Arbeit auch gut bezahlen könnte? Ich würde das gern tun.

Heute ist es so, dass Autoren und Journalisten in den klassischen Medien ganz selbstverständlich von ihrer Arbeit leben können, im Internet hingegen kaum. Aber es entwickelt sich weiter. Große Seiten wie Spiegel Online machen Millionenumsätze und können eine ausgewachsene Redaktion beschäftigen. Das war vor einigen Jahren noch schwer vorstellbar. Heute wiederum ist es schwer vorstellbar, dass jemand mit einem Blog, einem Podcast und einem PDF-Magazin etwas gründet, wovon Menschen zumindest einen Teil ihres Lebensunterhalts bestreiten können. Wer weiß also, was die Zukunft bringt.

Ich habe da allerdings keinen Masterplan und das ist auch nicht mein Antrieb für das Projekt. Ich habe angefangen mit einer groben Idee und der Lust, sie auszuprobieren. Inzwischen sind einige weitere Autoren, Unterstützer und Mitstreiter dabei und machen das Projekt größer. Das verfolge ich einfach weiter und bin selbst gespannt, was daraus wird. Mein wichtigstes Ziel ist es, aus UPLOAD einen spannenden, interessanten und informativen Ort im Internet zu machen, an dem man auf Menschen trifft, sehenswerte Beispiele entdeckt, Tipps und Tricks bekommt und vieles mehr. Und ob ich dann davon direkt leben kann oder ob ich es wie jetzt mit anderen Einnahmen praktisch querfinanziere, ist zweitrangig.

Bei der Werbung gibt es für mich daher sehr klare Grenzen. Sponsoren sind gern gesehen, Reklame ist willkommen – aber nur, wenn das das Projekt unterstützt und nicht etwa torpediert. Mit manchen Werbeformen wie bezahlten Artikeln oder einer Textanzeige im RSS-Feed bewege ich mich schon hart an der Grenze.

Während Du selbst sehr geschickt und mit Erfolg die Medienformate des Web 2.0 nutzt, tun sich die klassischen Medien (Zeitungen…) damit noch sichtlich schwer. Woran liegt das Deiner Meinung nach?

Es sind unterschiedliche Medien mit unterschiedlichen Arbeitsweisen, Möglichkeiten und nicht zuletzt: Zwängen. Blogger würden sich wohl auch schwertun, plötzlich eine Zeitung herauszubringen.

Bislang wird das Internet von Verlagen und anderen großen Medienunternehmen noch immer gern als eine Art virtueller Recyclinghof angesehen. Man nimmt das, was man sowieso hat, und versucht es irgendwie möglichst kosteneffizient ins Internet zu bringen. Nur nach und nach setzt sich die Erkenntnis durch, dass wir es hier mit einem komplett eigenständigen Medium zu tun haben, das eine eigene Sprache braucht, eine eigene Herangehensweise, eigene Angebote.

Online-Zeitungen beispielsweise sind oft nur die gedruckte Zeitung im Internet plus ein paar nett gemeinter Zusatzfeatures. Im schlimmsten Fall quält man die Leser gar mit einem E-Paper. Sowas finden vor allem Print-Journalisten schick, weil die Zeitung dann im Internet so aussieht wie die gedruckte. Für den Internetnutzer ist das einfach nur gruselig. Eine Zeitungsseite passt nun einmal nicht auf den 13-Zoll-Breitbildscreen eines Laptops. Zudem bleiben es die Nachrichten von gestern. Das wollen Print-Kollegen aber oft nicht einsehen, denn die können sich nicht vorstellen, dass manche die gedruckte Zeitung nicht mehr für das größte Ding überhaupt halten.

Nur langsam denkt man daran, für das Internet komplett eigenständige Produkte zu erstellen. Für Fernsehen und Radio ist das längst akzeptiert. Niemand würde heute einen Fernsehsender gründen, in dem aus der Zeitung vorgelesen oder sie abgefilmt wird. Die entsprechende Medienkompetenz baut sich erst langsam auf. Denn auch wenn man es mit Medienprofis zu tun hat, sind das eben nicht automatisch Internetprofis.

Ein Beispiel für die Zwänge, in denen Tageszeitungsverlage stecken: Wie konnte es passieren, dass ausgerechnet ein wöchentliches Nachrichtenmagazin heute Deutschlands erfolgreichste Newsseite hat? Warum nicht eine Tageszeitung? Die Leute beim Spiegel hatten den richtigen Riecher und vor allem hatten sie weniger Angst davor, ihr „eigentliches“ Produkt zu gefährden. Die Zeitungen haben gezögert und auf diesem Feld viele Leser verloren. Es dürfte jedenfalls sehr schwer werden, diesen Vorsprung noch aufzuholen. Das zeigen die bescheidenen Ergebnisse der diversen „Online-Offensiven“ der vergangenen Monate.

Die Blogosphäre in Deutschland ist bislang noch eher ein Nischenphänomen, das von den großen und traditionellen Medien nur wenig ernst genommen wird. Was sollte geschehen um das zu ändern?

Ob es von den großen und traditionellen Medien ernst genommen wird, ist erst einmal egal wie ich finde. Natürlich hilft es manchmal, wenn ein größeres Medium die Themen der Blogosphäre aufgreift. Aber je mehr Menschen mit dem Internet als Informationsquelle aufgewachsen sind, desto selbstverständlicher wird man sich auch dort informieren. Für mich ist das bereits Alltag. Für viele meiner Freunde und Bekannten auch. Für jüngere sowieso.

Das Tolle am Web ist, dass kleine und große Angebote hier so gleichberechtigt wie nie nebeneinander existieren. Natürlich ist Spiegel.de viel bekannter als ein beliebiges Blog. Aber wenn ein Blogger etwas Spannendes entdeckt oder aufdeckt, dann kann sich das quer durchs Netz verbreiten, bis es mindestens ebenso viele Leser findet wie ein Artikel von Spiegel Online – und das innerhalb kürzester Zeit. Dieses Potenzial ist da und wird hoffentlich durch rechtliche und andere Rahmenbedingungen in der Zukunft nicht irgendwann ausgebremst.

Ich glaube nicht, dass die Blogosphäre überhaupt aus der Nische heraus muss. Es ist ja gerade eine Stärke, dass sie die vielen tausend Nischen besetzt. Blogs haben ihre Möglichkeiten, sie werden sich weiterentwickeln, die Blogosphäre wird bunter und sich ihren Platz erobern. Erstmal ist wichtig, dass es sie überhaupt gibt. Alles andere kommt von selbst.

Das Upload-Magazin hätte eigentlich das Zeug dazu, eine Brücke zwischen klassischen Formaten (Print) und Internet zu schlagen. Hast Du dazu Pläne (etwa eine Druckausgabe des Magazins) oder bleibst Du konsequent online?

Nein, Pläne gibt es dazu nicht. Natürlich ist der Gedanke irgendwie interessant: bedrucktes Papier, das eigene Magazin am Kiosk, es selbst in Händen halten können… Ich selbst bin ein bekennender Zeitschriften-Junkie. Aber im Moment möchte ich lieber ausprobieren, was online möglich ist. Das ist ein Feld, das von den klassischen Verlagen bislang kaum bestellt wird und ich kann hier sehr schnell, sehr flexibel und mit vergleichsweise einfachen Mitteln sehr viel erreichen und spannende Sachen anstellen.

Vielen Dank, Jan, für das Gespräch.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Ξ Interview zu UPLOAD Ξ UPLOAD - Magazin für digitales Publizieren Ξ

  2. Jan Tißler hat noch so Einiges vor! Da bin ich auch schon sehr gespannt, wie sich die einzelnen Projekte und Ideen entwickeln werden…