Betriebssysteme im Web – und was Buchverlage sehen sollten

Die im vorhergehenden Artikel beschriebene Entwicklung sowie die darin involvierten Unternehmen mögen für einen Vertreter der Buchbranche auf den ersten Blick fremd und vielleicht sogar irrelevant wirken.

Dem ist natürlich nicht so, wie die folgende Darstellung in fünf Punkten verdeutlichen soll:

  1. Das Internet ist (besonders für die Medienbranche) längst so wichtig geworden, dass man sich nicht nur ständig darüber informieren, sondern sich auch laufend und unmittelbar persönlich damit befassen muss. Dieses „Befassen“ muss so weit gehen, dass ein tiefes Verständnis und eine hohes Maß an Expertise in Sachen Internet entsteht.
  2. Buchverlage müssen im Internet Anschluss an Social Networks suchen. Dies kann in Form von Werbung, besser noch durch eigene Applikationen (etwa für Facebook) geschehen. Ein Nutzen für die User solcher Plattformen kann etwa durch Leseproben oder (interaktives) Begleitmaterial zu Büchern vermittelt werden.
  3. Die mittelständisch geprägte Verlagswelt muss im Internet Zweckverbünde bilden und (allem Wettbewerb zum Trotz) Werbeformate oder Applikationen gemeinsam entwickeln. Zu bedenken ist nämlich, dass die User (= Leser) sich weniger für Verlage als mehr für Gattungen interessieren.
  4. Die Branche muss sich zudem mehr für branchennahe Innovationen, Startups und neue Geschäftsmodelle im Internet interessieren und dafür ihre eigene Wettbewerbe, Preisverleihungen und Fördermaßnahmen entwickeln.
  5. Stärker als bisher muss die Branche weg vom reinen Text. Hörbücher sind dazu ein erster Schritt, aber auch nicht mehr. Insbesondere für Fachbücher bzw. die Vermittlung von Fachwissen muss mit neuen Formen experimentiert werden, bei denen Text, Podcasts, interaktive Grafiken und Videos ineinander greifen und multidimensional Wissen bestmöglich vermitteln. Die Expertise auf diesen Gebiet ist die künftige Kernkompetenz von Verlagen, eine andere sehe ich nicht mehr!

Fazit: Es gibt reichlich zu tun. Dass dieser Artikel übrigens kaum Links aufweist, liegt nicht an einer (plötzlichen) Faulheit des Verfassers. Zu Buchverlagen wird leider wenig bis nichts gebloggt. Und der Titel dieses einen verlinkten Blogs „Print is dead“ sagt treffend aus, was viele in der Tech-Branche über die Welt der Bücher, Zeitschriften und Zeitungen denken.