Betriebssysteme im Web – the next big thing?

Microsoft möchte sich wohl an Facebook beteiligen und bietet dafür einen geradezu unverschämt anmutenden Preis: Die Rede ist von 300 bis 500 Mio $ für einen Anteil von (etwas) weniger als 5 %. Laut Handelsblatt geht es dabei vornehmlich um Werbung. Rod Boothby vertritt die Auffassung, dass die Ursachen tiefer reichen.

Tatsache ist, dass das Internet immer wichtiger wird und wir tendenziell (1) mit immer mehr Geräten (2) von ganz verschiedenen Orten aus (3) immer länger darauf zugreifen. In diesem Kontext ist es unpraktisch, wenn bestimmte Daten (seien es Textdokumente oder Musiktitel) auf einem Rechner zuhause „eingesperrt“ sind, während wir von unterwegs oder aus dem Büro gerne darauf zugreifen würden.

Einen Vorgeschmack auf die Zukunft liefert uns da das Web 2.0, das aufgrund seiner Betonung der sozialen Interaktion alles auf Plattformen ins Web geholt hat. So hat man das Lexikon jetzt nicht mehr in Buchform im Regal stehen (wie altmodisch!) und längst auch nicht mehr als Software auf dem Rechner (verpönt!), sondern nutzt natürlich die Wikipedia oder andere Wikis (je nach Bedarf).

Wenn nun aber immer mehr von unseren Daten im Netz (in the cloud) liegen, seien es Fotos auf Flickr, Office-Dokumente auf Zoho und unsere Kontakte auf Facebook, dann brauchen wir letztlich nur noch einen Browser (lokal auf dem Rechner bzw. auf dem Mobiltelefon) sowie im Web eine praktikable Plattform, von der aus wir möglichst viele unserer Daten und die Online-Dienste die sie verwalten, erreichen können.

Solche Plattformen sehen Experten als Betriebssysteme im Internet (Web O/S). Und natürlich ist Facebook auf dem besten Weg, das erste dieser neuen Betriebssysteme zu werden. Dabei bildet die Social Community eine Basis, um die herum über die offene Entwickler-Schnittstelle sich beliebig viele Anwendungen gruppieren, die sich die User wiederum individuell in ihr Profil hinein konfigurieren können.

Noch geht es dabei meist um Spielereien. Und viel heiße Luft. Aber die Logik ist klar: Das Gefüge rund um Software und Inhalte (Daten) verschiebt sich langsam aber sicher immer mehr ins Internet. Und dort scheinen Anlaufstellen in der Art von Facebook als natürliche und praktische Basis wahrgenommen und von den Usern akzeptiert zu werden.

Weil aber all die schönen neuen Datendienste im Internet kostenlos angeboten werden (müssen), braucht es alternative Geldquellen und damit auch neue Geschäftsmodelle. Das Lizenzmodell von Microsoft funktioniert jedenfalls im Internet nicht mehr. Was aber zu funktionieren scheint, ist Werbung auf den neuen Plattformen. Und je größer diese sind, desto besser für alle Beteiligten.

Deshalb wirft Google jetzt sein Google Earth in den Ring und versucht sich an einem 3D Social Network (auch wenn Markus Breuer hier noch technische Bedenken anmeldet). Bei Microsoft, wo man das Internet lange und gründlich missverstanden hat, versucht man es eben auf dem Weg der Beteiligung.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Matthias,

    so wie sich gopher, finger, www, smtp etc. zu dem einen Internet verdichtete um dann für Firmen in Extranet und Intranet wieder geteilt zu werden, wird sich das für Social Networks wiederholen. Viele Intranets sind das BETRIEBSsystem für die Firma, vielleicht wird sich das mit Social Networks wiederholen.
    Könnte mir ein XING oder Facebook (im HR-Portal integriert) bei großen Firmen durchaus vorstellen.

  2. Pingback: bwl zwei null » Betriebssysteme im Web - und was Buchverlage sehen sollten