Google Earth wird ein dreidimensionales Social Network

Dass sich aus Google Earth noch Einiges herausholen lässt, habe ich neulich hier schon angedeutet. Dabei ging es insbesondere um den Aspekt der sog. „Mirror Worlds„. Nun zeigt sich überraschend schnell, dass Google schon sehr konkrete Pläne dazu hat: So berichtet das Blog „Google Operating System„, dass das Unternehmen zusammen mit der Arionza State University ein dreidimensionales Social Network auf der Basis von Google Earth (mit Studenten) testet.

In diesen Kontext passt die Meldung, die ich bei Martin über Sony’s dreidimensionale Welt „Home“ gelesen habe. Der Marktstart verschiebt sich hier offenbar auf das Frühjahr 2008.

Beiden Konzepten ist gemeinsam, dass man, anders als etwa bei Second Life, bereits von Beginn an ein mehr oder weniger großes Publikum hat, da Sony den Besitzern einer Playstation automatisch (und gratis) einen Avatar in Home bereitstellen und Google etwa allen Nutzern diverser Dienste (wie Google Mail) dieselbe Gefälligkeit erweisen kann.

Die Tragweite ist aber noch viel größer: Schafft es beispielsweise Sony, Home bei den Kunden seiner Playstation erfolgreich zu platzieren, treten wir in eine völlig neue Phase der Beziehung zwischen Hersteller, Handel und Kunde. Während bisher die Hersteller von Konsumgütern (auch in der Unterhaltungselektronik) kaum direkten Kontakt zu ihren Kunden hatten, weil dazwischen eine oder mehrere Handelsstufen lagen, kann Sony über Home künftig direkt mitverfolgen, wie die Kunden die Playstation nutzen, mit welchen anderen Spielern sie (über Home) Kontakt pflegen und welche sonstigen Medien (Musik, Filme…) über diese Plattform konsumiert (= direkt gekauft) werden.

Im Falle von Google geht es nicht um Konsumgüter, dafür aber aber einen Wettbewerb zu Plattformen wie Facebook. Diese mehr oder weniger geschlossenen Systeme sind nämlich ein gravierendes Problem für Google: So kann heute bereits der Facebook User über eine Applikation von zerocode mit der besten Suchmaschine (= Google) im Internet suchen, bekommt aber die Werbung von Google dabei nicht zu sehen! Die von Facebook ins Userprofil eingeblendete Werbung bleibt davon natürlich unberührt. Auf diese Art und Weise ist denkbar, dass sich Facebook (und andere Social Networks) immer mehr zu einer Art „Netz im Netz“ entwickeln und das Werbegeschäft von Google aushöhlen.

In beiden Fällen ist also erkennbar, dass es hier nicht um nette Gefälligkeiten für die Allgemeinheit geht, sondern um eine möglichst enge Kundenbindung auf der Basis der spektakulärsten Entwicklung, die das Internet derzeit bietet: Dreidimensionale, virtuelle Welten.

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