Google’s Zukunft: Eigene Satelliten im All?

Schon etwas länger beschäftigt mich dieser Gedanke allen Ernstes: Google könnte eines Tages eigene Satelliten im All betreiben. Warum sollte das der Fall sein?

  1. Scharfe Bilder für Google Earth: Gerade eben wurde ein neuer Satellit ins All geschossen, der für Google Earth deutlich besseres Bildmaterial bringen soll. Noch ist dieser Dienst für Google nicht viel mehr als eine teure Spielerei. Das dürfte sich aber in Zukunft ändern und damit auch der Blick auf die Datenquelle. Denn je wichtiger die Bilder werden, desto besser wäre es, den (oder die) Satelliten selbst zu besitzen. Das eigentliche Geschäftspotenzial steckt in den sog. „Mirror Worlds“, also digitalen Spiegelbildern unser realen Umwelt. Google Earth ist auf dem besten Weg dorthin. Die Vermarktungsmöglichkeiten sind vielfältig und reichen von Online-Games (z. B. Auto-Rennen auf den Straßen von Paris), über die Verknüpfung von Websites mit dem Abbild der realen Adresse (etwa: ich suche ein Lokal dessen Namen ich vergessen, von dem ich aber noch Ort und Straße in meinem visuellen Gedächtnis habe) bis hin zu Geo-Tagging in diversen Formen. Und immer besteht die Grundlage aus gutem Bildmaterial, denn je besser (und aktueller) die Bilder sind, desto attraktiver ist die entsprechende Mirror World.
  2. Eigene „Sender“ für den Mobilfunk: Dass Google möglicherweise ein eigenes Mobiltelefon auf den Markt bringen wird, ist kein ganz neues Gerücht mehr. Und dass es da nicht nur ums Telefonieren, sondern vor allem um die mobile Nutzung des Internets und der Dienste von Google geht, ist auch klar. Sehr schnell sind wir da wieder bei Stichworten wie Google Earth, Google Maps, Geo-Tagging und GPS. Schon in naher Zukunft wächst hier sehr vieles eng zusammen, was in der Vergangenheit entweder noch gar nicht existierte oder in schön getrennten Schubladen einzuordnen war. Zwar läuft der Mobilfunk nicht direkt über Satellit, dafür aber die Positionsbestimmung bei GPS. Und wer hier mitverfolgt, wie GPS und sein europäisches Pendant (Galileo) sich entwickeln, sieht auch, dass für sehr genaue Positionsbestimmungen Bezahlmodelle ins Auge gefasst sind. Somit stellt sich auch hier wieder die Frage, ob ein Unternehmen, das Lokationsdaten für wichtige Geschäftsfelder benötigt, diese auf Dauer fremd beziehen will, oder eben durch den Besitz eigener Satelliten einen größeren Teil der Wertschöpfungskette ganz unter Kontrolle haben möchte.

Diese Argumentation wäre aber nicht vollständig ohne auf den Produktlebenszyklus von Satelliten hinzuweisen. Was mit dem russischen Sputnik 1957 experimentell begann, ist längst ein kommerzielles Geschäft, bei dem private Hersteller den Ton angeben und die (globale) Konkurrenz eine wachsende Rolle spielt. Sichtlich entwächst dieses Geschäft mehr und mehr der staatlichen Obhut. Am Rande sei hier deshalb auch auf den Trend zur privaten Raumfahrt verwiesen: Tickets kann man etwa hier schon kaufen bestellen.

Da ist es nicht schwer sich vorzustellen, dass mit weiterem technischen Fortschritt die Preise für Satelliten fallen werden und damit die Anzahl der (potentiellen) Betreiber wachsen dürfte. Das Nachsehen könnten die Miltärs haben, die bislang noch maßgeblich Einfluss darauf nehmen, wer was in welcher Schärfe von oben sehen darf.

Und wer wie Google ganz offensichtlich in der Lage ist, weit vorausschauend zu planen, der macht sich vielleicht auch heute schon Gedanken darüber, ab wann es sich lohnen könnte, eigene Satelliten zu betreiben.