Vergangenheit und Zukunft (2)

Nur so eine Blogvorstellung wäre doch ein bisschen wenig für einen Start in die neue Woche. Deshalb hier ein praktischer Anwendungsfall aus Paleo-Future: In diesem Artikel wird uns eine Zukunftsvision aus dem Jahr 1994 für die Zeitung vorgestellt. Darin wird davon ausgegangen, dass die gedruckte Zeitung schon bald von einer elektronischen Variante auf Tablet PC’s ersetzt würde. Doch warum ist diese 13 Jahre alte Vorhersage bis heute nicht eingetroffen?

  1. Tablet PC’s konnten sich bis heute nicht durchsetzen: Als reines Lesemedium sind sie noch zu teuer und das Gleiche gilt auch für mobile Internetanschlüsse, die uns die Zeitung täglich neu darauf herunterladen könnten.
  2. Dem Internet fehlte es lange an Bandbreite: Was 1994 zum Greifen nahe schien, musste hinsichtlich der Datenübertragung erst auf Breitband bzw. das mobile Internet mit aufgerüstetem UMTS (also HSDPA) warten. Eingebettete Videos oder Podcasts lassen sich mobil über GPRS- oder einfache UMTS-Anschlüsse nicht wirklich nutzen.
  3. Das visionäre Konzept wurde nicht umgesetzt: Die allermeisten Zeitungen im Internet sind bis heute nur Abbilder ihrer gedruckten Fassung. Die technischen Möglichkeiten des Arbeitens mit Videos, Verlinkungen oder Podcasts wurde bis heute kaum aufgegriffen und somit für den Leser auch kein echter Mehrwert gegenüber den Druckversionen geschaffen.
  4. Die Nachfrage blieb aus, weil andere die Lücke füllten: Das Zögern der Verlage in Sachen Internet löste keine Proteste aus, gab es doch genug andere Anbieter, die bereitwillig in die Lücke sprangen. Blogs, News-Channels, Portale, Fernseh- und Radiosender konkurrieren um die Gunst des Online-Publikums und bieten aktuelle Nachrichten in Hülle und Fülle.
  5. Der Rückkanal bzw. das Web 2.0 wurde nicht erkannt: Das Internet ist keine Einbahnstraße und seine User wollen sich aktiv beteiligen. Das haben die ansonsten sehr klug vorausdenkenden Experten von Knight Ridder 1994 noch nicht gesehen.

Mein Fazit: Hier haben die Zeitungsverlage eine große Chance vertan und es versäumt, im Medium Internet sich rechtzeitig einen gewichtigen Platz zu sichern. Heute laufen sie der Entwicklung hinterher und bekommen zudem jetzt immer mehr Konkurrenz von den „mathematischen“ Redaktionen, also den Aggregatoren wie Google-News, Techmeme oder Rivva. Diesen relativ neuen Instrumenten gehört die Zukunft, mehr darüber im Laufe der Woche.