Das Kulturgut „Buch“ und seine Metamorphose

Nachdem ich neulich im buchreport zitiert worden war und man mir freundlicherweise ein Belegexemplar schickte, brachte mich das auf den Gedanken, dass Entwicklungen, die das Internet mit sich bringt, auch am Buchmarkt abzulesen sind: Eine Metamorphose gewissermaßen in vier Entwicklungsstufen.

  1. Am Anfang steht das Buch als auf Papier gedrucktes Medium. In Deutschland ist das ein Markt mit ca. 9,2 Mia Euro Umsatz (2005) und jährlich rund 90.000 neuen Titeln.
  2. In den 90er Jahren kam das Hörbuch (als CD) dazu. Genauer gesagt: Erst mit der CD als Trägermedium setzte sich das Hörbuch am Markt durch. Das Volumen dieses Marktes liegt derzeit nach einer Schätzung des buchreports bei jährlich 160 bis 180 Mio Euro Umsatz, die Gesamtzahl an lieferbaren Titeln nähert sich der Marke von 20.000 Stück. Etwa zeitgleich entwickelte sich auch das E-Book, also ein elektronisch gespeichertes Buch (zum Lesen). Auch hier ist die CD das bevorzugte Trägermedium. Im Gegensatz zum Hörbuch ist das E-Book aber bis heute ein Nischenphänomen geblieben, weil es noch immer an komfortablen Lesegeräten fehlt.
  3. Die dritte Stufe stellen Bücher zum Download dar. Bei den Hörbüchern entstand dieses Marktsegment in Deutschland im Jahr 2004 und wird vom Volumen her auf 0,8 % des gesamten Hörbuch-Umsatzes geschätzt, also 1,3 bis 1,4 Mio Euro. Immerhin wächst dieser Markt mit hohen Zuwachsraten. In Sachen Download-Lese-Bücher ergab meine Google-Recherche nur veraltete Zahlen aus den Zeiten der New Economy, als man noch mit hohen Wachstumsraten rechnete (wo rechnete man damals nicht mit hohen Wachstumsraten?). Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels weist aktuell auf seinen Seiten im Internet keine Zahlen zu dieser Gattung aus.
  4. Die logische vierte Stufe werden „Bücher auf Plattformen“ sein, die man sich nicht mehr eigens herunterlädt und abspeichert, sondern die eben auf ihrer Plattform verbleiben. YouTube macht es vor: Hier schaut man sich Videos an, speichert sie aber nicht mehr dauerhaft auf einem eigenen Rechner. Die Daten bleiben im Netz („in the cloud“). Entscheidend ist hier das Bookmarking, so dass man bestimmte Titel auch leicht wieder findet. Mit permanenten Verbindungen ins Internet (stationär und mobil) wird man künftig von überall aus Zugriff auf seine elektronischen Bücher haben und sie mehr oder weniger komfortabel lesen können, je nach Ausgabegerät das man gerade zur Hand hat: Mobiltelefon, Tablet-PC oder vielleicht auch ein Tisch ähnlich der Entwicklung von Microsoft: Mit dem Mobiltelefon stellt man die Verbindung zum gewünschten Buch her und die Tischoberfläche („Surface“) dient dann als bequemes Lesemedium.

Am Anfang steht also das gute alte Buch, während am Ende eine Datei steht, von der noch gar nicht klar ist, ob sie nur reinen Text (und ein paar Bilder oder Grafiken) enthalten wird, oder auch Bewegtbilder (etwa kurze Filmsequenzen). Mit der Entmaterialisierung werden auch die Grenzen der Gattungen schwammig werden und müssen vielleicht neu definiert werden.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Danke für den tollen Beitrag. Ich kann dem nur zustimmen, würde allerdings nicht so sehr von einer „Metamorphose“ sprechen als von einer Erweiterung der Optionen. Der Untergang des Buches ist ja schon oft beschrien worden, aber am Ende wächst der Buchmarkt sogar wieder seit ein paar Jahren. Das Medium Buch wird auch weiterhin seinen Platz haben (alleine wegen der Haptik), aber – Stichwort „Entmaterialisierung“ – es muss nicht unbedingt am Anfang der Wertschöpfungskette stehen. Alternative Optionen werden nebeneinander bestehen. So muss auch der Publikationsprozess aussehen, was sich allerdings noch durchsetzen muss – aber auch wird. Dein Beitrag klingt übrigens ein bißchen wie aus unserem Businessplan entnommen 😉

  2. Ich schließe mich Ralf an, ein sehr guter Beitrag, danke dafür! Ich würde auch eher von Erweiterung und nicht von Metamorphose sprechen.

    Interessant ist in meinen Augen die Frage, welche Erweiterungen sich für welches Buch eignen? Einen Roman werde ich in der Regel als klassisches Buch lesen, unterwegs aber auch in Hörform.
    Spannend wird es, wenn man sich die Möglichkeiten anschaut, die z.B. ein Opernführer bietet. Da kann ich die ganze Klaviatur vom Buch bis zur Plattform durchspielen und so eventuell ganz neue Kundensegmente ansprechen.

    Und noch etwas: Mit dieser Form der Erweiterung werden sich noch ganz andere Branchen beschäftigen müssen, die Musikbranche zum Beispiel.

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