Wie sich Buchverlage und Spielehersteller täuschen könnten

Da lese ich gerade bei Heise, dass der Umsatz mit digitalen Spielen stark wächst, während er bei den klassischen Brettspielen eher stagniert. In diesem Zusammenhang zitiert Heise den Vorsitzenden der Fachgruppe „Spiele“ im Spielwaren-Verband, Ernst Pohle, sinngemäß, „dass man damit rechne, dass die Verbraucher künftig wieder häufiger zum klassischen Spiel griffen, weil sie ohnehin immer mehr Zeit vor dem Bildschirm verbringen würden und in ihrer Freizeit nicht auch noch davor sitzen wollten“.

Abgesehen von einer leichten Widersprüchlichkeit in der Logik dieser Aussage, kann man ähnliche Sichtweisen auch von Buch- oder Zeitungsverlagen hören. Obwohl also immer mehr Menschen immer mehr Zeit mit ihren Computern oder Smartphones verbringen, wird genau dieser Umstand als Beleg für eine (stabile) Nachfrage nach nicht elektronischen Medien herangezogen. Wer so argumentiert, täuscht sich selbst.

Nutzungsintensitäten

Die elektronischen Medien gewinnen immer mehr Nutzer. Für den Bereich der Spiele zeigt dies etwa der Media Report Gaming von SevenOne Media, für die Druckmedien die hier schon vorgestellte Studie von Deloitte. Dass auch verstärkt ältere Menschen das Internet nutzen, thematisieren aktuell die Blogpiloten.

Entwicklungen bei der Hardware

Hier werden die Ausgabemedien immer vielfältiger und die Nutzer damit unabhängiger von PC’s oder Notebooks. Mobilfunkgeräte wie das iPhone weisen den Weg, ein nächster Schritt ist etwa die Surface-Technologie von Microsoft. Insbesondere dieser Tisch von Microsoft lässt daran denken, dass darauf Spiele in der Art der heutigen Brettspiele leicht möglich sein werden: „Mensch ärgere dich nicht“ etwa mit echten Würfeln und virtuellen Figuren auf einem virtuellen Spielfeld. Auch die lange eher geschmähten Tablet-PC’s könnten ihre große Zeit noch vor sich haben: Hier ein Video, in dem ein begeisterter Tablet-PC-User sein neues Gerät (von TabletKiosk) vorführt. Das Handling ist schon beeindruckend, es fehlt eigentlich nur noch eine Touchscreen-Funktionalität, wie sie das iPhone bietet.

Wer fest daran glaubt, dass die alten Medien noch eine lange (und sichere) Zukunft haben, sollte in seiner Strategie auch berücksichtigen, dass es bei Computern zu einer vergleichbaren Entwicklung in Bezug auf die Geräteausstattung der Haushalte kommen dürfte, wie dies in den letzten Jahrzehnten schon bei Radio und Fernseher der Fall war: Was jeweils mit kleinen Stückzahlen begann, steht heute bei einer Voll- oder gar Überversorgung.

Software in Kombination mit neuer Hardware

Auch hier schreitet die Entwicklung stetig voran, die Spitze bilden derzeit Online-Welten wie Second Life oder Spiele wie World of Warcraft. Die neulich hier im Blog thematisierte Wii-Konsole (Nintendo) zeigt exemplarisch, wie Software im Zusammenspiel mit neuen Hardwarekomponenten immer neue Anwendungsfelder möglich macht.

Die Folge für Geschäftsmodelle von Verlagen und Spieleherstellern

Wer in 10 Jahren noch im Geschäft sein will, muss bis dahin seinen Umsatz mit digitalen Produkten machen (können). Das Internet wird uns dann auf Schritt und Tritt begegnen und begleiten – und nicht mehr „eingesperrt“ sein in PC’s, die irgendwo im Arbeitszimmer stehen und erst (umständlich) hochgefahren werden müssen.

Die 2006 in der Schweiz realisierte iBar hat zwar (noch) keinen Internetanschluss, vermittelt aber schon ein bisschen den Zeitgeist einer Zukunft, die uns schneller erreicht und anders aussieht, als viele meinen.