Corporate Blogging: Wann macht es Sinn? Ein Gedankenspiel

Eben neulich lese ich bei Robert Basic über ein neues Blog von Sony und die von ihm in diesem Zusammenhang gestellte Frage, ob ein Unternehmen ein Blog braucht.

Stellen wir uns mal vor, praktisch jedes Unternehmen hätte ein Blog (oder gar mehrere). Kleinbetriebe, Mittelständler und natürlich alle großen Konzerne. Und vergessen wir nicht Ämter und Bürgermeister, Krankenhäuser und Ärzte, Museen, Rechtsanwälte und die Landwirtschaft.

Wer soll das alles lesen?

Das Meiste würde in der Informationsflut untergehen. Denn nicht jeder kann alles lesen. Zudem würden sich dann vermutlich Meta-Blogs herausbilden, die aus der Fülle das jeweils Aktuelle, Wichtige und Unterhaltsame herausfilterten. Aktuell erfüllen Blogs wie das von Robert Basic oder etwa Rivva (zumindest teilweise) bereits eine solche Funktion.

Damit würde dann der Effekt eintreten, dass das Anspruchsniveau schnell stark steigen würde. Denn wo heute beispielsweise ein gut gemachtes Blog wie das Walther-Saftblog relativ leicht hohe Aufmerksamkeitswerte erzielen kann, wäre die Sache ganz anders, würden erst sämtliche Keltereien, Molkereien und Brauereien fröhlich mitbloggen. Der einzelne Betrieb müsste sich dann gut überlegen, mit welchem Mitteleinsatz er welches (wirtschaftliche) Ergebnis erzielen könnte.

Aber: Jenseits einer solchen Informationsfülle bzw. -konkurrenz ist zu beachten, dass sich unsere pluralistische Gesellschaft aus immer mehr Teilöffentlichkeiten zusammensetzt, die ganz unterschiedliche Interessen und Informationsbedürfnisse haben. Und so gesehen wäre im Einzelfall auch zu überlegen, ob man mit einem Corporate Blog nicht doch ganz gute Aufmerksamkeitswerte erzielen könnte, sofern man sich nur in einer speziellen Nische bewegte, die über eine ausreichend hohe Kaufrelevanz verfügt.

Wer macht denn heute Öffentlichkeitsarbeit?

Lassen wir dazu das Web 2.0 mal außen vor. Denn jeder Gärtner, Apotheker oder Mittelständler kann ja auch ohne das Internet Öffentlichkeitsarbeit betreiben und über sich in der Zeitung berichten lassen. Nur: Das macht kaum einer! Die Klaviatur dieses Instruments wird nur von wenigen Mittelständlern und den meisten Großkonzernen aktiv genutzt.

Den kleinen Betrieben fehlen dazu schlicht die personellen Ressourcen, die Größeren haben meist gar kein Interesse daran, dass über sie in der Presse berichtet wird. Allenfalls zum Firmenjubiläum wird ein Artikel mit Bild in der lokalen Presse geduldet. Sollte sich daran etwas ändern, wäre ein erheblicher Bewusstseinswandel erforderlich.

Und das Problem liegt deshalb wohl auch weniger darin, dass man etwa das Web 2.0 nicht kennen oder schätzen würde, sondern dass Corporate Blogs ein Instrument der Öffentlichkeitsarbeit sind und man eben genau dies nicht betreiben will. Man ist also nicht gegen Blogs, sondern gegen (aktive) Öffentlichkeitsarbeit.

Dem wäre gegenüber zu stellen, dass mit dem Internet nicht nur die Öffentlichkeitsarbeit allmählich ein anderes Gesicht bekommt, sondern auch die Werbung. Teilweise verwischen heute schon mitunter die Grenzen zwischen diesen beiden Gebieten. Ohne diesen Anspekt hier ausführlich zu beleuchten, lautet das Fazit wiederum, dass sich Unternehmen sehr wohl überlegen sollten, ob sie nicht doch mit einem Corporate Blog Vorteile für sich erzielen können.

Corporate Blogs: Besser heute als morgen!

In meinen Augen sollten Unternehmen Corpororate Blogs führen, und zwar besser heute als morgen. Die Gründe hier knapp zusammengefasst:

  1. Nischenphänomen: Unsere pluralistische Gesellschaft entwickelt immer mehr Nischen, die sich im Internet über Corporte Blogs effizient ansprechen lassen.
  2. Marketing: Corporate Blogs sind Marketinginstrumente, die Werbung und (klassische) Öffentlichkeitsarbeit in neuer Form miteinander verbinden können.
  3. Early Mover Advantage: Wer frühzeitig einsteigt (und durchhält), kann sich eine gute Position schaffen, wie das Beispiel des Saftblogs anschaulich belegt.

Ins gleiche Horn bläst natürlich Klaus Eck (PR Blogger), hier etwa mit einem sehenswerten Videobeitrag seiner Kollegin Heike Bedrich. Als Quintessenz bleibt hier, dass es nicht nur erforderlich ist, Unternehmen von den Vorteilen des Web 2.0 zu überzeugen, sondern Ihnen auch zu vermitteln, dass Öffentlichkeitsarbeit (zunehmend) Sinn macht.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich glaube, die allermeisten Unternehmen wissen, dass sie PR, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing betreiben müssen. Das primäre Problem ist dabei, und das betrifft vor allem die kleineren Unternehmen: es fehlt die Zeit, um sich damit zu beschäftigen, denn das Tagesgeschäft lässt keine Zeit dafür übrig.

    Und wenn man dann eine gewisse Zeit nichts gemacht hat, dann fühlt man sich abgehängt und lässt es lieber bleiben, weil sich die Einstiegskosten mit jedem Tag, an dem man nicht damit beginnt, erhöhen.

    Und ob es dann wirklich ein Blog ist, hängt auch von verschiedenen Faktoren ab. Ohne die entsprechenden Ressourcen und das Know-how lässt man es unter Umständen besser bleiben.

    Manchmal würde mir auch schon eine Website genügen, auf der die wichtigsten Infos zum Unternehmen zu finden sind. Das Blog kommt da erst später…

  2. Oder Website und Blog werden eins. Für viele kleine Firmen würde ein Blog (als Website) doch genügen: Alles Wichtige kann auch auf einem Blog aufgeführt werden, zudem kann man von Zeit zu Zeit aktuelle Neuigkeiten ganz leicht selbst einstellen…

  3. Grundsätzlich stimmt das natürlich, nur geht es in Blogs ja eigentlich um Kommunikation. Manchmal ist es aber schon gut, wenn es im ersten Schritt Information gibt. Und wenn dann irgendwann mal ein Blog eingerichtet wird, dann ist das natürlich kein Fehler.

    Aber wie gesagt: viele Menschen haben Angst, so „öffentlich“ zu kommunizieren. Wir sind Blogger und „trauen“ uns das. Viele haben aber Angst, etwas „Falsches“ zu sagen bzw. fürchten sich davor, in einem Blog, wo ja jeder schreiben kann, kritisiert oder beschimpft zu werden. Das muss man ernstnehmen, denke ich.

  4. Da haben Sie schon recht! Obwohl es eigentlich kurios ist, denn wir sprechen wir ja nicht von Privatpersonen, sondern von Unternehmern, die praktisch ständig in der Öffentlichkeit agieren.

    Und die allermeisten sind da ja auch sehr souverän (und erfolgreich), nur wenn es dann an diese schriftliche Ebene (Blogs) geht, da werden viele unsicher….