Enterprise 2.0: Hohe Erwartungen an einen kryptischen Begriff

So langsam taucht auch in Deutschland der Begriff „Enterprise 2.0“ etwas häufiger auf. Gemeint ist damit die Übertragung der Ideen und Instrumente des Web 2.0 in den Kontext (herkömmlicher) Unternehmen. Aktuell berichtet Alexander Richter (NeubibergBlog) über eine Veranstaltung der IBM (im kleinen Kreise), auf der das Thema ausführlich erörtert wurde.

Demnach zeigt sich die IBM beunruhigt, wie wenig deutsche Unternehmen bislang die Möglichkeiten des Web 2.0 nutzen (und kennen). Diesen Standpunkt kann man durchaus vertreten, insbesondere wenn das eigene Unternehmen erst wenige Wochen zuvor eine neue Corporate Social Software auf den Markt gebracht hat. Ausführlicheres dazu bei Martin Koser (Frogpond).

Aber auch an der Bundeswehrhochschule München hat man das Thema entdeckt und dazu ein eigenes Blog aufgesetzt. Interessant in diesem Kontext ist auch das (persönliche) Blog von Prof. Dr. Michael Koch. In das Thema kommt also langsam Bewegung, nur in den Unternehmen muss es noch ankommen.

Meine Erfahrungen in der schwäbischen Provinz zeigen aber, dass man mit Begriffen wie „Web 2.0“ oder gar „Enterprise 2.0“ nicht auf offene Ohren stößt. Anders wird die Sache erst, wenn man die Unternehmer über ihre aktuelle Situation sprechen lässt und ihnen Lösungsansätze in Aussicht stellt, die auf ihre Probleme passen.

Und ein gravierendes Problem ist derzeit etwa der Mangel an qualifiziertem Personal. Unternehmer, die sich darüber den Kopf zerbrechen, steht der Sinn nicht nach dem Web 2.0. Wohl aber nach Möglichkeiten, wie sie ihre Mitarbeiter effizienter arbeiten lassen können. Oder wie mittels Personalmarketing auf mittlere Sicht wieder mehr qualifizierte Bewerber angelockt werden können.

So gesehen lassen sich einige Herausforderungen, vor denen die Unternehmen heute stehen, durch die Brille des Web 2.0 betrachten und mit Antworten versehen, ohne das Kind (vorschnell) beim Namen zu nennen. In den nächsten Monaten wird an dieser Stelle darüber zu berichten sein, wie diese Vorgehensweise in der Praxis ankommt…

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Herr Schwenk,

    oh ja, diese Erfahrungen kann man nicht nur in der Provinz machen.

    Die Argumentation entlang von Begriffen und Konzepten wie Web 2.0, Social Software oder auch Enterprise 2.0 ist in der Regel ungeeignet.

    Fallstudien, Erfahrungsberichte und Business Cases, die an den (unzweifelhaft) bestehenden Problemen ansetzen, sind der bessere Weg – wenn diese Vor- und Nachteile knapp, d.h. CEO-gerecht, umreißen hat man schon viel gewonnen.

  2. Ein sehr interessanter Beitrag zu einem spannenden Thema! Ich denke auch, dass es wenig Sinn macht, Unternehmen mit Begriffen wie Web 2.0 oder Enterprise 2.0 zu konfrontieren.

    In meinen Augen geht es vor allem um einen Wandel in der Unternehmenskultur. Partizipation, und um die geht es ja bei allen 2.0-Begriffen, kann nicht in einem streng hierarchischen Unternehmen funktionieren.

    Sören Stamer hat das in einem Vortrag sehr schön auf den Punkt gebracht. Hier ist der Link zum Video: http://tinyurl.com/23r9hx
    Leider ist der Ton nicht sehr gut, aber der Vortrag ist es dafür umso mehr.

  3. Danke für den Link zum Vortrag von Sören Stamer! Wirklich interessant – und kannte ich noch nicht.