Existiert das Web 2.0 gar nicht?

Steve Rubel (Micro Persuasion) verweist in einem aktuellen Artikel auf das seit Anfang Juni aktive Blog von Marc Andreessen. Der wiederum diskutiert in einem seiner Beiträge die Frage, ob es überhaupt so etwas wie das Web 2.0 geben kann. Liest man den Artikel samt Kommentaren, so zeigt sich, dass sich alle darin einig sind, dass sich das Internet in den letzten Jahren qualitativ weiterentwickelt hat. Der eigentliche Streit entzündet sich an der Frage, ob dafür ein eigener Begriff erforderlich ist.

Für uns hier ist interessant, dass Andreessen das Web 2.0 im Wesentlichen mit internet-bezogenen Geschäftsmodellen in Verbindung bringt: Das Web 2.0 sei ein Begriff für Unternehmensaktivitäten, bei denen über Plattformen im Internet versucht wird, Geld zu verdienen. Kritisch daran sei, dass viele dieser Startup-Unternehmen nur einem Trend hinterher liefen und der Trend eben noch kein Markt sei.

Diese (weitverbreitete) Sicht auf das Web 2.0 erklärt dann auch, warum man etwa im Mittelstand (und weithin sonst auch) sich nicht damit beschäftigt! Wer die Geschäftsmodelle der Internet-Startups als für sich nicht relevant einstuft, übersieht dabei, dass das Web 2.0 weit mehr als nur Plattformen für Networking, Video-Sharing oder Podcasting bereithält.

Vielleicht sollte man deshalb den Begriff des „Enterprise 2.0“ stärker ins Bewusstsein rücken und damit deutlich machen, dass praktisch alle Weiterentwicklungen der letzen Jahre, die so gerne unter dem Begriff des Web 2.0 zusammengefasst werden, in beinahe allen Unternehmen (und Verwaltungen) eingesetzt werden können.

Hier ein Auszug aus einer Podiumsdiskussion, in der man sich am Ende darüber einig ist, dass das Enterprise 2.0 schon in Fahrt kommen wird, wenn ab jetzt nur noch Berufsstarter in die Unternehmen eintreten, die praktisch ihr ganzes Leben „online“ waren und eine Zeit ohne Internet gar nicht mehr kennen. Die „Anzugträger“ in der Diskussion übersehen dabei offenbar, dass die meisten Unternehmen sehr hierarisch geprägt und bisweilen ausgesprochen konservativ sind…