2007 – 2012: Die nähere Zukunft des Internets (3)

Nachdem ich im ersten Beitrag dieser Serie den heutigen Stand der Dinge in Sachen Internet und Mittelstand beschrieben und im zweiten Teil einige grundlegende Entwicklungen der kommenden 5 Jahre dargestellt habe, betrachte ich ab jetzt einzelne unternehmensrelevante Bereiche genauer.

Personalmarketing ist ein Thema, das in der Vergangenheit bereits durch das Internet einige Veränderungen erfahren hat. So haben etwa die Tageszeitungen Stellenanzeigen zum großen Teil an Stellenbörsen im Internet verloren. Noch tragen aber die meisten Unternehmen kaum der Tatsache Rechnung, dass sich Schüler, Studenten und Berufstätige zunehmend auf Plattformen wie StudiVZ oder Xing bewegen.

Dabei muss man sich vergegenwärtigen, dass das Phänomen der Social Communities bzw. der Web 2.0 Plattformen noch außerordentlich jung ist: So wurde Xing erst 2003 gegründet (unter dem Namen OpenBC), im selben Jahr wie MySpace. Das koreanische Cyworld stammt in seinen Ursprüngen aus dem Jahr 2001 und wurde ab 2003 richtig populär, Facebook aus den USA startete im Jahr 2004.

Diesen (und weiteren) Plattformen ist gemeinsam, dass sie praktisch auf Anhieb eine Art Marktlücke füllten und binnen kurzer Zeit enorme Mitgliederzahlen erreichen konnten. So startete Facebook im Frühjahr 2004 auf dem Campus der Harvard University, nur um drei Jahre später die Schwelle von 20 Millionen bei den Mitgliedern zu überschreiten.

Wussten Sie übrigens, dass YouTube im Jahr 2005 online ging? Diese Video-Plattform bringen wir hier zwar nur schwer mit dem Begriff „Personalmarketing“ unter einen Hut, sie macht aber die Rasanz der Entwicklung besonders deutlich.

Vorreiter in diesem Markt ist ohne Zweifel Facebook. Das Unternehmen hat unlängst seine Plattform für alle geöffnet (und ist damit nicht mehr exklusiv nur für Studenten) und zudem noch Schnittstellen geschaffen, mit denen andere Anbieter ihre Inhalte direkt auf den Seiten von Facebook einbinden können. Sehenswert dazu die Ausführungen des Gründers Mark Zuckerberg.

Damit werden wir schon in naher Zukunft sehen, wie Online-Stellenbörsen Anwendungen schaffen werden, die sich die User von Facebook in ihre Profile einbinden können. Auf diese Weise kann man sich dann ganz nebenbei laufend über neue Stellenangebote informieren und bekommt dazu nur solche Angebote gezeigt, die auf das individuelle Profil passen. Das Angebot kommt zum Nutzer – nicht mehr umgekehrt!

Wenn aber Mittelständler sich aufgrund des demografischen Wandels zunehmend schwer tun, ihre Stellen insbesondere in den technischen Bereichen (Facharbeiter, Ingenieure) zu besetzen, was nützen da Plattformen wie Xing oder Facebook?

Im Mittelstandsblog empfiehlt Sven Weickert, Geschäftsführer des Instituts für Personalmanagement (Berlin), nicht nur auf Stellenanzeigen zu setzen sondern auch Kontakte zu den Hochschulen aufzubauen. Ich gehe hier noch einen Schritt weiter und sage, dass die mittelständischen Unternehmen sich darüber hinaus auch auf die Ebene ihres Nachwuchses begeben und den Kontakt im Web 2.0 suchen müssen.

Also ihre Internetauftritte interessanter gestalten und vor allem dialogfähig machen, dazu auch Videos im YouTube-Format drehen (wie unlängst hier gezeigt) und im Web verbreiten. Schließlich sollte man auch Werbung (Banner) auf den Plattformen ins Auge fassen, auf denen die eigene Zielgruppe „zuhause“ ist.

Wird das so kommen? Ich denke schon. In den kommenden 5 Jahren werden sehr viele mittelständische Unternehmen den Weg ins Web 2.0 finden, weil sie sich technisch und kommunikativ nicht von ihrem Nachwuchs werden abkoppeln können. Und das Ganze hat noch eine weitere Dimension: Der internetaffine Nachwuchs wird auch im Betrieb selbst eine andere Dialogkultur und andere Arbeitstechniken einfordern. Doch dazu mehr im nächsten Beitrag…