2007 – 2012: Die nähere Zukunft des Internets (2)

Das Internet ist nicht länger ein Informationskanal (unter vielen), sondern entwickelt sich gerade zum alles dominierenden Trägermedium. Dies betrifft alle Ebenen, also die Übertragungstechnik, Hard- und Software sowie natürlich die Inhalte.

Die Grundlage für alles ist die Übertragungstechnik, die uns in den letzten Jahren die Breitbandtechnik sowie unterschiedliche Formate für mobile Internetzugänge gebracht hat. Hier dürfte es in den nächsten 5 Jahren kaum spektakuläre Durchbrüche geben, dafür aber stetige Weiterentwicklungen an allen Fronten: Also weiter zunehmende Übertragungskapazitäten, ein besserer Netzausbau und vermutlich auch weiter fallende Preise.

Die Konvergenz von (klassisch analoger) Telefontechnik und der Telefonie über das Internetprotokoll wird weiter voranschreiten und in vielen Büros die Festnetztelefongeräte überflüssig machen: Entweder man telefoniert über ein Mobilfunkgerät oder über den PC (etwa über Skype), Videokonferenzen eingeschlossen. Die Mobiltelefone wiederum werden sich, je nach Standort, in hausinterne Netze (mit Anschluss ans Internet) oder in die Netze der Mobilfunkanbieter einwählen.

Ein nicht zu unterschätzender Treiber des Internets ist nach wie vor die Demografie. So wachsen jedes Jahr junge Nutzer nach, während die altershalber sterbenden Menschen das Internet überwiegend nur dem Namen nach kannten. Das Netz „verliert“ also noch keine User, sondern profitiert im Gegenteil von einem echten Beschleunigungseffekt, da nicht allein die bloße Zahl der Nutzer zunimmt, sondern auch die Nutzungsintensität. Die „Heavy-User“ lassen sich nämlich nicht länger als Generation von Jugendlichen und jungen Erwachsenen einordnen, sondern müssen jetzt wie eine „Welle“ gesehen werden, die in den nächsten 5 Jahren die Alterstufe der 40jährigen erreicht (und überrollt).

Drittens sind die Entwicklungen bei Hard- und Software zu beachten. Die „normale“ IT-Technik wird in den nächsten 5 Jahren vom unverändert gültigen Mooreschen Gesetz profitieren und damit ungebremst kontinuierlich mehr Rechen- und Speicherleistung erhalten. Alternativ werden die Preise (für gegebene Leistungsniveaus) weiter dramatisch fallen. Von dieser Entwicklung werden die Smartphones besonders stark profitieren, da die kleinen Begleiter damit gegenüber dem PC oder Notebook weiter aufholen und unterwegs alle nur denkbaren Inhalte oder Programme werden zur Verfügung stellen können.

Das halte ich für besonders bedeutsam, da das Internet damit immer weniger an feste Orte gebunden sein wird (klassisch: der PC im Büro oder zuhause im Arbeitszimmer), sondern zum Datenstrom mutiert, den ich jederzeit in jeder Form anzapfen kann. Und das Internet im Auto, sei es über fest eingebaute oder tragbare Navigationsgeräte ist in diesem Kontext keine umwerfende Prophezeiung mehr. Sehr radikal denkt in dieser Sache David Gelernter, wenn ich auch seine Vision nicht schon in den nächsten 5 Jahren als Realität erkennen kann (er selber schon).

Und schließlich die Inhalte. Hier werden wir die massivste Transformation erleben. Vielfach wird das Internet heute ja noch wie eine Art Lexikon benutzt, bei dem wir (gezielt) zu den Inhalten gehen. Im Web 2.0 sind die RSS-Feeds ein Vorgeschmack darauf, wie künftig die Inhalte zu uns kommen werden (via Basic Thinking).

Google arbeitet etwa massiv daran, seine Algorithmen so weiterzuentwickeln, dass wir nicht mehr passiv bei der Suche nach Informationen unterstützt werden, sondern offene Fragen stellen können und uns personalisiert konkrete Handlungsvorschläge gemacht werden. Da ist es dann kein großer Schritt mehr zu dem Punkt, wo Google erst gar nicht mehr auf unsere Sucheingaben wartet, sondern von sich aus uns freundlich seine Vorschläge macht.

Spannnend wird sicherlich der Kampf ums Fernsehen werden, denn auch hier hat der Konvergenzprozess längst eingesetzt. Aktuell setzt sich die EU-Komission für die Versteigerung freier Funkfrequenzen ein (bis 2010), während öffentlich-rechtliche und private Rundfunksender in seltener Einmütigkeit heftig dagegen zu Felde ziehen. Sie wollen ihre Domäne verteidigen, haben sie doch schon im Internet reichlich neue Konkurrenz, angefangen von YouTube bis hin zu Joost. Jedenfalls wird „TV on demand“ bis 2012 gängige Praxis sein.

Auch der Zeitungsmarkt wird in diesem Kontext weiter massiv Federn lassen müssen oder sich konsequent den neuen Realitäten anpassen. Bill Gates sagt voraus, dass bis in 5 Jahren die meisten Medien nur noch online gelesen werden, weil bis dann auch der Fortschritt in der Bildschirmtechnologie das elektronische Lesen am Frühstückstisch möglich macht.