Google, Künstliche Intelligenz und Singularität

Meine Themenwoche in Sachen „Beschleunigte Zeiten“ kann nicht ohne einen Blick auf die Firma Google zu Ende gehen. Warum?

Google betreibt bekanntlich nicht nur eine Suchmaschine, sondern eine Reihe weiterer Dienste, darunter auch das Projekt einer Online-Welt-Bibliothek, für die das gesamte Wissen der Menschheit digital erfasst werden soll. Warum unterzieht sich das Unternehmen einer solchen Mühe? Warum riskiert man Anfeindungen und Urheberrechtsprobleme, wenn man doch eine Suchmaschine mit beinahe monopolartiger Marktstellung hat und über seine ausgeklügelten Werbesysteme Milliardengewinne macht?

Ich bin der festen Überzeugung, dass das Management bei Google die Bedeutung (und Chance) der Singularität voll erkannt hat und selbst versucht, sich dem Thema „Künstliche Intelligenz“ zu nähern. Wozu sonst sollte man alles nur verfügbare Wissen der Welt sammeln wollen? Auch die Suchmaschine mit ihren hochentwickelten Algorithmen und weltweit verteilten Serverfarmen passt da schön ins Bild.

Zudem ist das Mooresche Gesetz bei Google keine lexikalische Randnotiz, sondern unmittelbare Erfahrung seit der Unternehmensgründung. Google lebt und funktioniert ausschließlich aus der Rechen- und Speicherleistung modernster Computertechnik. Kaum irgendwo sonst dürften Geschäftsmodell und Mooresches Gesetz derart eng verwoben sein.

Interessant dabei ist, dass in Wirtschaftskreisen darüber überhaupt nicht nachgedacht wird – obwohl es ja vielleicht den Aktienkurs von Google enorm beflügeln könnte. Substantielles hierzu finde ich nur bei den Experten der Singularität, etwa Siggi Becker und Andreas Stuhlmüller.

Für mich besteht kein Zweifel mehr: Google entwickelt selbst Künstliche Intelligenz und sammelt dazu heute schon alles nur verfügbare Wissen. Denn wenn erst einmal ein autonom funktionierendes Rechnergehirn geschaffen ist, braucht dieses eine Wissensbasis. Und je größer diese ausfällt, desto bessere Ergebnisse liefert dieses Hirn.

Tritt dieser Fall ein, werden Unternehmensberater wie ich schlicht überflüssig (weil zu dumm). Aber bis dahin ist es ja zum Glück noch etwas Zeit…