Wikinomics

Dieser Artikel wäre vermutlich nicht entstanden, hätte ich nicht einen Wink zu Wikinomics in den Kommentaren meines Blogs gefunden. Und mich dann daran erinnert, dass ich ganz zu Beginn dieses Blogs (also vor vier Wochen) Don Tapscott schon einmal kurz erwähnt hatte.

Wikinomics ist die Begriffsprägung von Tapscott für eine neue Form des Wirtschaftens, die durch das Internet bzw. die globale Vernetzung überhaupt erst möglich wird. Produkte und Dienstleistungen entstehen demzufolge immer weniger hinter „abgeschotteten Werkstoren“, sondern durch die freiwillige Mitarbeit vieler.

Konkret sieht das so aus, dass zu der klassischen Wertschöpfung im Unternehmen die Mitarbeit externer Kräfte kommt, die mit ihrem Wissen einen freiwilligen (und zumeist unbezahlten) Beitrag über das Internet liefern. Voraussetzung dafür ist eine Offenheit bzw. die (teilweise) Offenlegung betrieblicher Vorgänge, damit sich externe Interessenten überhaupt beteiligen können. Im Ergebnis entsteht so eine „globale Kultur des Teilens“.

Was auf den ersten Blick gut klingt, hat aber auch erhebliche Schwächen: Nicht jede Form von Arbeit lässt sich über das Internet teilen. Und ebenso gravierend: Kein Unternehmer wird sich darauf verlassen können, dass ihm über das Internet schon irgend jemand eine gute Produktidee, einen Geschäftskontakt oder ein Stück funktionierenden Software-Code liefert. Im Zweifel muss er diese Dinge selbst regeln können (ganz klassisch hinterm Werkstor).

Und doch hat die Idee von Tapscott etwas Bestechendes: Die von ihm propagierte Offenheit wird zwar kaum irgendwo den Kern der Wertschöpfung bilden können, aber sie kann dazu beitragen, Produkte zu verbessern, neue Kontakte zu knüpfen und Wissensquellen zu erschließen, die man selbst so nicht gefunden hätte. Wikinomics steigert so gesehen die Effizienz des Unternehmens und damit auch dessen Wettbewerbsfähigkeit.

Die Kunst besteht nun freilich darin, diese neue Form der Kollaboration individuell für jedes Unternehmen zu finden und nutzbar zu machen. Angesichts der Wissensexplosion und Globalisierung praktisch aller Wirtschaftsfelder sind hier vor allem die kleineren Unternehmen gefordert. Sie brauchen Netzwerke, mit denen sich Wissensvorsprünge halten, frühzeitig Trends erkennen und neue Wettbewerber identifizieren lassen.

Die heute noch dominierende Abschottung der meisten Unternehmen nach aussen war sinnvoll in einer Zeit, in der die Märkte übersichtlich und das eigene Wissen (über Produkte und Verfahrenstechniken) singulär waren. Doch davon können immer weniger Unternehmen ausgehen. Don Tapscotts Theorie der Wikinomics liefert den Ansatz für einen Weg in die Zukunft. Und Beispiele gibts in seinem Buch noch dazu.