Abwarten und Tee trinken: Das Web 2.0 kommt von allein…

Der britische Unternehmensberater Euan Semple hat neulich in einem vielbeachteten Blogbeitrag die These vertreten, Unternehmer und Manager sollten in Sachen Web 2.0 nichts tun sondern einfach abwarten. Die aktiven und dynamischen Mitarbeiter würden sich der Instrumente schon ganz von selbst bedienen, Wikis entwickeln, Blogs schreiben und Inseln in Second Life bebauen. Der einzige Nachteil sei, dass dies dann eben nicht hinter der Firewall des Unternehmens geschehe, sondern praktisch „draussen“.

Andrew McAfee von der Harvard Business School pflichtet ihm bei. Tatsächlich hört man von amerikanischen Unternehmen, dass es genau so passiert sein soll, etwa bei Motorola. Aber ist das auch ein Modell für den deutschen Mittelstand?

Im Unterschied zu amerikanischen Konzernen ist der Mittelstand hierzulande noch vergleichsweise zentralistisch aufgebaut mit einer sehr starken Fokussierung auf die (Inhaber-) Geschäftsleitung. Die Idee von Euan Semple schlägt hier schon aufgrund der Mentalität bzw. Philosophie fehl. Was nicht von „oben“ sanktioniert wird, ist mehr oder weniger tabu.

Und damit wären wir bei Thomas Knüwer und seiner Generation Web 0.0. Denn nicht wenige mittelständische Unternehmer führen noch ein Leben weitgehend ohne Internet. Und in gar nicht so wenigen Betrieben wird das Internet nicht wirklich gern gesehen, weil es im Verdacht steht, die Mitarbeiter von der Arbeit abzuhalten…

Aber, und das muss an dieser Stelle auch gesagt werden, ein Wandel zeichnet sich ab: Im Zuge so mancher Unternehmensnachfolge bringt die nachrückende Generation frischen Wind ins Haus (vorausgesetzt, der Senior hat wirklich aufgehört Einfluss zu nehmen).

Der „frische Wind“ in Sachen Web 2.0 kann aber gefährlich abflauen, wenn das zutrifft was uns Richard MacManus aus Australien auftischt: Er zitiert eine Umfrage von Forrester Research, die zeigt, dass Manager bzw. Unternehmer die Instrumente des Web 2.0 deutlich lieber kauften und einführten, wenn sie ihnen von großen und bekannten Firmen wie IBM oder Microsoft angeboten würden.

Hürden über Hürden! Und doch ist Hoffnung in Sicht, denn der Generationenwechsel betrifft nicht nur die Chefetagen des Mittelstandes. Von unten wächst allmählich eine Mitarbeitergeneration nach, die MySpace und YouTube ganz selbstverständlich kennt und nutzt, und bei Gelegenheit den Chef vielleicht fragt, wie er es mit Twitter hält. Spätestens dann muss er Farbe bekennen!

Ich schließe mich deshalb Ross Dawson an, der empfiehlt, eben nicht abzuwarten bis das Web 2.0 von selber den Weg durch das Werkstor findet. An den Unternehmern liegt es, Grundlagen zu legen und ein Klima zu schaffen, in dem die Mitarbeiter dann Neues ausprobieren können.

Wer sich übrigens darüber mokiert oder wundert, warum ich Blogs aus aller Welt zitiere, nur keine aus Deutschland: Das ist keine böse Absicht, allein es schreibt hier kaum jemand über diese Themen…