Blogs aus dem Ländle: Klett-Cotta

Seit März diesen Jahres bloggt auch der in Stuttgart beheimatete Klett-Cotta Verlag. Es werden Neuerscheinungen aus dem Verlagsprogramm vorgestellt, Autorenlesungen angekündigt und Podcasts eingebunden (Interviews, Lesungen). In meinen Augen ein sehr gelungener Auftakt und ich kann nur hoffen, dass der Verlag diesem Medium Zeit gibt, sich zu entwickeln. Dieses Blog als „Drehscheibe“ zwischen Leser, Autoren, Verlag und Institutionen wie etwa dem Stuttgarter Literaturhaus, passt sehr gut zum Netzwerkcharakter des Web 2.0 und könnte auf längere Sicht eine interessante Informations- und Diskussionsplattform werden.

Allerdings wird sich das kaum von selbst einstellen. Corporate Blogs müssen sich ihr Publikum „erziehen“ bzw. durch geeignete Marketingmaßnahmen allmählich aufbauen. Um Leser anzuziehen, könnte man beispielsweise monatlich ein Buch (oder einen Gutschein für ein Buch) unter allen Blog-Kommentatoren verlosen. Ebenso könnte der Verlag Bücher zur Rezension auch an ausgewählte Blogger schicken (und nicht nur in die Redaktionen der klassischen Zeitungen).

Wichtig ist, dass ein Corporate Blog von Beginn an den Dialog mit seinen Lesern sucht. Deren Stimme ist entscheidend für die weitere Entwicklung des Blogs, zumal hier die Vorstellungen bzw. Erwartungshaltungen noch nicht fertig ausgebildet sind. Das Medium ist im Fluß, sowohl auf Macher- als auch auf Leserseite. Erst auf längere Sicht regelt sich das dann ganz von selbst über den „Web 2.0 Effekt“ (wenn die Kommunikation stabil in beide Richtungen funktioniert).

Das Dilemma der Corporate Blogs: Anfangs fehlt hierzu meist die kritische (Leser-) Masse und die Blogmacher geben bisweilen vorschnell wieder auf, weil sich der „Web 2.0 Effekt“ nicht von selbst einstellt. Sie übersehen dabei, dass sie den Dialog anfangs bewusst unterstützen und fördern müssen.

Neben dem Dialog über Kommentare ist die Verlinkung in der Blogosphäre hilfreich. Auch das geschieht nicht unbedingt automatisch. Klett-Cotta könnte etwa monatliche Themenschwerpunkte setzen und diese mit eigenen Beiträgen bzw. Gast-Autoren „beschreiben“. Parallel dazu wird auf geeignete Buchtitel im Verlagsprogramm hingewiesen. Wichtig wäre aber, dass über den Content ein Echo bzw. Debatten auf anderen Blogs angestoßen werden (und idealerweise darüber hinaus in Printmedien). Nur mit einer Art „Pressemeldungen“ über Neuerscheinungen und Lesungen von Autoren allein wird sich dieser Effekt nicht einstellen.

Content kann aber auch noch aus einer weiteren Richtung kommen: Klett-Cotta hat (wie viele Unternehmen) eine sehr lange Unternehmensgeschichte. Wie war denn das etwa mit dem Erfolgsschriftsteller Goethe (aus Frankfurt, später Weimar) und dem Verleger Cotta in Tübingen? Da ließen sich doch sicher interessante Anekdoten im Archiv finden und gelegentlich im Blog einbauen. Aber immer unter der Rücksicht, dass es auch den Bloglesern gefällt.

Immerhin: Unter den klassischen (Buch-) Verlagen ist Klett-Cotta mit seinem Blog noch ein Pionier, wenn auch nicht der Erste: Seit September 2006 bloggt der Dresdner Verlag Voland & Quist und seit Januar diesen Jahres ist der Fachverlag für IT-Bücher Addison-Wesley mit seinem Blog online. Klett-Cotta selbst hat bereits Blog-Erfahrung mit didaktisch ausgerichteten Blogs, dem PONSblog und dem Frankreich-Blog.