3D im Internet: Ein Thema für die Immobilienbranche

In mancher Hinsicht stehe ich den neuen virtuellen Welten ja noch etwas skeptisch gegenüber. An einer Entwickung habe ich aber keinen Zweifel mehr: Schon bald werden die ersten Bauträger, Architekten oder Projektentwickler ihre Bauprojekte nicht nur anhand von Zeichnungen, kleinen Modellen und farbigen Prospekten werblich anpreisen, sondern sie als virtuelle Objekte etwa in Second Life erstellen.

Warum? Bekanntlich haben viele Menschen Schwierigkeiten, (zweidimensionale) Pläne zu lesen und sich darauf aufbauend vorzustellen, wie das künftige Traumhaus oder die Traumwohnung wirklich aussehen wird. Ein Anbieter, der mit einem virtuell begehbaren Modell in 3D aufwarten kann, bietet mehr Anschaulichkeit und erhöht so seine Verkaufschancen.

Hat der Bau- und Immobililiensektor in Deutschland das schon erkannt?

Mehrheitlich noch nicht. Aber erste Ansätze sind schon da, etwa bei Dr. Krusche und Partner, die als Softwarespezialisten mit interessanten Lösungen aufwarten. Der Fertighaushersteller Schwörer zeigt auf seiner Website die Musterhäuser schon mit virtuellem Rundumblick. Der Küchenhersteller Alno bietet einen virtuellen Küchenplaner zum Download an. Aber noch ist nicht überall 3D drin, wo 3D draufsteht: Etwa beim 3D-Hebel-Haus, das zwar so heisst, aber nicht dreidimensional betrachtet werden kann.

Ganz offenkundig ist also der Stand der Technik bereits weiter als Teile der Immobilienbranche das für möglich halten. Und von einer anderen Seite nähern sich Google und Microsoft dem Thema: Beide Unternehmen wetteifern derzeit um die schönste Abbildung der Welt im Internet, via Google Earth bzw. Virtual Earth, wo auch dreidimensionale Darstellungen nicht fehlen sollen. Da ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sich die Immobilienkäufer und schwäbischen Häuslebauer an solche Dienste gewöhnen und auch von ihrem Makler, Architekten oder Bauträger dreidimensionale (und begehbare) Objektansichten fordern werden.

Welche Auswirkungen hat das auf die Geschäftsmodelle und Strategien in der Branche?

  1. Insbesondere kleinere Anbieter (Makler, Architekten…) sollten sich rasch informieren: Die Techniken sind da und sie sind auch nicht mehr teuer. Somit kann gerade ein kleiner Marktteilnehmer mit einer innovativen Web- bzw. Werbe-Strategie einen deutlichen Wettbewerbsvorteil erzielen, seinen Bekanntheitsgrad erhöhen und den Umsatz steigern. So etwa junge Architekten, die noch wenig fertige Bauten vorweisen können. Oder Makler, die sich positiv aus der Flut von Wettbewerbern herausheben möchten.
  2. Unternehmen mit Zuliefererfunktion (Sanitär, Treppenbau, Klimatechnik…) sollten ebenfalls ihr Wissen in diesem Bereich verstärken und sich als Exklusivpartner für ihr Gewerk im virtuellen Musterhaus anbieten. Denn jedes virtuelle Objekt ist auch eine (neuartige) Werbefläche für Böden, Einbauküchen oder eine Heizung.
  3. Fertighaushersteller oder Projektentwickler für (massives) schlüsselfertiges Bauen sollten über virtuelle Siedlungen von Musterhäusern nachdenken. Zur Kostensenkung siehe Punkt 2: Beziehen Sie Partnergewerke ein und teilen sie sich die Kosten mit den teilnehmenden Unternehmen. Für potentielle Kunden wird es bald normal sein, zunächst die virtuellen Objekte zu „besichtigen“ und danach zu entscheiden, welche Musterhäuser man in Natur ansehen will.

Am Schluss bleibt nur die Frage, ob man heute schon voll und ganz auf Second Life setzen sollte. Wer an dieser Stelle schon restlos überzeugt ist, kann sich gleich ein Stück Land dort kaufen. Die Gebrauchsanleitung hierfür gibts im Blog von Nicole Simon.

Ich empfehle eher, zunächst den eigenen Internetauftritt ins Web 2.0-Zeitalter zu führen und dort die Möglichkeiten der 3D-Technik einzubinden. Das geht schneller, kostet erstaunlich wenig und bringt messbare Ergebnisse schon auf Sicht von 6 bis 12 Monaten.