Hürden für das Web 2.0 im Mittelstand

Obwohl ja eigentlich das Web 2.0 nur Vorteile bringen sollte, wird es doch im Mittelstand eher schleppend angenommen. Warum ist das so? Worin liegen die Hürden für das Web 2.0?

  1. Unkenntnis. In Bezug auf das Internet herrscht vielfach noch ein Kenntnisstand, der dem Entwicklungsniveau des Mediums von vor 10 Jahren entspricht. Damit kommen viele Unternehmen erst heute in der Realität des „Web 1.0“ an. Das hat auch damit zu tun, dass man das Internet lange Zeit nur als eine Art zusätzlichen Informationskanal gesehen hat, der etwa die Presse, den Rundfunk und das Fernsehen ergänzt. Dass sich das Internet inzwischen zu einer Basistechnologie weiterentwickelt hat, über die künftig der überwiegende Teil unseres modernen Daten- und Informationstransfer abgewickelt werden wird (Telefonie, Fernsehen, Radio…), ist weithin noch nicht im Bewusstsein angekommen.
  2. Adaptionsschwäche. Wo Unternehmen mit den Möglichkeiten des Web 2.0 experimentieren, erleben sie bereits hausintern Widerstände und Ablehnung. Dies ist keine Frage von Hierarchien sondern eher ein Problem der Generationen: Während jüngere Mitarbeiter(innen) oftmals begeistert die Einführung von Blogs oder Wikis unterstützen, boykottieren die Älteren diese für sie ungewohnten Medien und beharren auf den „altbewährten“ Abläufen und Schemata. Ist in einem solchen Kontext auch die Geschäftsleitung (stillschweigend) eher der älteren und konservativen „Fraktion“ zuzurechen, verlaufen Web 2.0 – Projekte schnell im Sand und werden wieder aufgegeben.
  3. Ängste. Ein ganz empfindlicher Punkt ist hier der „Mitmach-Charakter“ des Web 2.0. Für viele Unternehmen ist es völlig ungewohnt und bisweilen unvorstellbar, dass sie sich einer öffentlichen Diskussion stellen sollen, wie sie sich zwangsläufig in Foren, auf Portalen und in Blogs ergibt. Das Wesenselement des Web 2.0 schlechthin wird als Bedrohung empfunden. Da nutzt auch der Hinweis auf die Qualität mittelständischer Produkte nichts oder der Verweis auf den globalen Wettbewerb. Die moderne Netzwerk-Ökonomie, wie sie sich derzeit entwickelt, wird nicht als Chance, sondern als Frontalangriff erlebt, weil sie mit den bisherigen Denkweisen und Organisationsprinzipien bricht.

Ein Grund zum Jammern? Nein! Wer jetzt als Unternehmer Mut und Flexibilität (und Überwindungskraft) zeigt, kann sich einen Vorsprung sichern. Die Netzwerk-Ökonomie und mit ihr die Instrumente des Web 2.0 setzen sich zwangsläufig durch. Früher oder später werden sich alle darauf einstellen müssen.

Und wer heute schon aktiv auf das Web 2.0 zugehen möchte, sollte vielleicht zuerst mit einem Unternehmensberater und nicht gleich mit der Werbe- bzw. Internetagentur sprechen: Letztere denken in konkreten Produkten und schnell sichtbaren Ergebnissen. Ein Berater dagegen wird zunächst Wissen vermitteln, dann mithelfen Akzeptanz zu schaffen und schließlich den kreativen und motivierenden Denkprozess anstossen, mit dem ein Unternehmen selbst für sich den richtigen Weg ins Web 2.0 finden kann. Erst an dieser Stelle ist dann die Agentur gefragt, wenn es um die konkrete Umsetzung geht.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Wirtschaft in Stuttgart » Blog Archiv » Web 2.0 und der Mittelstand

  2. Interessanter Artikel! Habe ich eben auch auf http://www.wirtschaft-in-stuttgart.de und http://www.hgv-stuttgart.de empfohlen und verlinkt. Ich selbst habe auch schon oft erfahren, dass Web 2.0 im Mittelstand noch keine große Rolle spielt und leider oft kaum Interesse dafür vorhanden ist. Das konnte ich z.B. auch bei den Besucherzahlen meines Web 2.0-Vortrags für den HGV Stuttgart/Stadt sehen, wobei sich die Anwesenden dann sehr interessiert zeigten und sogar spontan die Grundlagen für 2 Blogs gelegt wurden…

    Übrigens: Leider habe ich keine Trackback-Link gefunden, sonst hätte ich auch diesen genutzt…