Ein echtes Vorbild: Mindpicnic

Für viele meiner Gesprächspartner ist das Thema Web 2.0 nicht so recht griffig. Da bringe ich dann gerne Mindpicnic als Beispiel. Dabei handelt es sich um eine Art Lern-Plattform, bei der jeder mitmachen kann. Ausgedacht und realisiert hat das Konzept Andreas Stuhlmüller, vor einiger Zeit noch Schüler, jetzt Student.

Zum Vergleich ziehe ich das Projekt „Philosophie verständlich“ heran. Hinter dieser Idee steckt der Bielefelder Professor Dr. Ansgar Beckermann (Lesenswertes über ihn hier in der Wikipedia). Ihm geht es darum, Konzepte und Ideen der Philosophie für Laien (wie mich) verständlich aufzubereiten. Ein lobenswerter Ansatz, wie ich finde.

Beide Konzepte dürften etwa um die gleiche Zeit gestartet sein, also im Jahr 2005 bzw. 2006. Prof. Dr. Beckermann wählte dafür einen Ansatz des „Web 1.0“ (meine Definition), während Andreas Stuhlmüller ganz auf das „Web 2.0“ setzte. Beide hatten keine Etats für Marketing, insgesamt also durchaus ähnliche Startbedingungen.

Wo stehen sie heute?

Ganz dem Web 1.0 gemäß, schreibt auf der Website von „Philosopie verständlich“ der Chef und Herausgeber (praktisch) allein. Bis heute steht nur ein lesenwerter Artikel auf den Seiten. Wie oft er gelesen wurde (und vom wem) ist nicht zu erfahren. Kommentare kann man nicht direkt anbringen, immerhin gibt es eine Mailadresse im Impressum. Mein Eindruck: Das Projekt hat bislang wenig Resonanz gefunden.

Mindpicnic ist schon viel weiter: Die Plattform hat mittlerweile über 5.000 registrierte User. Andreas hat bis heute 26 Kurse beigesteuert, insgesamt sind es schon über 200. Die User können untereinander Kontakt aufnehmen und auch Vorschläge zur weiteren Entwicklung der Plattform machen (dazu gibt es eigene Umfragen). Dazu betreibt Andreas ein internes Weblog und das System zeigt an, welches gerade die beliebtesten Kurse sind oder wer gerade was lernt.

Spätestens mit diesem direkten Vergleich zeigt sich das enorme Potential, das im Web 2.0 steckt: Attraktive Konzepte finden im Web ihr Publikum auch ohne besonderen Aufwand für Werbung. Und attraktiv in diesem Sinne ist es ganz offensichtlich, wenn man die User einbindet und sie sich beteiligen lässt. Und wenn man Raum für Begegnungen schafft, so dass die User nicht das Gefühl haben, gerade irgendwo ganz alleine (im Web) unterwegs zu sein.

Vor Andreas Stuhlmüllers Leistung ziehe ich an dieser Stelle wirklich meinen Hut: Er hatte eine tolle Idee und diese dann auch sehr gut umgesetzt. Herrn Prof. Beckermann möchte ich von hier aus grundsätzlich ermutigen weiterzumachen. Wie er mit „Philosophie verständlich“ auch ins Web 2.0 finden kann, erörtere ich hier in einigen Tagen…

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Freut mich, dass dir das an Mindpicnic gefällt, was Mindpicnic für mich ausmacht: Das gemeinsame Erstellen von Kursen und Lektionen und die Kommunikation der Lernenden untereinander. Die zeitlose Anziehungskraft des Prinzips „gemeinsam, nicht allein“ ist der Grund, warum Web 2.0 für mich mehr als nur ein Schlagwort ist.

    Viele Grüße,
    Andreas

  2. Pingback: bwl zwei null » Das Wochenthema: Beschleunigte Zeiten

  3. Pingback: Vor Andreas Stuhlmüllers Leistung ziehe ich an dieser Stelle wirklich meinen Hut: « mon petit web - chindogu