Wer bei „SL“ spontan an Mercedes denkt…

…liegt im Web 2.0 gründlich daneben. SL steht hier für „Second Life“, die virtuelle Parallelwelt, die von Linden Lab in San Francisco seit 1999 entwickelt und vermarktet wird. In der Blogosphäre wird aktuell wieder einmal darüber debattiert, ob Marketing im SL Sinn macht oder nicht: etwa hier auf dem Fischmarkt und allgemeiner bei MrTopf (Christian Scholz).

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung ging am Samstag, den 07.04. in ihrer Printausgabe und seit dem 08.04. online der Frage nach, ob Second Life auch der Arbeitssuche bzw. Arbeitsvermittlung dient und welche Arbeitsplätze darin vorkommen können. Bemerkenswert am Rand: Die Zeitung empfiehlt ausdrücklich zur weiteren Lektüre die Blogs von Markus Breuer und Bernd Schmitz.

Ein ziemlich neues Phänomen dürften Blogs sein, die gewissermaßen aus dem SL heraus geschrieben werden: Das erste mir bekannte Beispiel ist Laura Slash, die als Produktmanagerin arbeitet und ihre „geistige Heimat“ im IT-Unternehmen doubleSlash (Friedrichshafen) hat. Ob ich sie je persönlich kennen lernen werde?

Ich selbst habe Second Life noch nicht betreten, dafür aber u. a. in den Tutorials von Bernd Schmitz, die direkt im Second Life stattfinden, einen für meinen Geschmack vorläufig ausreichenden Einblick gewonnen…

Meine Meinung: Dass Avatare (= Personen im SL) fliegen können und bisweilen die Form von Fabelwesen annehmen, zeigt mir, dass Second Life doch eher der Spiel- und Freizeitwelt zuzurechnen ist. Eine starke Verwandtschaft besteht ganz offensichtlich zu neueren Computer-Spielen, die online mit tendenziell beliebig vielen Mitspielern rund um die Uhr laufen.

Diese Spiele funktionieren umso besser, je weniger sie mit dem realen Leben zu tun haben. Wenn nun aber die Marketingexperten das wirkliche Leben im SL nachbauen wollen, vertreiben sie dann dann nicht auf Dauer die (eigentlichen) Spieler? Denn wenn sich SL vom Alltag kaum mehr unterscheidet, weil ich mit Werbung überflutet und von Konventionen verfolgt werde (etwa ein Grundstück zu kaufen und ein Haus zu bauen – wofür man wiederum Geld benötigt das entweder getauscht oder im SL verdient sein will): Dann suche ich mir eben eine andere virtuelle Welt die mich meinen Alltag vergessen lässt und wo ich frei von Zwängen ökonomischer, gesundheitlicher oder auch politischer Art meinen Spieltrieb und meine Neugier ausleben kann.

Ein mahnendes Beispiel kann auch das Fernsehen sein, dass bekanntlich damit kämpft, dass keiner mehr die viele Werbung sehen will. In diesem Sinne halte ich zuviel Euphorie für unangebracht und sehe Chancen eher in intelligent besetzten Nischen. Vielleicht kann ja Laura Slash, unsere Produktmanagerin im SL, solche Nischen finden und sich so für ihre Entwickler bezahlt machen.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Also ich hab mir Second LIfe vor meiner Registrierung vor einem Jahr oder so auch erstmal länger von aussen angeschaut. Ich muss aber sagen, dass mein Eindruck nach dem Betreten und dort „wohnen“ doch ein ganz anderer geworden ist, denn die soziale Interaktion bekommt man durch Betrachten natürlich nicht mit.

    Und was das persönliche Treffen betrifft, so habe ich schon viele (aber leider noch immer zu wenige) Personen aus Second Life auch in Real Life getroffen und das war immer gut. Für mich ist aber Second Life auch nicht wirklich ein zweites Leben sondern doch eine Erweiterung des ersten, wie es auch IRC und soziale Webnetzwerke sind.

    Und fast am interessantesten waren auch immer Mixed Reality-Events, wo also etwas von einem Real Life-Event in Second Life live gestreamt wurde und man dort evtl. noch einen Backchannel zum RL-Geschehen hatte (z.B. wenn man Fragen stellen konnte bei Vorträgen). Somit bleibt diese Welt nicht komplett disjunkt vom wirklichen Erleben, sondern erweitert dieses IMHO nur (und jeder kennt ja nun auch die RL-Marken, so abgekoppelt ist man ja nun doch nicht).

    Was die Werbung betrifft, so stimmt natürlich, dass Plakate everywhere es nicht bringt, denn ich persönlich meide z.B. solche Bereiche. Der Schlüssel zum Ganzen liegt eben in der sozialen Interaktion, wie es auch schon von Blogs und Podcasts vorgemacht wird. Dahin müssen die Firmen aber erstmal noch kommen, scheint mir.