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Blogs sind schon toll (für mich). Aber nur so lange, wie es sich um relevante Fachblogs handelt. Bei Nebenher- oder Freizeitthemen kann ich mich einfach nicht an sie als Lesemedien gewöhnen. 

Meist liegt es daran, dass sie mir zu sehr in die Tiefe gehen. So lese ich beispielsweise weder Wein- noch Jazz-Blogs, obwohl mich beide Themen interessieren. Allerdings möchte ich nicht jede Woche mit neuen Blogposts förmlich zugeschüttet werden. Das genau aber tun die meisten guten Blogs: Sie posten mit hoher Frequenz und führen damit tiefer in ihr Themengebiet ein, als es für mich mit eher beiläufigem Interesse gut ist.

Dabei sind Feedreader keine Lösung. Derzeit setze ich den Google Reader ein und bin damit prinzipiell sehr zufrieden. Aber eben nicht auf der Ebene der Freizeitthemen. Denn da stört es mich, dass ich regelmässig Blogposts ungelesen wegklicken muss. Zudem entsteht in mir das unbefriedigende Gefühl, aus dem “Überschuss” guter Blogposts nur schwer eine brauchbare Selektion treffen zu können: Denn dazu müsste ich jeden einzelnen Artikel überfliegen, was ich meist zeitlich gar nicht schaffe.

Das umgekehrte Problem habe ich mit den klassischen Medien, insbesondere Zeitungen. Über für mich fachlich relevante Themen berichten sie meist viel zu wenig und zu oberflächlich. Bei den beiläufigen Themen aber sind sie nach wie vor grandios, etwa der noch junge Freitag und immer noch die FAZ.

Die alten Medien beherrschen etwas, das Blogs noch kaum können, sie decken Breite ab. Dabei schaffen sie es, mich immer wieder mit Sujets zu überraschen, auf die ich sonst nie gekommen wäre.

Aber schafft das nicht auch Twitter? Kann nicht Twitter eben diese Breite der alten Medien sehr gut abbilden und mit seiner Aktualität sogar noch toppen? Ich denke nicht. Zumindest derzeit noch nicht. Das gilt inbesondere für das noch recht kleine deutsche Twitterversum, in dem noch keine echte Vielfalt an Themen gegeben ist. 

Allenfalls könnte man hier auf die zahllosen (externen) Twitter-Applikationen zurückgreifen und sich damit Thementrends anzeigen lassen. Aber hier gilt für mich: Im fachlich relevanten Bereich ist das in Ordnung. Bei den Freizeitthemen aber will ich nicht erst wie der sprichwörtliche Detektiv auf Spurensuche gehen müssen. 

Bleiben noch die Aggregatoren wie der Blogmonitor, Rivva oder Techmeme. Man könnte dazu auch noch Social Median oder Twine nennen. Aber meistens ist es hier mit der Themenbreite (noch) nicht weit her. Meiner Meinung nach sind diese Instrumente sehr hilfreich, um sich nicht in der Tiefe einzelner Themen zu verlieren und dort vom Hölzchen aufs Stöckchen zu kommen. In der Breite dagegen versagen sie meistens, nicht zuletzt wohl, weil sie bislang noch überwiegend von einem sehr technophilen Publikum genutzt werden.

Insgesamt habe ich den Eindruck, dass wir in einer Übergangssituation stecken, in der die alten Medien durchaus noch mit gewissen Stärken punkten können, während ihnen die neuen Medien erst partiell so richtig das Wasser abgraben. 

Besser Lesen ist damit immer noch keine Frage des “entweder oder”, sondern immer noch ein “sowohl als auch”. Daran ändert auch mein neues Handy mit Anschluss ans mobile Internet nichts…

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Frank Westphal wird bei Rivva kürzer treten. Im Blog gibt er bekannt, dass er die Weiterentwicklung einstellen und Rivva in einem “möglichst pflegeleichten” Modus fortführen wird.

Das sind keine guten Nachrichten. Sie können aber auch nicht überraschen, wenn man sich den Zustand der deutschsprachigen Blogosphäre vor Augen hält. Blogs spielen hierzulande immer noch keine nennenswerte Rolle und Rivva selbst hat es in mehr als zwei Jahren nicht geschafft, über den Status einer Anlaufstelle für Insider hinauszukommen.

An Frank Westphal liegt das nicht. Eher schon an der bemerkenswerten Belanglosigkeit und Beliebigkeit dessen, was sein Meme-Tracker an durchschnittlichen Tagen aggregiert. So wenig Rivva auf der technischen Ebene den Vergleich mit seinem amerikanischen Vorbild, Techmeme, scheuen muss, so sehr unterscheiden sich leider Volumen und Qualität der Inhalte.

Im Kern liegt das wohl an der deutschen IT- und Internetszene. Schon der Bereich der Startups kann in Bezug auf die Menge der Arbeitsplätze und die Marktbedeutung seiner Unternehmen nicht einmal ansatzweise mit der Situation in den USA mithalten. Dünn ist es auch bei den mittleren bis großen Unternehmen. Egal ob Amazon, eBay oder Google: Vergleichbares haben wir hier einfach nicht.

Immerhin: Die sehr engagierte IBM macht einiges wieder wett (etwa als Sponsor der re:publica). Aber insgesamt ist das zu wenig, um so etwas wie eine deutsche “Ökono-Sphäre” (soziologisch und ökonomisch verstanden) im Internet entstehen zu lasen, die gesellschaftlich relevant und damit Vorbild für die Politik, die Medien und andere Branchen sein kann.

Und während der amerikanische Präsident schon ganz selbstverständlich bekannt geben kann, dass seine Regierung auf Facebook, MySpace und Twitter über die Schweinegrippe informieren wird, sind wir in Deutschland von solchen Verhältnissen noch weit entfernt, was sich letztlich auch auf Rivva auswirkt.

Rivva hätte es verdient, endlich aus einem Schattendasein heraustreten zu können. Vielleicht können wir Blogger Frank Westphal ermutigen, den “modus operandi” von Rivva noch lange aufrecht zu erhalten. Bei mir jedenfalls bildet Rivva die Startseite im Firefox und ist somit das Erste, was ich jeden Morgen vom Web sehe. Es wäre sehr, sehr schade, wenn sich das ändern müsste…

Brauchen wir eine Art “Flatrategebühr für Internetprogramme”? Wolfgang Michal (Carta) hat unlängst eine solche Lösung vorgeschlagen, weil sich guter Journalismus anders nicht finanzieren ließe. Dabei sollten die Netzbetreiber einen Teil ihrer Einnahmen (stolze 25 %) an eine Internetanstalt öffentlichen Rechts abführen, die damit Blogger, Netzzeitungen und auch Musikgruppen finanzieren könnte.

In den Kommentaren auf Carta habe ich dem heftig widersprochen, worauf Wolfgang mich aufforderte, doch Alternativen zu nennen. Das versuche ich hiermit.

Horizontales Downsizing als Notwendigkeit

Ein wesentliches Problem speziell der Zeitungsverlage ist, dass es davon jetzt zu viele gibt. Die horizontale Vielfalt macht im Internet (leider) keinen Sinn mehr und dürfte eine der Ursachen dafür sein, dass sich Paid Content schwer bis gar nicht durchsetzen lässt: Wenn sehr viele das Gleiche anbieten, hat das Produkt am Ende eben keinen Preis mehr. Man bedenke: Nur weil es heute das Internet gibt, hat sich dadurch noch nicht automatisch die Nachfrage nach Nachrichten erhöht.

In dieser Situation ist es meiner Meinung nach falsch, nach Subventionen oder einer Finanzierung durch Gebühren (Flatrate-Abgabe) zu rufen: Denn sollten damit etwa mehrere Dutzend Zeitungsredaktionen alimentiert werden, nur weil die Redakteure und Journalisten alle gerne über die Politik in Berlin berichten und das als Qualitätsjournalismus und nützlich für die Demokratie ansehen?

Für die “Weiterentwicklung der Gesellschaft” wäre es deutlich besser, die Medienfachleute würden aus dem horizontalen Einerlei ausbrechen und statt dessen Chancen auf der vertikalen Ebene suchen: Regionalportale gibt es noch relativ wenig und auf diesem Feld könnte man noch wesentlich weiter gehen, wenn man etwa Elemente von Social Networks einbeziehen würde. Das Produkt wäre im Ergebnis halt etwas ganz anderes als eine “Zeitung”, aber wenn es sich wirtschaftlich rechnete?

Strukturen für den Paid Content

Klar ist: Praktisch jeder Anbieter von Nachrichten im Internet wird auch künftig ein Basisangebot kostenlos anbieten müssen. Warum aber nicht darauf aufbauend bestimmte Teile nur gegen Bezahlung zeigen? Das Wall Street Journal demonstriert, dass der vertikale Ansatz (also mehr Tiefe als Breite), dazu führen kann, dass ein Anbieter in einem Segment als maßgebliche Autorität wahrgenommen wird und er so auch weiterhin einen positiven Preis verlangen kann.

Diesen Ansatz hält übrigens Steve Rubel (Micro Persuasion) auch auf Blogs für anwendbar: Seiner Auffassung nach könnte etwa TechCrunch versuchen, bestimmte Nachrichten an Venture Capitalists exklusiv (bzw. vorab) zu verkaufen.

Ich bin mir sicher, dass wir in den nächsten Jahren in diese Richtung einige sehr interessante Entwicklungen sehen werden. Allerdings denke ich auch, dass die wenigsten davon aus den etablierten (und klammen) Verlagshäusern kommen werden, solange die Zeitungsleute sich nur als Meinungsmacher für ein breites Publikum sehen und nicht in spezielleren Zielgruppen denken wollen.

Personalisierung und Aggregation als Erlösmodell

Ein Ansatz, an den bislang noch niemand gedacht hat: Der einzelne Anbieter überschüttet seine Leser mit so vielen (kostenlosen) Meldungen, Videos und (langen) Artikeln, so dass diese den Überblick verlieren. Dann bietet man gegen Entgelt einen Personalisierungsdienst, bei dem aus der Überfülle sich jeder das für ihn Wichtige zusammenstellen lassen kann. Dass dieser Gedanke nicht ganz absurd sein kann, beweist die Übernahme von Socialmedian durch Xing.

Zudem sind Feed-Reader und RSS noch lange kein Mainstream, wenn sie es je werden: Neben den wenigen Lesern, die sich aus der Vielzahl der Medien ihr individuelles Menü zusammenstellen, dürfte deshalb eine Mehrheit auch künftig sich an einzelnen “Ankermedien” orientieren, die somit schon Chancen für personalisierte Angebote haben sollten.

Parallel dazu zeigen Dienste wie TechMeme oder Rivva, dass im Bereich der Aggregation Einiges zu machen ist. Aber auch hier stehen sich Journalisten eher wieder selbst im Weg, weil sie meist nur daran denken, Nachrichten selbst zu fabrizieren und niemand das Sichten, Zusammenfassen und Verknüpfen als mögliche Dienstleistung sieht.

Decision Enabling

Diesen Punkt hatte ich neulich schon hier im Blog ausführlich behandelt. Auch hier geht es nicht so sehr um Nachrichten an sich, als eher darum, was man damit noch machen kann. Etwa Entscheidungsträger darin unterstützen, bessere Entscheidungen zu fällen. Ein erster Punkt dazu wäre, Kommentare (ohne vorherige Anmeldung) zu allen Artikeln zu ermöglichen. Erstaunlich eigentlich, dass noch längst nicht alle Medien das anbieten.

Fazit

Wege gibt es etliche, wenn auch alle noch mit Unsicherheiten behaftet. Der Kern des Problems liegt eher darin, dass Journalisten, Redakteure und Verlagsunternehmer die neue Welt digitaler Möglichkeiten viel zu sehr durch ihre alten Brillen betrachten – oder um es mit den Worten von Marc Andreessen zu sagen (gefunden bei Dirk von Gehlen), “The people who made horse carriages were not the ones who started car companies.” Muss sich die Geschichte wiederholen?

Abschließend noch eine Empfehlung: Elias Bizannes (Liako.Biz) hat einen sehr guten Artikel darüber geschrieben, wie Michael Arrington zum Blogger wurde. So entstehen Medien und Meinungsmacher heute!

Seit etwa einer Woche hat mich Vodafone kurzerhand offline gesetzt. Auslöser dafür war meine erhöhte Inanspruchnahme des Datentarifs für meine Mobile Connect Card.

Bei diesem Tarif handelt es sich um eine Art Flatrate, bei der 5 GB an Datenvolumen für einen monatlichen Preis von 49,95 Euro zu beziehen sind. Der große Vorteil hier ist die Ortsungebundenheit, so dass ich diesen Service in ganz Deutschland nutzen kann, sofern sich nur eine Verbindung ins Netz (mittels UMTS) aufbauen lässt.

Beanspruche ich nun in einem Monat ein Volumen, das höher als 5 GB liegt, greift eine Toleranzregel („Fair Flat“), nach der keine besonderen Kosten anfallen, sofern ich nur im darauf folgenden Monat wieder im üblichen Rahmen liege.

Genau das war jetzt wohl erstmals seit gut 4 Jahren Vertragslaufzeit der Fall: Ich habe in zwei aufeinander folgenden Monaten ein Datenvolumen von 5 GB überschritten und muss nun für den Monat September die erhöhte Inanspruchnahme (erstmals) bezahlen.

So weit keine Überraschung. Warum dann aber die Sperre des Anschlusses?

Die Sperre resultiert offenbar daraus, dass man sich bei Vodafone nicht ganz sicher ist, ob ich aufgelaufene Rechnung auch tatsächlich bezahlen werde. Die sieht nämlich so aus: Für jedes MB, mit dem ich die Grenze von 5 GB überschreite, werden 0,59 Euro berechnet. In meinem Fall macht dies einen Betrag von über 1.000,- Euro aus, da mein Mehrverbrauch wohl knapp über 2 GB liegt (Genaueres wurde mir noch nicht mitgeteilt).

Davon war ich natürlich selbst überrascht und erschrocken. Dass mein Tarif nicht ganz billig war, wusste ich. Dass der Preissprung allerdings so hoch ausfallen würde, nicht. Da ich in den letzten 4 Jahren damit nie Schwierigkeiten hatte, war mir der Preis von 0,59 Euro pro MB auch gar nicht mehr im Kopf (sonst hätte ich natürlich anders reagiert).

Das muss man sich schon mal auf der Zunge zergehen lassen: Im Bereich der Flat kostet ein MB praktisch einen Betrag von 0,01 Euro. Ab der Schwelle von 5.000 MB springt der Preis dann auf 0,59 Euro: Keine Verdoppelung, keine Verzehnfachung, nein es ist das 59-fache.

Aber lässt sich das nicht irgendwo softwareseitig ablesen und kontrollieren?

Tatsächlich gibt es für die Mobile Connect Card ein sog. Dashboard, das ein paar Daten anzeigt. Tarife gehören dazu schon mal nicht. Und lustigerweise wird das verbrauchte Volumen auch nicht MB-genau angezeigt: Der Zähler zeigt nur GB mit zwei Nachkommastellen (es fehlt also die dritte Stelle nach dem Komma!), die Balkengrafik dazu ist noch ungenauer.

Hier will man also ganz offenkundig keine genauen Angaben machen, denn technisch wäre es ein Leichtes, dem Kunden im Dashboard den täglichen Verbrauch anzuzeigen, sowie das Volumen kumuliert für die laufende Rechnungsperiode.

Bei einem durchweg niedrigen Preis würde ich auch gar nichts gegen eine nur grobe Darstellung sagen. Aber bei so einem Preissprung (mit anschließender Zugangssperre!) muss sich Vodafone schon fragen lassen, ob hier nicht die Kunden hinters Licht geführt werden…

Mein Trost ist, dass dieser Vertrag im Dezember ausläuft und von mir nicht verlängert werden muss. Es gibt auch andere Wege ins Netz. Diese sind auch dringend geboten: Denn das Internet kommt mit immer mehr multimedialen Inhalten daher, die reichlich Volumen beanspruchen.

Zudem gibt es immer mehr Seiten, die sich einmal in einem Tab des Browsers geöffnet, laufend selbst nachladen (FriendFeed etwa, aber auch TechMeme). Die ganze Entwicklung ist pures Gift für jemanden, der seinen Verbrauch ständig im Auge behalten muss.

Anbieter wie Vodafone tun sich also keinen Gefallen damit, dass sie die Einstiegspreise laufend nach unten anpassen, aber Volumina und Folgekosten unangetastet lassen. Ein weiterer Nachteil speziell bei Vodafone ist die Tatsache, dass VOIP nicht zugelassen ist. Ich habe da den Verdacht, dass damit auch das jetzt allmählich aufkommende Video-Conferencing unterbunden wird. Gerade im Business-Bereich wird man darauf aber nicht verzichten können.

So modern also die Technik des mobilen Internetzugangs eigentlich ist, so stark hängt sie schon wieder den jüngsten Entwicklungen im Web hinterher. Übrigens warte ich hier immer noch auf einen Rückruf von Vodafone: Nachdem die ganze letzte Woche über das Gespräch mit der ominösen „Fachabteilung“ wegen besetzter Leitungen nicht zustande kam, meldete ich mich am Freitag bei der Business-Hotline. Dort versprach man mir einen Rückruf innerhalb von 24 Stunden, auch Samstags!

Heute haben wir Montag und ich warte immer noch…

Wir leben in einer Überflussgesellschaft: Im 21. Jahrhundert gibt es zumindest in den westlichen Gesellschaften (fast) alles im Überfluss, insbesondere Informationen, Nachrichten, Meinungen. Und das Web 2.0 ist daran nicht ganz unschuldig! Aktuell schreiben Martin Weigert (netzwertig) und Christiane Schulzki-Haddouti (KoopTech) über diesen “Überfluss” an Informationen und seine Folgen.

Aggregation und Aggregationskritik

Natürlich stand im Web 2.0 lange der User Generated Content im Vordergrund, waren und sind doch die neuen Möglichkeiten des digitalen Publizierens und Networkings faszinierend. Erst mit einer gewissen Verzögerung folgte dann auch das Thema “Aggregation”, ohne bislang jedoch mit einer ultimativen Lösung aufwarten zu können.

Das jüngste Beispiel hierfür ist das Portal Blogs.com, das von Six Apart lanciert wurde. Hier sichtet eine “klassische” Redaktion Blogbeiträge und listet dann das Lesenswerte auf. Weit wird man damit aber nicht kommen, krankt doch auch diese Lösung an einem Problem, das bislang kein Aggregator lösen konnte: Es fehlt der individuelle Ansatz für die Bedürfnisse des einzelnen Lesers.

Selbst Twine, mit seinem semantischen Ansatz, bleibt da noch viel zu allgemein. Eine Enttäuschung in meinen Augen ist bislang auch socialmedian, wo immerhin nicht einfach nur pauschal ganze Blogfeeds eingelesen werden, sondern zusätzlich die Artikel anhand von Tags auf ihre Relevanz hin überprüft werden. Die unvermeidlichen Community-Elemente verwässern aber wieder diesen ansonsten sehr guten Ansatz.

Und ganz aktuell scheint sich bei Robert Scoble die Begeisterung über FriendFeed etwas zu legen: Er vermisst eine Filterfunktion und das zu Recht. Denn auch FriendFeed ist noch sehr pauschal, weil es mit einer starren Feedfunktion arbeitet (zumindest auf der Ebene der direkten Freunde).

Gemessen daran, wie drängend eigentlich das Problem mit der Überfülle an Informationen ist, wundert es mich, dass es hier nicht mehr kreative Lösungsansätze gibt.

Probleme und der tote Punkt

Wichtige Helfer im Datenchaos des Web 2.0 sind RSS und die Feedreader. Allerdings sind Feedreader als reine Lesemedien konzipiert, ihre Schwachstelle ist die schlechte Verbindung zur Kommentarfunktion in Blogs. Zudem importieren sie starr alles aus einer Quelle und erlauben keine Selektion nach Themen (es sei denn, die Quellseite bietet thematische Einzelfeeds).

An zweiter Stelle stehen die Memetracker wie Techmeme und Rivva. Ihr Problem ist, dass längst nicht immer nur “guter” Content verlinkt und damit für ihre Algorithmen verwertbar wird. Da sich in letzter Zeit zudem viel Kommunikation auf Twitter oder auch FriendFeed verlagert hat, müssen die Memetracker sehen, wie sie damit umgehen.

Die dritte (und von mir gänzlich ungeliebte) Kategorie bilden die Social News Portale, deren bekannteste Vertreter Digg und hierzulande Yigg sind. Durch das Abstimmen der User sammelt sich auf diesen Seiten vorzugsweise Populäres. Für den modernen “Knowledge Worker” sind diese Seiten nicht sehr hilfreich.

Als toten Punkt bezeichne ich in dieser Kette die Versuche, Aggregatoren auf der Basis vollständig integrierter Artikel aufzubauen. Shyftr hat es versucht und ist am anhaltenden Widerstand der Blogosphäre gescheitert. Ein Blick auf deren Startseite genügt, um zu sehen, wo Shyftr heute steht.

Wo die Reise hingehen wird

Das optimale Produkt wird eine Seite im Web sein, die Inhalte individuell aggregiert anzeigt. Sie wird wie ein Feedreader arbeiten, aber dazu noch eine Zwischenebene einziehen, auf der die per RSS gezogenen Inhalte semantisch gescannt werden (auf relevante Tags etwa). Zudem werden Filter mit individuellen Einstellungen den Content weiter vorselektieren. Was man etwa auf der Ebene von Tags machen kann, zeigt ein Dienst wie Twitscoop: Er zeigt laufend aktualisiert häufig verwendete Begriffe aus Twitter, über die man oft genug wieder zu getwitterten Artikel-Links geführt wird.

Dazu benötigt so ein Reader aber zwingend auch eine Verbindung zur Kommunikationsebene. Einen Twitterclient zu programmieren und integrieren dürfte dabei nicht schwer sein. Anspruchsvoller ist sicher die Anbindung an FriendFeed und an die Diskussion in Blogs. Die Lösung auf Blogebene liegt im Prinzip aber schon vor: Kommentarsysteme wie Disqus und IntenseDebate könnten hier die Schnittstelle bilden.

Davon sind wir eigentlich gar nicht so weit weg. Für ein solches, nicht ganz triviales, Produkt fehlt dann nur noch ein Geschäftsmodell. Aber das hat im Web 2.0 bekanntlich noch niemanden abhalten können, etwas Neues zu beginnen…

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