Das nächste große Ding wird das Internet der Dinge (Internet of Things). Der Weg hin zur elektronischen Vernetzung von Gegenständen des Alltags ist durchaus wahrscheinlich, da Informationstechnologie immer preisgünstiger und räumlich kleiner wird. Zudem ist dieses Internet der Dinge ein großes Geschäft und kommt mit dem Versprechen, unser Leben angenehmer und leichter zu machen. Wer wollte sich dem in den Weg stellen?
Hier zur Einführung in das Thema die Sichtweise der IBM, die uns in 5 Minuten einen guten Überblick über die Materie gibt (via: Dieter Josten):
Einen etwas anderen Blick auf das Internet der Dinge hat Jesse Schell, Spieleentwickler und Dozent an der Carnegie Mellon University. Er sieht (ironisch) voraus, dass Spiele und Bonuspunktsysteme unseren Alltag beherrschen werden, wenn erst einmal alle Gegenständen, angefangen von der Zahnbürste bis hin zu unseren Schuhen, mit vernetzen Sensoren bestückt sein werden. Hier ein Ausschnitt aus einem Vortrag vom Februar 2010, den man in voller Länge hier (TED) sehen kann:
Schließlich noch eine völlig andere Perspektive. Andrew Hessel, Professor an der Singularity University, sieht das Internet der Dinge an der Schnittstelle zwischen Informatik und Biologie enstehen, weil Bakterien letztlich nicht viel anders als Computer funktionieren und DNA ihre Programmiersprache sind. Hier sein faszinierender Vortrag vom März 2010 (Mobile Monday, Amsterdam):
Andrew Hessel zitiert in seinem Vortrag Juan Enriquez mit der Aussage, die Menschheit werde sich in den nächsten 20 Jahren zu einer “völlig neuen Spezies” entwickeln. Gut möglich, dass uns das in eine gesellschaftliche Zerreissprobe führen wird.
Das Internet der Dinge bietet ohne Zweifel interessante Perspektiven, aber auch Potenzial für eher bedrohliche Szenarien. Den Gegnern bzw. Skeptikern der Digitalisierung wird hier noch reichlich Munition geboten werden und Optimisten wie Andrew Hessel werden viel Geduld brauchen, ihre Sicht der Dinge zu vermitteln.
Hans Rosling erklärt unsere Zukunft anhand der Bevölkerungsentwicklung: Vier Minuten die sich lohnen und zeigen, dass die Zukunft in Asien liegt. In exportorientierten Ländern wie Deutschland sollte diese Perspektive mit Optimismus gesehen werden, denn an Märkten für unsere Produkte wird es nicht fehlen.
Allerdings mahnt Rosling an, dass die Erde so etwas wie “Global Governance” bräuchte, wo heute noch auf der Ebene von Nationalstaaten politisch gedacht und gehandelt wird.
Das Web 2.0 als Begriff kommt ganz ohne Zweifel in die Jahre. Aber welches Schlagwort wird die nächste Zeit beherrschen? Vielleicht wird es ja der Begriff Augmented Reality. Dahinter steht die Verbindung von Daten im Internet mit Orten in der Realität. Als “Brücke” fungieren spezielle Brillen, Lesegeräte oder Mobiltelefone.
Anschaulich visualisiert aus italienischer Sicht am Beispiel Architektur (via torridluna):
Deutlich weiter greift man bei Microsoft aus, wo bald jede Wand zum interaktiven Gegenstand wird (via SLTalk):
Immerhin hält man es bei Microsoft für wahrscheinlich, dass im Jahr 2019 alle hier gezeigten technischen Visionen Realität sein werden.
Dass das gar nicht so unwahrscheinlich ist, belegt eine Entwicklung des Fraunhofer Institutes für grafische Datenverarbeitung (IGD), mit der man sich historische Ansichten von Gebäuden oder Plätzen auf das Mobiltelefon holen kann. Dazu fotografiert man mit der Kamera im Handy das Objekt und erhält dann aus einer Datenbank die historische Ansicht in einer Art Überblendtechnik gezeigt.
Diese Anwendung wird jetzt auf der CeBIT vorgestellt und soll bis zum 20. Jahrestag des Mauerfalls in Berlin den Praxisbetrieb aufnehmen. Während also Microsoft das schöne, visionäre Video hat, werden in Deutschland schon die Anwendungen dazu produziert…
Hier ein weiterer Beitrag in meiner losen Folge über die Zukunft des Internets. Aber abweichend aber vom ursprünglichen Plan schreibe ich heute nicht über einen unternehmensinternen Bereich, sondern über das Internet im Mobilfunkbereich.
Während heute (2007) das Internet zwar schon über Mobiltelefone und Handhelds (Smartphones) zugänglich ist, fehlt es aber noch an Anwendungen in der Breite. Zudem können sich viele Menschen noch nicht so recht vorstellen, wozu das auf einem Handy überhaupt gut sein soll: Das Internet wird als Medium gesehen, dass man (nur) von einem festen Platz aus über einen Rechner nutzt. Diese Art der Nutzung auf ein kleines, handtellergroßes Gerät übertragen macht kaum Sinn, da sich schon allein die Inhalte auf dem viel kleineren Bildschirm schlecht darstellen lassen.
Hier werden wir alle in den nächsten 5 Jahren umdenken. Das Internet kommt auf die mobilen Geräte und es kommt mit ganz anderen Anwendungen als man es heute vielfach noch erwartet. Einen ersten Eindruck gibt uns ZenZui, eine Startup Ausgründung aus Microsoft heraus.
Hier werden kleine, farbige Icons auf den Bildschirm des Handys übermittelt, die sich (je nach Modell) über den Touchscreen oder über die Scroll-Funktion ansteuern lassen. Einmal angewählt zeigen sie ihren eigentlichen Inhalt, also entweder eine Werbung, ein Foto (etwa von Flickr) oder vielleicht auch einen Busfahrplan (auszugsweise).
Weitere Informationen zu ZenZui gibts hier (eher kritisch) und hier (optimistisch).
In Japan führt gerade das Unternehmen GeoVector einen neuen Dienst ein, bei dem mit dem Mobilfunkgerät auf einen Gegenstand oder in eine bestimmte Richtung gezeigt wird. Das Programm zeigt dann auf dem Bildschirm so etwas wie Suchergebnisse an, aus denen man eine Auswahl treffen und sich dann per Navigation hinführen lassen kann. Das Video zeigt es ziemlich gut:
In den USA sind aktuell Dating-Services am Start, die primär über Mobilfunkgeräte funktionieren sollen, einen Überblick bietet Mobilecrunch. Spiele und Videos sind weitere Kategorien für die eher jüngere Zielgruppe, die hier aber nicht weiter ausgeführt werden sollen.
Entscheidend ist, dass mittels immer besserer Algorithmen jetzt vermehrt Lösungen möglich werden, die ohne nennenswerten Datenverkehr (also ohne die Handy-Rechnung zu sehr zu belasten) ihre Informationen übermitteln. Die wesentlichen Treiber in den nächsten Jahren werden denn auch nicht die von den Mobilfunkanbietern favorisierten Lösungen sein (etwa mobiles TV), weil diese aus Preisgründen nicht akzeptiert werden.
Ein interessanter Ansatz auf der Basis von SMS sind die Mobizines: Nachrichten, die bunt wie eine Website sind und nicht im Entferntesten an eine SMS denken lassen. Und wenn schon die Navigation per Handy ohne GPS-Modul zu ungenau ausfällt, so könnten doch etwa Kommunen Touristen auf markante (und leicht findbare) Plätze locken, um sie von dort aus per Handy auf einen Standrundgang schicken, der die Sehenswürdigkeiten bequem erreichbar macht.
Abschließend sei hier auf einen interessanten, soziologisch inspirierten Gedanken hingewiesen: James Pearce verweist auf die “Generation Y” (also die zwischen 1978 und 1997 Geborenen) und führt aus, dass diese mit dem Handy aufgewachsene Generation diejenige sein wird, die das Internet massiv im mobilen Bereich nachfragen und selbst mitentwickeln wird.
Es zeigt sich also, dass das Internet schon in naher Zukunft deutlich stärker im mobilen Bereich Fuß fassen wird. Wie bei anderen Innovationen auch, wird aber die eigentliche Neuerung konträr zu den bisherigen Denkgewohnheiten verlaufen. So wie das Web 2.0 eine (logische) Weiterentwicklung des Internets darstellt, die dieses erst so richtig zu seiner eigentlichen Bestimmung führt, wird auch das mobile Internet kein Abbild des heute schon über unsere PC’s und Notebooks genutzte Internet sein, sondern eigene Anwendungen hervorbringen, die spätestens in 8 bis 10 Jahren so selbstverständlich und verbreitet sein werden, dass man sich ein Leben ohne diese Dienste gar nicht mehr vorstellen kann.
Dipl.-Kfm. Matthias Schwenk
ist Unternehmensberater, Autor, Vortragsreferent und Dozent zum Thema Social Web. Sein Schwer-
punkt liegt auf Collaboration Software (Enterprise 2.0), Wissensmanagement und der Konvergenz digitaler Medien (Medienwandel). Mehr...
Ein Sammelband, der auch Texte von mir enthält und im Januar 2011 erschienen ist:
Jan Krone (Hrsg.), Medienwandel kompakt
2008-2010, Nomos Verlagsgesellschaft
(Baden-Baden). Mehr…
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