YouTube

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Google meint es gut mit uns und ist darüber prompt mal wieder ins Gerede gekommen. Das Wall Street Journal meinte nämlich Belege dafür gesehen zu haben, dass Google derzeit Anstrengungen unternehme, dass seine Daten bevorzugt im Internet übermittelt würden. Alles Quatsch, beeilt man sich bei Google mit einer Antwort, man stehe nach wie vor zur Netzneutralität und im konkreten Fall ginge es nur darum, dass den EDGE-Netzen einiger Anbieter (im Mobilfunk) Daten von Google bzw. YouTube durch eine Art vorgelagertes Caching (wofür Google Sorge tragen würde) etwas schneller zur Verfügung gestellt würden.

Nun bin ich ja nicht vom Fach und komme hier nur einer Aufforderung von Christiane Schulzki-Haddouti nach, Themen der Netzpolitik auf breiterer Ebene aufzugreifen (was ich hiermit erstmals tue). Aber wenn ich mir eine Definition von Netzneutralität ansehe und dann überlege, was Google aktuell vorhat, sehe ich auf den ersten Blick durchaus eine mögliche Verletzung dieses Prinzips.

Om Malik geht in seiner Betrachtung zum Thema deshalb so weit, dass er Google unterstellt, deren Motto “do not evil” sei nichts weiter als heiße Luft (”nothing more than hot air”). Abgebrühtere Naturen wie etwa Henry Blodget (Silicon Alley Insider) finden dagegen nichts Verwerfliches am Vorgehen von Google. Er kritisiert eher das Konzept der Netzneutralität und bezeichnet es als eine absurde Überzeugung (”absurd conviction”).

Diese Betrachtungen sind aber wohl falsch. Um zu verstehen, was da wirklich vorgeht, muss man sich mit Servern und deren Standorten in bestimmten Gebäuden befassen. Demnach rückt Google stellenweise mit den eigenen Servern geografisch (topologisch) möglichst nah an Serverstandorte von Knotenpunkten des Internets, einfach um (Leitungs-) Kosten zu sparen, wie Sam Gustin (Portfolio.com) anschaulich beschreibt.

Große Unternehmen wissen also ganz genau, wo die “Eingänge” zum Internet sind und versuchen mit ihren Servern nahe dran zu sein. Idealerweise sogar im gleichen Gebäude, nur auf einem anderen Stockwerk (was sich in den Wolkenkratzern New Yorks offenbar trefflich arrangieren lässt).

Hier über die Neutralität des Internets zu streiten, kommt mir dann doch etwas haarspalterisch vor. Der Fall zeigt aber, dass es auf Nuancen ankommt und man tief in die Materie einsteigen muss, um nicht selber falsch zu urteilen…

Neben der enormen Beachtung, die der neue Google Browser “Chrome” aktuell bekommen hat, ging eine andere Meldung ziemlich unter: Parallel dazu nämlich hat Google auch angekündigt, seine kommerzielle Version der Google Apps um einen Videoservice zu ergänzen.

Unternehmen, die also auf die Officelösung aus dem Hause Google setzen, können künftig auch Videos hochladen und in ihrem Netzwerk (exklusiv) verfügbar machen. Zusätzliche Kosten entstehen dafür nicht, es bleibt bei den schon bestehenden Lizenzgebühren. Lediglich eine Grenze von 3 GB für die Videos pro Account sind gemeldet, mehr gibt es sicher auf Anfrage und gegen Aufpreis.

Deswegen sollte aber niemand in Extase geraten oder ein neues Zeitalter heraufziehen sehen: Die von Google selbst gezeigten Anwendungsbeispiele sprechen nicht unbedingt für einen schnellen Produktivitätsschub in den Unternehmen:


Immerhin hat es Google einmal mehr geschafft, einen bislang eher als komplex und teuer geltenden Dienst als einfache Lösung zu präsentieren. Das Problem dürfte denn auch eher darin liegen, dafür geeignete Anwendungsfälle (sprich: genügend Phantasie) in den Unternehmen zu entwickeln.

Eine “kleine” Bremse dürfte auch die Tatsache sein, dass Microsoft in Sachen Office Software immer noch tonangebend ist. Aber steter Tropfen höhlt den Stein. Ganz sicher!

An dieser Stelle (zum Wochenausklang) ein Rückblick auf ein paar Ereignisse, die in letzter Zeit für Aufregung in der Blogospähre sorgten. Da war zunächst Flickr, der freundliche Bilderdienst im Web 2.0, der kurzerhand eine Art Zensur einführte (Berichte dazu etwa bei Mr. Topf, zunächst hier und aktuell da).

Dazwischen gab es dann ein eher individuelles Problem mit Google, das Markus Burkert getroffen hat (gefunden bei Robert Basic), das aber gut ins Bild passt. Und schließlich lese ich noch bei Christian (aka Mr. Topf), dass auch YouTube (eigentlich eine tragende Säule meines Blogs!) so seine Schwierigkeiten hat.

Schwierigkeiten womit?

Mit der Kommunikation! Mir geht es hier nicht um Fotos, die vielleicht nicht jugendfrei sind, oder Probleme mit der GEMA. Mir fällt auf, dass diese namhaften Firmen, die allesamt im Web 2.0 zuhause sind und die sich alle als Vorkämpfer für das “Mitmach-Web” und die Folksonomy sehen, im Einzelfall eben doch einen Stil an den Tag legen, der so gar nichts mit den Prinzipien der offenen Kommunikation zu tun hat.

Dabei ist offensichtlich egal, ob es eine Vielzahl von Personen betrifft (Flickr) oder den Einzelnen (Google versus Markus Burkert). Der schnöde Umgangston lässt mich jedenfalls aufhorchen und zeigt mir, dass es mit der Kultur des Web 2.0 in großen (bzw. groß gewordenen) Organisationen noch nicht weit her sein kann.

Aber wie sollen wir dann das Web 2.0 in der “normalen” Unternehmenswelt als Modell der Zukunft verkaufen, wenn schon die großen Vorbilder im Zweifelsfall schnell einsilbig werden, kuzerhand die Spielregeln ändern und in ihren Blogs darüber kein Wort verlieren?

Wir stehen wohl doch noch ganz am Anfang. Und all die Trendforscher, die schon auf der Suche nach dem “Web 3.0″ sind, dürfen sich ruhig Zeit lassen: Das Web 2.0 braucht wohl noch etwas Zeit, bis es selbst bei den Vorzeigeunternehmen wirklich verinnerlicht ist und vorgelebt wird.

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