Xing

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Xing erlaubt ab jetzt Applikationen und entwickelt sich damit zur Collaboration Plattform weiter. Im Unterschied zu Facebook liegt der Schwerpunkt nicht auf Masse, sondern auf Business-Tauglichkeit.

Während man bislang Xing überwiegend als Netzwerk für die Kontaktpflege und den fachlichen Austausch (in den sog. Gruppen) nutzte, lassen sich jetzt mit den Applikationen u. a. auch Dokumente weitergeben und gemeinsam bearbeiten (Huddle), oder Projekte verwalten (Zcope). Das ist ein kluger Schritt, der Xing deutlich praktischer und vielseitiger macht. 13 Applikationen stehen jetzt bereit, in Zukunft sollen es noch mehr werden.

Die Leistung von Xing verblasst allerdings ein bisschen vor dem Hintergrund, dass Google Wave als Ankündigung im Raum steht und damit schon die nächste Generation von Plattformen zur Kommunikation und Collaboration in Sichtweite rückt. Erste Testeindrücke zu Wave, wie etwa der Bericht von Ben Rometsch, sind fast schon euphorisch.

Insgesamt erleben wir gerade, wie bisher eindeutig getrennte Bereiche in Bewegung geraten und zu neuen, kombinierten Einheiten konvergieren:

  1. E-Mail-Clients, Instant Messaging, Telefonie, Video-Chats usw. entwickeln sich von strikt getrennten Lösungen zu kombinierten Tools (etwa in Lotus Notes oder Google Mail). Gleichzeitig ziehen sie auch auf Social Networks ein, wie etwa das Chatmodul auf Facebook oder aktuell Spreed auf Xing.
  2. Office Software muss nicht mehr zwingend auf dem Desktop installiert sein (wie das klassische Microsoft Office), sondern kann auch webbasiert genutzt werden (Google Apps, Zoho…).  Parallel dazu entsteht über Wikis, Blogs oder integrierte Collaboration Suiten (Atlassian, Socialtext…) eine neue Art der Arbeitskultur, in der zudem Dokumente, Videos oder Präsentationen über webbasierte Tools (Scribd, SlideShare, delicious…) ausgetauscht und veröffentlicht werden.
  3. Social Networks als Plattformen für die Kontaktpflege waren lange Zeit eine Gattung für sich mit einem klar abgrenzten Einsatzzweck. Nach und nach nehmen sie jetzt immer mehr der unter 1 und 2 beschriebenen Funktionen in sich auf und werden so zur natürlichen Ausgangsbasis für multivariables Arbeiten, Publizieren und das Networking.

Sieht man diesen größeren Zusammenhang, wird klar, dass Xing nicht nur mit LinkedIn konkurriert und sich sonst nur von Facebook sauber abgrenzen muss. Auf der Ebene der Collaboration reden eine Menge anderer Unternehmen mit, darunter Riesen wie Microsoft und die IBM, die sich nicht einfach so die Butter vom Brot werden nehmen lassen.

Das als Illustration für diesen Artikel gewählte Foto einer Plakatwerbung von Xing in London (im Herbst 2008) zeigt die Achillesferse des Unternehmens aus Hamburg: Mit gut 6 Millionen Usern ist das Netzwerk nicht wirklich groß im Vergleich zu LinkedIn und erst recht nicht verglichen mit der Kundenbasis einer IBM.

Der lachende Gewinner im Konvergenzfeld von Networking, Collaboration und Kommunikation könnte am Ende aber Google heissen, wenn Wave ein offenes Produkt wird (wofür es Anzeichen gibt). Alle anderen, einschließlich Xing, haben bislang nämlich nur abgeschottete Insellösungen im Angebot…

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Auch hochkarätige Vordenker machen mal einen Fehler. So geschehen unlängst auf der CeBIT, wo im Rahmen der pre:publica Prof. Dr. Gunter Dueck von der IBM zu Gast war und sich den Fragen von Johnny Haeusler stellte.

Zuhause am Rechner sitzend klinkte ich mich in den live übertragenen Videostream (zaplive.tv) ein und staunte nicht schlecht, was Prof. Dueck auf die Frage aus dem Publikum, welche Prognose er zum kulturellen Wandel in den Unternehmen geben könne, antwortete.

Der Fragesteller hob darauf ab, dass jetzt immer mehr High-Potentials aus den Unis in die Unternehmen kämen, die mit Xing, Wikipedia und Blogs umgehen könnten, während das Old-School-Management in vielen Betrieben Wissen aber noch nicht teilen wolle und die Entwicklung in Richtung Enterprise 2.0 bremse.

Wäre Prof. Dueck Politiker, hätte er sich auf diese durchaus brennende Frage mit einem wolkigen und wortreichen Statement aus der Affäre gezogen. So aber verwies er auf das Beispiel der IBM, wo man derzeit die Mitarbeiter dazu anhalte, Accounts auf Xing zu eröffnen. Damit sei man anderen Unternehmen um 5 bis 6 Jahre voraus.

Das wiederum machte Johnny Haeusler etwas stutzig und er fragte, ob denn Tools wie Xing oder Facebook nicht in der IBM entwickelt werden müssten, bevor diese von den Hinrichs und Zuckerbergs dieser Welt auf den Markt gebracht würden. In diesem Moment realisierte der kluge Professor, dass er sich wohl etwas vertan hatte und antwortete nur noch mit einem “weiß ich nicht so genau”.

Ich sehe ihm das nach und möchte an dieser Stelle auch nicht über die IBM spotten, denn dazu besteht kein Anlass. Allerdings zeigt diese Situation (im Video ab Minute 42 zu sehen), dass sich selbst eine IBM mit dem Wandel, der durch das Internet ausgelöst wurde, nicht immer leicht tut.

Xing startete bekanntlich 2003, Facebook 2004. Gut fünf Jahre später also werden diese Plattformen von der IBM offiziell als Kontaktinstrumente anerkannt und eingesetzt. Bei Xing dürfte man sich darüber freuen, zumal man hier gerade etwas Gegenwind durch den Wettbewerber LinkedIn zu spüren bekommt, der neuerdings auch auf dem deutschen Markt aktiv ist.

Die Frage aus dem Publikum ist damit aber noch nicht beantwortet. Ich für meinen Teil erwarte, dass die aktuelle Wirtschaftskrise an vielen Stellen das Umdenken beschleunigen wird. Und das dürfte auch im Sinne von Prof. Gunter Dueck und der IBM sein…

Brauchen wir eine Art “Flatrategebühr für Internetprogramme”? Wolfgang Michal (Carta) hat unlängst eine solche Lösung vorgeschlagen, weil sich guter Journalismus anders nicht finanzieren ließe. Dabei sollten die Netzbetreiber einen Teil ihrer Einnahmen (stolze 25 %) an eine Internetanstalt öffentlichen Rechts abführen, die damit Blogger, Netzzeitungen und auch Musikgruppen finanzieren könnte.

In den Kommentaren auf Carta habe ich dem heftig widersprochen, worauf Wolfgang mich aufforderte, doch Alternativen zu nennen. Das versuche ich hiermit.

Horizontales Downsizing als Notwendigkeit

Ein wesentliches Problem speziell der Zeitungsverlage ist, dass es davon jetzt zu viele gibt. Die horizontale Vielfalt macht im Internet (leider) keinen Sinn mehr und dürfte eine der Ursachen dafür sein, dass sich Paid Content schwer bis gar nicht durchsetzen lässt: Wenn sehr viele das Gleiche anbieten, hat das Produkt am Ende eben keinen Preis mehr. Man bedenke: Nur weil es heute das Internet gibt, hat sich dadurch noch nicht automatisch die Nachfrage nach Nachrichten erhöht.

In dieser Situation ist es meiner Meinung nach falsch, nach Subventionen oder einer Finanzierung durch Gebühren (Flatrate-Abgabe) zu rufen: Denn sollten damit etwa mehrere Dutzend Zeitungsredaktionen alimentiert werden, nur weil die Redakteure und Journalisten alle gerne über die Politik in Berlin berichten und das als Qualitätsjournalismus und nützlich für die Demokratie ansehen?

Für die “Weiterentwicklung der Gesellschaft” wäre es deutlich besser, die Medienfachleute würden aus dem horizontalen Einerlei ausbrechen und statt dessen Chancen auf der vertikalen Ebene suchen: Regionalportale gibt es noch relativ wenig und auf diesem Feld könnte man noch wesentlich weiter gehen, wenn man etwa Elemente von Social Networks einbeziehen würde. Das Produkt wäre im Ergebnis halt etwas ganz anderes als eine “Zeitung”, aber wenn es sich wirtschaftlich rechnete?

Strukturen für den Paid Content

Klar ist: Praktisch jeder Anbieter von Nachrichten im Internet wird auch künftig ein Basisangebot kostenlos anbieten müssen. Warum aber nicht darauf aufbauend bestimmte Teile nur gegen Bezahlung zeigen? Das Wall Street Journal demonstriert, dass der vertikale Ansatz (also mehr Tiefe als Breite), dazu führen kann, dass ein Anbieter in einem Segment als maßgebliche Autorität wahrgenommen wird und er so auch weiterhin einen positiven Preis verlangen kann.

Diesen Ansatz hält übrigens Steve Rubel (Micro Persuasion) auch auf Blogs für anwendbar: Seiner Auffassung nach könnte etwa TechCrunch versuchen, bestimmte Nachrichten an Venture Capitalists exklusiv (bzw. vorab) zu verkaufen.

Ich bin mir sicher, dass wir in den nächsten Jahren in diese Richtung einige sehr interessante Entwicklungen sehen werden. Allerdings denke ich auch, dass die wenigsten davon aus den etablierten (und klammen) Verlagshäusern kommen werden, solange die Zeitungsleute sich nur als Meinungsmacher für ein breites Publikum sehen und nicht in spezielleren Zielgruppen denken wollen.

Personalisierung und Aggregation als Erlösmodell

Ein Ansatz, an den bislang noch niemand gedacht hat: Der einzelne Anbieter überschüttet seine Leser mit so vielen (kostenlosen) Meldungen, Videos und (langen) Artikeln, so dass diese den Überblick verlieren. Dann bietet man gegen Entgelt einen Personalisierungsdienst, bei dem aus der Überfülle sich jeder das für ihn Wichtige zusammenstellen lassen kann. Dass dieser Gedanke nicht ganz absurd sein kann, beweist die Übernahme von Socialmedian durch Xing.

Zudem sind Feed-Reader und RSS noch lange kein Mainstream, wenn sie es je werden: Neben den wenigen Lesern, die sich aus der Vielzahl der Medien ihr individuelles Menü zusammenstellen, dürfte deshalb eine Mehrheit auch künftig sich an einzelnen “Ankermedien” orientieren, die somit schon Chancen für personalisierte Angebote haben sollten.

Parallel dazu zeigen Dienste wie TechMeme oder Rivva, dass im Bereich der Aggregation Einiges zu machen ist. Aber auch hier stehen sich Journalisten eher wieder selbst im Weg, weil sie meist nur daran denken, Nachrichten selbst zu fabrizieren und niemand das Sichten, Zusammenfassen und Verknüpfen als mögliche Dienstleistung sieht.

Decision Enabling

Diesen Punkt hatte ich neulich schon hier im Blog ausführlich behandelt. Auch hier geht es nicht so sehr um Nachrichten an sich, als eher darum, was man damit noch machen kann. Etwa Entscheidungsträger darin unterstützen, bessere Entscheidungen zu fällen. Ein erster Punkt dazu wäre, Kommentare (ohne vorherige Anmeldung) zu allen Artikeln zu ermöglichen. Erstaunlich eigentlich, dass noch längst nicht alle Medien das anbieten.

Fazit

Wege gibt es etliche, wenn auch alle noch mit Unsicherheiten behaftet. Der Kern des Problems liegt eher darin, dass Journalisten, Redakteure und Verlagsunternehmer die neue Welt digitaler Möglichkeiten viel zu sehr durch ihre alten Brillen betrachten – oder um es mit den Worten von Marc Andreessen zu sagen (gefunden bei Dirk von Gehlen), “The people who made horse carriages were not the ones who started car companies.” Muss sich die Geschichte wiederholen?

Abschließend noch eine Empfehlung: Elias Bizannes (Liako.Biz) hat einen sehr guten Artikel darüber geschrieben, wie Michael Arrington zum Blogger wurde. So entstehen Medien und Meinungsmacher heute!

Ich habe mir mal Gedanken darüber gemacht, wie wohl unsere Kammern, also inbesondere die Industrie- und Handelskammern sich im Web präsentieren könnten, wenn sie auf das Web 2.0 setzen würden. Ihr Auftritt im Internet wäre dann nämlich ein ganz anderer. Und vermutlich würde das den Mitgliedern sogar gut gefallen…

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Weniger gut wäre das vermutlich für Xing. Dieses Netzwerk erfüllt nämlich heute bereits einen guten Teil der Funktionen, die auch die Kammern im Web darstellen könnten. Dabei zeigt der Erfolg von Xing, dass eine der wichtigen Funktionen der Kammern, nämlich Kontaktmöglichkeiten unter den Mitgliedern zu schaffen, längst dabei ist, ins Netz zu wandern. Das Gleiche gilt für Fachdiskussionen, die auf Xing ebenfalls rege genutzt werden.

Die Nachfrage schafft sich ihren Markt also selbst, ohne zu warten, ob von Seiten der Industrie- und Handelskammern ein entsprechendes Angebot bereit gestellt wird. Letztere sollten aufpassen, dass sie im Web nicht irgendwann überflüssig gemacht werden…

The worlds networkIch verstehe das nicht. Noch im Sommer letzten Jahres herrschte allenthalben Jubel über die Social Networks. MySpace beeindruckte mit immensen Mitgliederzahlen, Facebook mit seinem rasanten Wachstum. Später mischten sich kritische Töne unter, weil es an der Monetarisierung hapert. Social Networks finanzieren sich bislang über Werbung und das scheint nicht so recht zu funktionieren.

Aktuelle Zahlen von ComScore scheinen nun zu belegen, dass in jüngster Zeit die User auf diversen Social Networks weniger Zeit verbringen. Zwar steigt die Zahl der Mitglieder weiter an, aber die User “verweilen” eben nicht mehr so lange. Die Kritiker fühlen sich bestätigt und zweifeln schon am Funktionsprinzip von Social Networks.

Geht es noch dümmer? Wie kann man nur so kurzsichtig sein?

Nehmen wir Facebook als Beispiel (ich bin dort selbst Mitglied). Ganz klar hat die Öffnung der Plattform im Mai 2007 für externe Entwickler von Applikationen dazu geführt, dass Facebook mit einer Fülle an unsinnigen Spielereien überschwemmt wurde. Aber warum sich darüber aufregen? Keiner muss so etwas in seinem Profil installieren.

Schwerer wiegt schon die Tatsache, dass die Kommunikationsmöglichkeiten auf Facebook allenfalls Mittelmaß sind. So kann man zwar untereinander Nachrichten austauschen und Gruppen einrichten, aber schon der Verlauf der Kommunikation in den Gruppen teilt sich nicht mehr nach außen mit. Das ist in etwa so, als gäbe es keine RSS-Reader zum Lesen von Blogs. Für mich zeigt sich an dieser Stelle, dass das “Genie” Mark Zuckerberg noch nicht so recht realisiert hat, worum es in Social Networks wirklich geht.

Und noch ein Punkt. Vergleichen wir dazu Lotus Notes mit Facebook. Während Lotus Notes eine perfektionierte Software für alle nur denkbaren Arten der Kommunikation darstellt, kommt Facebook im direkten Vergleich ziemlich dünn daher. Aber: Lotus Notes funktioniert nur in den Netzwerken von Unternehmen. Die Software bildet also einzelne Inseln. Und während man auf einer solchen Insel perfekt kommunizieren kann, wird es schon schwieriger, sobald der Gesprächspartner auf einer anderen Insel sitzt, auf der vielleicht Lotus Notes nicht installiert ist. Facebook dagegen ist wie das Meer, das alles und jeden verbindet. Jeder kann kostenlos Mitglied werden, Kontakte knüpfen und kommunizieren.

Ist das so schwer zu sehen? Hat Kommunikation etwa keine Zukunft?

Falls doch, wäre die kritische Frage zu stellen, warum es auf Facebook keine Chats und keine Foren gibt. Und es fehlt an einer Funktion für die Benachrichtigung, wo gerade was los ist. So schön es ist, dass es auf Facebook viele Gruppen gibt, so sehr fehlt eine Hinweisfunktion, die mir zeigt, in welcher meiner Gruppen gerade aktiv diskutiert wird. Kein Student wird Abends eine Kneipe nach der anderen abklappern, nur weil er weiß, dass seine Kumpels irgendwo beim Bier sitzen. So viel Verstand würde ich im Prinzip auch Mark Zuckerberg zutrauen.

Und schließlich zum Geld. Mit der Werbung klappt das nicht so recht, siehe auch Xing. Aber muss es das? Wo steht denn geschrieben, dass Social Networks nur mit Werbung zu finanzieren sind? Das ist ein Märchen, dass die Marketingbranche lauthals verkündet, weil sie hier für sich eine neue lukrative Spielwiese sieht.

Dem muss aber nicht so sein. Social Networks haben noch andere Möglichkeiten der Monetarisierung. Beispielsweise die Marktforschung. Social Networks sammeln Berge von Daten, die derzeit noch völlig ungenutzt herumliegen. Wäre da nicht mehr daraus zu machen? Zweitens Mietmodelle. Dazu “mietet” sich ein Unternehmen Platz auf einem Social Network und diskutiert direkt mit den Usern. Was in (Produkt-) Foren schon lange gut funktioniert, müsste sich auch auf Social Networks etablieren lassen.

Fazit: Social Networks sind ein noch junges Genre mit sehr viel Potenzial. Als die ersten Automobile gebaut wurden, gab es noch keine geteerten Straßen und keine Tankstellen. Und doch setzte sich das neue Transportmittel durch. Genau so wird es mit den Social Networks sein.

Foto: The worlds network by saschaaa auf Flickr

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