Wirtschaft

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Deutschland hat gewählt und bekommt eine konservativ-liberale Regierung. So richtig gerechnet hat man damit nicht, obwohl in Unternehmerkreisen genau diese Konstellation natürlich favorisiert worden war. Doch haben wir damit jetzt gute Perspektiven für die Wirtschaft?

Unternehmer und Unternehmen sollten sich nicht täuschen. Auch eine sehr wirtschaftsfreundliche Politik kann bzw. muss wirkungslos bleiben, wenn sie von den falschen Prämissen ausgeht. Vor genau dieser Gefahr stehen wir heute:

  1. Auch wenn CDU/CSU und FDP im Bundestag jetzt die Mehrheit haben, hat unser Land noch lange keine “bürgerliche Mehrheit” für die entsprechende Politik. Denn während das bürgerliche Lager im Vergleich zur Wahl 2005 annähernd gleich viel Stimmen bekommen hat, hat die SPD 6 Millionen Wähler verloren, wovon 4 Millionen gar nicht mehr an die Urne gegangen sind, wie Robin Meyer-Lucht (auf Carta) schreibt.
  2. Die Programmatik der bürgerlichen Parteien entstammt Denkmodellen des 20. Jahrhunderts und wird dem technologisch-digitalen Umbruch unserer Gesellschaft längst nicht mehr gerecht. So ist es illusionär zu glauben, man könne den Arbeitsmarkt durch Deregulierung und Steuersenkungen ankurbeln. Vollbeschäftigung wird sich in einer globalisierten und hochgradig automatisierten Wirtschaft so nicht mehr einstellen.
  3. Auf dem immer wichtiger werdenden Gebiet der Netzpolitik vertreten CDU und FDP teilweise gegensätzliche Positionen, die zwar gut für ein paar Konflikte sein dürften, insgesamt aber nicht in Richtung innovativer Ansätze gehen werden. Während die CDU dem Kontrollwahn erliegt und die FDP liberale Freiheiten propagiert, übersehen beide Parteien die gestalterischen Möglichkeiten einer Netzpolitik, die zur Modernisierung unserer Gesellschaft im Bildungsbereich, im Gesundheitssektor und der Verschlankung öffentlicher Verwaltungen führen könnte.
  4. Was die Energie- und Klimapolitik betrifft, darf man von der neuen Regierung ebenfalls nicht viel Fantasie erwarten. Eine konservativ-liberale Grundhaltung ist genau die falsche Basis, wenn es darum geht, unser Land konsequent auf erneuerbare Energien umzustellen und eine Abkehr von fossilen Energieträgern zu beschleunigen. Auch jenseits jeder Klimadebatte könnte ein starker Ansteig beim Ölpreis den wirtschaftlichen Aufschwung massiv gefährden. Die wahrscheinlichste Ursache dafür: Peak Oil. Ein solches Szenario aber wird nicht wahrgenommen, auch nicht als Chance für Innovationen und deutsche Exporte.

Von einem Aufbruch in eine neue Zeit also keine Spur. Aber dafür wurde diese Koalition auch nicht gewählt: Sie steht für den Teil der unserer Bevölkerung, der besitzstandswahrend am liebsten alles so lassen würde, wie es jetzt ist und sich auch entschieden genau dafür einsetzt.

Der Achtungserfolg der Piratenpartei aber, die bundesweit knapp über 2 % der Stimmen erreichte, muss Unternehmern ein deutliches Signal sein: Es gibt in unserem Land ein zukunftsorientiertes Denken, nur entwickelt es sich offenbar nicht in den etablierten Parteien.

Unsere Wirtschaft wird in den nächsten Jahren keinen Aufschwung wie in den guten alten Zeiten der Bonner Republik sehen. Das 21. Jahrhundert schafft neue Verhältnisse, die auch neue Antworten und Konzepte erfordern. Dafür aber sind CDU und FDP nicht gerüstet. Leider.

stop signs flickrEs ist nicht zu übersehen: Corporate Blogs in Deutschland, das ist keine Erfolgsstory. Im Gegenteil. Es ist so etwas wie ein Rohrkrepierer. Eine nüchterne Bestandsaufnahme zeigt, dass hierzulande bislang erst wenige Unternehmen begonnen haben zu Bloggen, einige bereits wieder aufgehört haben und etliche der noch “lebenden” Corporate Blogs erkennbar lustlos geführt werden. Woran liegt es?

Ganz einfach an der fehlenden Relevanz. Wer in Deutschland Geschäfte machen möchte, braucht dazu alles mögliche, nur kein Blog. Denn Blogs werden von den Entscheidern in der Wirtschaft immer noch nicht gelesen. Und daran dürfte sich so schnell auch nichts ändern.

In den meisten Unternehmen, aber auch anderen Organisationen (soziale Einrichtungen, Hochschulen, Verwaltung und Politik, Kultureinrichtungen) sind die leitenden Positionen heute überwiegend mit Personen besetzt, die über 40 Jahre alt (wenn nicht deutlich älter) sind und auf eine 10 bis 20 Jahre währende “Silo-Karriere” zurückblicken.

Mit dem Begriff Silo-Karriere meine ich den Umstand, dass eine Person um Karriere zu machen, früh die Weichen in eine Richtung stellen muss und dann ihrer Linie treu bleibt. Am deutlichsten sieht man es an der Politik: Wer hier etwas werden will, muss sehr früh in eine Partei eintreten und dann die Ochsentour von unten nach oben durchlaufen. Seiteneinsteiger oder auch ein zeitweiliger “Linienwechsel” etwa in die Wirtschaft oder auf eine Dozentenstelle sind hier nicht üblich.

Das gleiche Silo-Prinzip gilt übrigens auch für den Mittelstand. Hier ist es heute noch gern gesehen, wenn man einer Firma sein ganzes Berufsleben lang treu bleibt. Speziell im Mittelstand greift dieses Silodenken aber noch weit über die Werkstore hinaus: Da gibt es kaum Firmen, die nicht auch mit ihren Lieferanten (Zulieferbetriebe) oder Dienstleistern (Steuerberater, Werbeagenturen…) langjährige Beziehungen pflegen, die nicht selten über Jahrzehnte reichen können.

In diese (typisch deutsche?) Silo-Kultur platzt nun das Web 2.0 mit Versprechungen, die in den Silos gar nicht gebraucht werden: Vernetzung? Wozu, im Silo kennt jeder jeden. Wissensaustausch und neue Ideen? Im Silo ist Wissen Macht und muss sorgsam dosiert werden. Dialoge mit der Öffentlichkeit und Meinungen von außen? Lieber nicht. Denn unverlangte Meinungen von außen untergraben nur die sorgsam austarierten Macht- und Einfluss-Strukturen im Silo.

Ich habe lange gebraucht, bis zur Einsicht in diese Zusammenhänge. Lange wollte und konnte ich es nicht glauben. Aber was “uns” Bloggern und Bloglesern völlig natürlich und willkommen erscheint, wirkt auf viele Manager oder Direktoren wie ein gefährliches Spiel mit dem Feuer. Ein Blog als Kanal in eine weite und unkontrollierbare Öffentlichkeit ist das Letzte, was sich diese Menschen wünschen.

Und deshalb die fehlende Relevanz. Das Medium und seine Möglichkeiten werden ignoriert, denn Blogs sind nichts, was sich in die Erfahrungs- und Denkstrukturen dieser Generation von Führungskräften gut einfügen würde. Im Gegenteil: Das Web 2.0 verlangt einen Aufbruch zu neuen Ufern, der gerade in ihrer Wahrnehmung mehr Risiken als Chancen mit sich bringt.

Foto: Stop Signs, High Springs by adobemac auf Flickr

Crisis Counseling Flickr Double Feature“Die Nachrichten aus der Wirtschaft sind derzeit alles andere als erfreulich” schreibt Andreas Göldi und stellt zwei Szenarien auf, wie denn eine sich verschlechternde Wirtschaftslage auf das Internet durchschlagen könnte. Ich selbst habe in der letzten Woche, als die Börsenkurse abrupt fielen gemutmaßt, dass wir vor einer Krise von historischem Ausmass stehen.

Ist es wirklich so schlimm? Und sollte man sich bei Göldi eher an die pessimistische oder an die optimistische Perspektive halten?

Zunächst einmal denke ich, dass sich die Geschichte nie wiederholt. Wir werden also keine neue Internetkrise bekommen. Das Internet ist mittlerweile so stark und fest etabliert, dass es auf seiner bestehenden Basis nicht mehr nennenswert erschüttert werden kann. Denn Teile der aktuellen Krise, etwa in der Musikindustrie, spielen sich gerade nicht im Internet ab (wo die Umsätze stetig wachsen), sondern im Bereich der “Old Economy” (sinkende Umsätze im Verkauf von CDs).

Sollten also Unternehmen der Musikindustrie straucheln oder sogar spektakulär zusammenbrechen, wird das Musikgeschäft im Internet davon nur marginal getroffen: Amazon, iTunes und andere mögen zeitweilig weniger schnell wachsen, ernsthaft bedroht ist diese Form des digitalen Geschäftes nicht mehr.

Bei den Zeitungen könnte sich ein ähnliches Bild ergeben: Rezessionsbedingt fallende Werbeeinnahmen und die ohnehin langsam und stetig abnehmende Leserschaft mag das eine oder andere Blatt ernsthaft gefährden. Den Sektor “News im Internet” tangiert das nur wenig, er dürfte in den nächsten Jahren kontinuierlich weiter wachsen und auch weiter steigende Werbeeinnahmen verzeichnen.

Die aktuelle Krise trennt nicht mehr eine (funktionierende) Old Economy von einer (strauchelnden) New Economy, sondern verläuft quer durch die Branchen und trifft in erster Linie alle Unternehmen, die massiv vom Medienwandel und den Verlagerungen ins Web tangiert sind. Dabei werden die alten, realwirtschaftlichen Geschäftsmodelle erschüttert und in Frage gestellt.

Und das Web 2.0? Kommen hier alle ungeschoren davon?

Alle nicht, aber viele. Denn das Web 2.0 ist ein Hungerkünstler. Die Wikipedia schlägt sich wacker mit Spenden und den Geldern der Stiftung. Viele Startups operieren ohne Venture Capital und die meisten Blogs haben nur wenig Leser und noch weniger Werbeeinnahmen. Alle Beteiligten wissen aber, dass das Internet “wächst” weil mit jedem weiteren Jahr neue User dazu kommen, während am oberen Ende der Bevölkerungspyramide Jahrgänge wegsterben, die das Medium kaum kannten oder nutzten.

Dabei soll hier nicht verharmlost werden, dass wir vor großen Verwerfungen stehen. Denn noch kann ich nicht sehen, wie die Abbauprozesse im realwirtschaftlichen Bereich (und die damit verbundenen Arbeitsplatzverluste) auf der digitalen Ebene kompensiert werden können. Das Thema wird uns also noch weiter beschäftigen.

Foto: Crisis Counseling by Double Feature auf Flickr