Wikis

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Bei Tim Schlotfeldt entdeckt: Die Forschungsstelle “Neue Kommunikationsmedien” der Universität Bamberg hat jüngst ein Blog (in englischer Sprache) gestartet, mit dem die Forschungsarbeit über Wikis in Organisationen in den nächsten zwei Jahren begleitet werden soll.

Ausdrücklich werden “corporate wikis” als Forschungsgegenstand in einem der ersten Einträge genannt. Wir dürfen also gespannt sein…

Zum Schluss dieser Wiki-Woche noch ein Blick auf den Mittelstand. Dazu auch ein paar Links auf Blogs, die sich intensiver mit Wikis beschäftigen.

Bei Gesprächen mit Unternehmern musste ich feststellen, dass man vielfach zwar die Wikipedia kennt, aber sich noch überhaupt keine Gedanken darüber gemacht hat, wie denn Wikis im (kleineren) Unternehmen einzusetzen wären. Hier gibt es ein klares Defizit an Wissen.

Als positives Beispiel erwähne ich dann gerne das Wiki von doubleSlash: Dieses IT-Unternehmen hat in Zusammenarbeit mit externen Experten ein (öffentlich zugängliches) Wiki zum “Identity and Access Management” erarbeitet. Weitere Unternehmen in Baden-Württemberg, die bereits mit Wikis arbeiten, sind Web.de in Karlsruhe und Festo in Esslingen (in beiden Fällen unternehmensintern).

Ein bemerkenswertes Beispiel für ein Wiki ist das PR-Wörterbuch. Dahinter steckt die Kommunikationsagentur Schrader (pr-dienst.de) aus Hannover. Kritisch mit diesem Wiki setzen sich die PR-Fundsachen auseinander. Ich denke aber, dass man ein Wiki durchaus auch für werbliche Zwecke einsetzen darf. Und damit sind wir bei den wesentlichen Einsatzmöglichkeiten von Wikis im Mittelstand:

  1. Als Intranet etwa, das sehr kostengünstig eingerichtet werden kann und damit auch kleinen Firmen einen effizienten und attraktiven Informationspool bereitstellen kann (hier nochmals der Verweis auf Andrew McAfee und hier eine Diskussion dazu).
  2. Für Projektarbeiten oder spezielle Aufträge, bei denen mehrere Personen voneinander unabhängig mitwirken und die dafür ein gemeinsames Diskussions-, Prozess-, und Dokumentationsmittel einsetzen möchten (gut dargestellt im Blog von Socialtext).
  3. Als Wissensdatenbank. Je kleiner das Unternehmen, desto weniger Zeit bleibt meist für die Dokumentation von Abläufen, Techniken oder Kundenanforderungen. Warum nicht einmal statt der üblichen Office-Dokumente ein Wiki starten? Hier eine Gebrauchsanweisung.
  4. Als Marketing-Tool. Ein Wiki kann auch bewusst dafür entwickelt werden, um mehr Aufmerksamkeit in den Suchmaschinen zu bekommen. Beispielhaft habe ich oben schon das PR-Wörterbuch erwähnt.

Zum Schluss eine (von mir ungeprüfte) Buchempfehlung im Blog von Jörg Hoewner und der Hinweis auf einen sehr guten Artikel von brandeins (”Die gläserne Firma”). Und ganz zum Schluss noch der Hinweis auf die WikiMatrix, mit der sich Wiki-Software vergleichen lässt.

Aber machen wir uns keine Illusionen: Der Unternehmensberater John Sviokla weiss, dass sich die meisten Unternehmen gedanklich noch im Industriezeitalter befinden und mit Eigeninitiative und hierarchieübergreifenden Arbeiten (in Blogs oder Wikis) wenig anfangen können.

Auch kurze Blog-Kommentare können es in sich haben. Dieser hier zum Beispiel. Er führt uns auf das Blog von moellus und dort fand ich den Link zu PBWiki. Dort kann jeder sein eigenes Wiki anlegen und entweder für sich allein betreiben oder mit anderen zusammen. Passwortgeschützt oder öffentlich. Alles ganz einfach. Und kostenlos, solange man keine besonderen Ansprüche stellt. Aber bekanntlich kommt der Appetit ja beim Essen und das ist dann wohl auch die Geschäftsidee der Firma: Mehr Leistung gibts gegen Geld.

PBWiki ist ein amerikanisches Start-Up Unternehmen und wurde 2005 gegründet. Nach eigenen Angaben hat man schon 150.000 Wikis auf den Servern der Firma. Das Kürzel PB steht für “peanuts butter”. Angeblich soll das Erstellen eines Wikis so einfach wie das Schmieren eines (Erdnuss-) Butterbrotes sein…

Ein Dankeschön also an moellus. Schade nur, dass er einer Generation von jüngeren Bloggern angehört, die kein Impressum im Blog haben und auch das Kommentieren schwer machen (Login obligatorisch). Wie war das noch mit dem Web 2.0?

Die Wikipedia kennen wir nun hinlänglich. Aber lässt sich das Prinzip auch auf Unternehmen übertragen? Dazu habe ich nach Beispielen im Internet gesucht und prompt Einiges gefunden.

Das interessanteste (und ausführlichste) Beispiel liefert uns Andrew McAfee (Harvard Business School). Er demonstriert in seinem Blogartikel, wie die amerikanische Agentur Avenue A Razorfish ein Wiki als Intranet einsetzt. Das Unternehmen mit rund 1.000 Mitarbeitern hatte bereits ein Intranet, als das Wiki parallel dazu eingeführt wurde. Schneller als vom Management gedacht, etablierte sich das Wiki als neues, internes Leitmedium und verdrängte praktisch das “eigentliche” Intranet.

Wesentlich bekannter ist das Beispiel von Intel. Dort hat Josh Bancroft im Herbst 2005 ein Wiki aufgesetzt, das sehr schnell an Popularität gewann und heute mehrere 1.000 Einträge umfasst. Anfangs eher experimentell ausgelegt, ist die Intelpedia heute ein wichtiger Bestandteil des internen Wissensmanagements.

Das Pharmaunternehmen Pfizer folgte diesem Beispiel mit seiner Pfizerpedia. Diese hat sich zur zentralen Wissensbasis im Unternehmen entwickelt (120.000 Seiten) und geht auf die Initiative eines Wissenschaftlers zurück. Der fand das Medium nützlich, richtete es ein und schrieb die ersten Seiten. Bald folgten andere seinem Beispiel und das Wiki wuchs. Und mit dem Wachstum kam auch die Akzeptanz auf breiter Ebene.

Das Magazin BusinessWeek hat unlängst den Unternehmenswikis eine ganze Artikelserie gewidmet. Demnach haben sich Wikis mittlerweile in sehr vielen großen Unternehmen etablieren können. Vorreiter in Europa waren etwa Nokia und die Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein.

Und in vielen dieser Unternehmen werden jetzt Wikis auch in der Kommunikation und Zusammenarbeit mit externen Partnern oder Kunden eingesetzt. IBM betreibt schon mehrere “offene” Wikis, Nokia baut seit März diesen Jahres ein Wiki in Sachen Software-Programmierung für (seine) Mobiltelefone auf und setzt auf externe Hilfe.

Zum Schluss bleibt nur die Frage, was das alles mit dem Mittelstand zu tun hat. Können auch deutlich kleinere Unternehmen Wikis aufbauen? Und wozu? Die oben schon zitierte Internetagentur Avenue A Razorfish mit ihren “nur” 1.000 Mitarbeitern gibt da die Richtung vor – und weitere Beispiele folgen hier demnächst. Eine Liste mit Unternehmenswikis gibt es übrigens auch bei Tim Schlotfeldt.

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