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wysiwyg flickr luftaufnahmeMartin Koser (frogpond) greift das Thema WYSIWYG-Editoren in Wikis auf und plädiert für die reine Lehre: Editoren sind nicht wirklich erforderlich, die User von Wikis in Unternehmen sollen sich auf das Wesentliche konzentrieren (”Content”).

Ein wichtiges Beispiel in seiner Argumentation ist die Wikipedia, die mit ihrem großen Erfolg ja der schlagende Beweis dafür ist, dass ein Wiki auch ohne WYSIWYG-Editor funktionieren kann. Dem könnte man entgegen halten, dass die potentielle User-Basis nur genügend groß sein muss, um User Generated Content zum Erfolg zu führen und dass genau das etwa in mittelständischen Unternehmen so nicht gegeben ist, aber das ist hier nicht der Punkt.

Der springende Punkt ist eher, dass Wikis (egal ob mit oder ohne WSYSIWYG-Editor) sich immer noch schwer mit ihrer Durchsetzung auf breiter Ebene tun. Die Kernursache spricht Martin Koser dabei sogar selbst an, den “Leeren Quadranten” (Empty Quarter), wie ihn Andrew McAfee treffend bezeichnet hat.

Für meinen Geschmack gehen aber beide, Martin Koser und Andrew MacAfee, etwas zu leichtfertig über diesen leeren Quadraten hinweg. Denn gerade von Mittelständlern höre ich regelmäßig, dass sie in diesem Bereich ihre besten Mitarbeiter haben. Das sind langjährig erfahrene Kollegen, oft in Leitungspositionen, die das Unternehmen, seine Produkte und die Kunden bestens kennen. Sie weisen für den Betrieb eine sehr hohe Produktivität und Loyalität auf, sind aber in methodischer Hinsicht oft nicht auf dem neuesten Stand.

Unternehmer fürchten deshalb häufig, dass Social Software die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllen kann, weil gerade die wichtige Mitarbeitergruppe aus dem leeren Quadranten nicht mitzieht. Die Herausforderung liegt also darin, speziell dieser Personengruppe zu vermitteln, welche Chance gerade sie mit dieser Software haben kann. Keine leichte Aufgabe.

Foto: Ohne Titel by junklab auf Flickr

Wiki World FlickrWer bwl zwei null schon länger liest, wird festgestellt haben, dass ich mir viel Gedanken um Blogs (Corporate Blogs) und Social Networks mache, aber relativ wenig über Wikis schreibe. Das hat seinen Grund. So faszinierend Wikis im Web 2.0 sind und so sehr sie unseren Gebrauch des Internets beeinflusst haben (die Wikipedia etwa), so skeptisch bin ich nach wie vor was deren Einsatz in Unternehmen betrifft.

Meine Beobachtung ist, dass heute viele Unternehmen (die meisten?) mit Content Management Systemen arbeiten. Nun werden natürlich die Wiki-Experten aufheulen und anführen, dass Wikis weitaus mehr sind und können, als ein simples CMS. Und ich bin sofort bereit das zu glauben. Der Punkt ist nur: Die Betonung liegt auf dem “mehr”.

Ein Unternehmen, das bereits erfolgreich mit einem CMS arbeitet, wird den Sprung zum Wiki vielleicht als nicht so dringend und revolutionär erachten, als manche Enthusiasten des Web 2.0 sich das erhoffen. In diese Kerbe schlägt aktuell Ted Tjaden (slaw.ca), der keinen rechten Grund für Anwaltskanzleien erkennen kann, von ihrem CMS auf Wikis umzusteigen. James Dellow (ChiefTech) greift die Argumentation auf, ohne weiter überzeugende Belege zugunsten der Wikis finden zu können, wie er selbst einräumt.

Weiter führt uns vielleicht eine Unterscheidung, die Michael Idinopulos (Transparent Office) trifft: Er trennt zwischen dem eigentlichen Work Flow (in-the-flow) und reinen Wissenssammlungen (above-the-flow) und plädiert dafür, Wikis nicht above-the-flow zu nutzen, sondern in-the-flow. Da aber konkurrieren sie mit Projekt-Blogs und stärker noch mit dem Umstand, dass vielen Unternehmen der Einsatz von Social Software für die Arbeit im Team noch reichlich fremd und ungewohnt ist.

Und so denke ich, dass Blogs im internen Einsatz in Unternehmen durchaus ihren Platz finden werden. Wikis dagegen werden es schwer haben. Denn sie konkurrieren vielfach eben doch mit dem (schon vorhandenen) CMS. Ob die Hersteller von CMS den Wikis kampflos das Feld überlassen werden? Wohl kaum. Sie werden ihre Systeme “leichter” machen und Funktionalitäten des Web 2.0 integrieren. Am Ende stehen wir dann da, wo Ray Sims (Sims Learning Connections) es schon im Herbst 2007 vorausgesehen hat: “…the word wiki fades away…”.

Abbildung: wiki world (draft) by kaurjmeb auf Flickr

Schnelle Hilfe wirkt Spendenbutton Ärzte ohne GrenzenIm Blog von Dr. Brigitte Reiser (Nonprofits-vernetzt.de) wurde ich auf eine neue Website der Ärzte ohne Grenzen aufmerksam, die in Österreich entworfen und online gestellt wurde. Und ich kann ihr nur zustimmen: Die Website ist sehr gut gemacht und zeigt, wie man die Mittel des Web 2.0 sinnvoll einsetzen kann.

Im Zentrum steht eine Google-Map, auf der die Einsatzorte der Ärzte gekennzeichnet und mit einem Link zu weiterführenden Informationen versehen sind. Es gibt Videos, Podcasts, Bilder auf Flickr und sogar einen Twitter-Feed. Auch an das mobile Web ist gedacht. Einzig ein Blog fehlt (obschon die Seite mit der Blogsoftware von Movable Type gemacht wurde). Damit kommt der Dialog etwas kurz, was man aber auf einer Seite, die primär zum Spenden aufruft, akzeptieren kann.

Wollte man das Konzept noch weiter führen, könnten zu den einzelnen Hilfsprojekten Blogs aufgesetzt werden, mit denen die jeweilige Arbeit vor Ort dokumentiert wird (via Text, Podcast oder auch Video). Und um hier aber die Ärzte nicht über Gebühr mit Öffentlichkeitsarbeit in Beschlag zu nehmen, wäre ein Ansatz denkbar, den Martin Koser neulich formuliert hat: Die Ärzte ohne Grenzen müssten dazu ihre gesamte (reguläre) Arbeit über Wikis organisieren. Die Öffentlichkeitsarbeit wird dann auf die Wikistruktur aufgesetzt, so dass auch Teile des Wikis öffentlich einsehbar werden.

Ohne das hier im Detail auszuführen, führt uns das Denken in diese Richtung zu wahrhaft vernetzten Strukturen! Wo heute noch fein säuberlich in Intranet und Internet getrennt wird und die Walled Gardens intensiv gepflegt werden, wird uns die Zukunft vollkommen offene Strukturen präsentieren.

Der Freund und Gönner der Ärzte ohne Grenzen surft dann eben auf deren Spendenseite, sucht sich auf der Map das ihn interessierende Projekt und wechselt über einen Link auf das Projektblog. Von dort geht es weiter in das Wiki der Hilfsorganisation, wo etwa die Konzeption des Projektes dokumentiert und öffentlich einsehbar ist. Von dort führen weitere Links zu externen Quellen etwa der Vereinten Nationen und der Weltbank, wo Informationen zur Landeskunde hinterlegt sind. Diese wiederum könnten mit Google Earth verbunden sein, so dass man sich ein unmittelbares Bild “von oben” machen kann. Die bei Google Earth hinterlegte Semantik wiederum erkennt die Surfhistorie unseres Spenders und bietet ihm in weiteren Links etwa Filmbeiträge der BBC oder aktuelle Blogartikel in seiner Muttersprache an…

So wie sich diese Hilfsorganisation heute schon im Internet präsentiert, habe ich keinen Zweifel daran, dass man sich dort einem solchen Szenario gegenüber aufgeschlossen zeigen wird. Andere, die diesen Trend nicht erkennen und mitgehen, werden irgendwann buchstäblich im Dunkeln stehen.

Flickr Wissensleiter degreezero2000Die Wikipedia ist ein Meilenstein in der Entwicklung des Internets und eine kulturelle Leistung, auf die wir als Menschheit stolz sein können. Dass dieses frei zugängliche Wissen mit Traditionen bricht und sogar Geschäftsmodelle ins Wanken bringt, ist dabei unvermeidlich. Aber die Wikipedia selbst ist nicht unverwundbar. Sie hat Schwächen in ihrem System und Wettbewerber. Bei uns in Deutschland weniger bekannt sind etwa Citizendium, Squidoo oder HubPages. Am Rand werden die Grenzen ziemlich fließend und gehen in Suchmaschinen wie Mahalo oder Yahoo Answers über.

Nun hat auch Google angekündigt, eine eigene Wissensbasis aufzubauen und darin, im Gegensatz zur Wikipedia, die Autoren beim Namen zu nennen (und sogar abzubilden). Der wenig elegante Markenname “Knol” leitet sich vom Wort “Knowledge” ab, sein Dienst ist noch nicht öffentlich zugänglich.

Wie es der Zufall will, kündigt der Spiegel nur wenige Tage später an, “alle relevanten Informationen auf einen Klick” bieten zu wollen, indem man mit Bertelsmann zusammen ein Wissensportal eröffnet, in das die Inhalte der Spiegelhefte, des Bertelsmann Lexikons sowie Artikel der Wikipedia zusammengeführt werden.

Wo spielt also künftig die Musik?

  1. Die Wikipedia wird weiter den Ton angeben. Das Lexikon ist bereits so groß und reaktionsschnell, dass ihm allenfalls finanzielle Engpässe gefährlich werden können. Die Ablehnung der Wikipedia in Fachkreisen (”nicht zitierfähig”) tut der Sache keinen Abbruch, weil breite Bevölkerungsschichten sich mit der Leistung der Wikipedia offenbar sehr gut bedient fühlen. Gesichertes Fachwissen gibt es in anderen Wikis, etwa hier (IAM-Wiki).
  2. Über Google’s Knol lässt sich noch wenig sagen. Den Ansatz über die Nennung von Autoren in Kombination mit Werbung halte ich für zum Scheitern verurteilt. Denn so lassen sich leicht gute Artikel für potentiell trafficstarke Artikel finden (”Schnupfen”), nicht aber für politisch schwierige Themen (”Auschwitz”). Zudem scheint mir ungeklärt zu sein, ob eine beliebige Privatperson etwa über den Kölner Dom schreiben dürfte (und an der Werbung verdienen), während die Kirche nach Geldern zum Erhalt des Bauwerks sucht (moralische Konflikte)?
  3. Der Ansatz von Spiegel Wissen weist in die richtige Richtung. In Zeiten von immer mehr frei verfügbarem Wissen ist die Aggregation ein wichtiges Thema. Allerdings könnten die beteiligten Partner übersehen, dass künftig der maßgebliche Faktor nicht die Inhalte, sondern die Suchmaschinentechnologie und semantische Software sein werden (Trend von der “Suchmaschine” zur “Antwortmaschine”).
  4. Schon in naher Zukunft wird fast jede Form von Wissen im Netz frei verfügbar sein. Der traditionelle Markt für das Sammeln, Aufbereiten und Publizieren von Wissen dürfte nach und nach verschwinden. Die “Wissensindustrie” folgt damit der Musikindustrie. Diese hat ihre Inhalte lange zu schützen versucht, nur um dann doch der Entwicklung (ratlos) hinterher zu laufen. Gestützt wird dieser Trend von der aktuell ablaufenden Entwicklung zum “semantischen Web”, das im nächsten Jahrzehnt das Bild prägen dürfte.
  5. Darauf folgt sehr wahrscheinlich das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz (AI) und Singularität. Aussagen zum zeitlichen Horizont mache ich an dieser Stelle lieber nicht: Es könnte schnell gehen (2020?), oder noch lange dauern (2050?).

Das Foto oben links zeigt eine “Leiter des Wissens“. Auf Flickr lassen sich übrigens sehr schöne Bilder finden, auch wenn man die Suche auf freie Werke (Creative Commons) einschränkt. Die Bildersuche auf Google ist damit praktisch obsolet geworden.

Auf den Seiten der Top 100 Business Blogs bin ich in der Rubrik “Sonstiges” auf den MittelstandsBlog aufmerksam geworden. Klickt man diesen Link an, landet man allerdings beim sog. “MittelstandsWiki”, dem “Know-how-Portal für Unternehmer”. Betreiber ist die just 4 business GmbH, Bad Aibling. Was gilt jetzt: Blog oder Wiki?

Die Aufmachung zeigt klar, dass es sich hier um ein Blog handelt. Nicht zuletzt stammt auch die verwendete Software von WordPress. Beim Namen wollte man sich offenbar nicht eindeutig festlegen, was auch für den sehr breit angelegten Inhalt gilt: Hier wird über Alles berichtet, was für Mittelständler nur irgendwie interessant sein könnte.

Obwohl hier also eine Software für Blogs Verwendung findet, scheint mir das Projekt noch nicht wirklich im Web 2.0 angekommen zu sein. Über klassische Medienansätze reicht das Angebot nicht wirklich hinaus.

Was wäre aber für den Mittelstand wirklich interessant?

Ansätze zur Bewältigung der Informationsflut: Statt immer neuer Informationsquellen bedarf es intelligenter Filter- und Suchmechanismen, die jedes Unternehmen individuell mit den aktuell benötigten Informationen beliefern.

Neue Methoden zur Informationsverteilung: Speziell Industrie-Unternehmen kämpfen hier an zwei Fronten, nämlich mit der Bruchstelle Print- und Online-Medien einerseits und der unterschiedlichen Arbeitsplatzausstattung in Office und Produktion andererseits.

Und schließlich: Ein neues Bewusstsein für Wissenskultur. Nachdrücklich verweise ich hier nochmals auf das Video (Shift happens) das am Beginn dieses Blogs steht und das uns deutlich macht, dass die Menschen noch nie soviel Wissen hatten wie heute und dass sich dieses Wissen immer weiter vervielfältigt.

Das Schritthalten in dieser Wissensvielfalt wird schon bald zu einer unabdingbaren Schlüßelkompetenz nahezu aller Unternehmen werden. Und hierfür sind innovative Ansätze gefragt, nicht zwingend immer mehr Content.

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