Web 2.0

Sie durchstöbern gerade die Artikel mit dem Schlagwort Web 2.0.

Das Social Media PReview Blog von Timo Lommatzsch und Bastian Scherbeck hat aktuell einen Pocast veröffentlicht, in dem es um die Frage geht, wie weit der Mittelstand in Deutschland sich bereits mit Social Media befasst. Auslöser dafür war meine Aussage von neulich, dass es noch sehr lange dauern dürfte, bis insbesondere der Mittelstand sich umfassend auf das Web 2.0 einlassen wird.

Darüber diskutieren im Podcast Klaus Eck und Alexander Wunschel mit mir, moderiert und begleitet von Bastian und Timo. Mein persönliches Fazit: Das Medium Podcast wird noch viel zu wenig genutzt – auch von mir.

Crisis Counseling Flickr Double Feature“Die Nachrichten aus der Wirtschaft sind derzeit alles andere als erfreulich” schreibt Andreas Göldi und stellt zwei Szenarien auf, wie denn eine sich verschlechternde Wirtschaftslage auf das Internet durchschlagen könnte. Ich selbst habe in der letzten Woche, als die Börsenkurse abrupt fielen gemutmaßt, dass wir vor einer Krise von historischem Ausmass stehen.

Ist es wirklich so schlimm? Und sollte man sich bei Göldi eher an die pessimistische oder an die optimistische Perspektive halten?

Zunächst einmal denke ich, dass sich die Geschichte nie wiederholt. Wir werden also keine neue Internetkrise bekommen. Das Internet ist mittlerweile so stark und fest etabliert, dass es auf seiner bestehenden Basis nicht mehr nennenswert erschüttert werden kann. Denn Teile der aktuellen Krise, etwa in der Musikindustrie, spielen sich gerade nicht im Internet ab (wo die Umsätze stetig wachsen), sondern im Bereich der “Old Economy” (sinkende Umsätze im Verkauf von CDs).

Sollten also Unternehmen der Musikindustrie straucheln oder sogar spektakulär zusammenbrechen, wird das Musikgeschäft im Internet davon nur marginal getroffen: Amazon, iTunes und andere mögen zeitweilig weniger schnell wachsen, ernsthaft bedroht ist diese Form des digitalen Geschäftes nicht mehr.

Bei den Zeitungen könnte sich ein ähnliches Bild ergeben: Rezessionsbedingt fallende Werbeeinnahmen und die ohnehin langsam und stetig abnehmende Leserschaft mag das eine oder andere Blatt ernsthaft gefährden. Den Sektor “News im Internet” tangiert das nur wenig, er dürfte in den nächsten Jahren kontinuierlich weiter wachsen und auch weiter steigende Werbeeinnahmen verzeichnen.

Die aktuelle Krise trennt nicht mehr eine (funktionierende) Old Economy von einer (strauchelnden) New Economy, sondern verläuft quer durch die Branchen und trifft in erster Linie alle Unternehmen, die massiv vom Medienwandel und den Verlagerungen ins Web tangiert sind. Dabei werden die alten, realwirtschaftlichen Geschäftsmodelle erschüttert und in Frage gestellt.

Und das Web 2.0? Kommen hier alle ungeschoren davon?

Alle nicht, aber viele. Denn das Web 2.0 ist ein Hungerkünstler. Die Wikipedia schlägt sich wacker mit Spenden und den Geldern der Stiftung. Viele Startups operieren ohne Venture Capital und die meisten Blogs haben nur wenig Leser und noch weniger Werbeeinnahmen. Alle Beteiligten wissen aber, dass das Internet “wächst” weil mit jedem weiteren Jahr neue User dazu kommen, während am oberen Ende der Bevölkerungspyramide Jahrgänge wegsterben, die das Medium kaum kannten oder nutzten.

Dabei soll hier nicht verharmlost werden, dass wir vor großen Verwerfungen stehen. Denn noch kann ich nicht sehen, wie die Abbauprozesse im realwirtschaftlichen Bereich (und die damit verbundenen Arbeitsplatzverluste) auf der digitalen Ebene kompensiert werden können. Das Thema wird uns also noch weiter beschäftigen.

Foto: Crisis Counseling by Double Feature auf Flickr

crowd flickr victoriapeckhamSeit langem mal wieder eine Themenwoche auf bwl zwei null. Crowdsourcing ist ein Begriff, mit dem ich mich noch nicht in diesem Blog auseinandergesetzt habe. Die Wortschöpfung geht auf Jeff Howe zurück, der den Begriff 2006 in einem Artikel für Wired verwendete. Danach machte Crowdsourcing schnell die Runde im Web 2.0 und avancierte zum Erklärungsmodell für verschiedene Arten der Social Collaboration. Wisdom of Crowds ist der Titel eines Buches von James Surowiecki, das 2004 erschien. Die Fragestellung der Weisheit oder Dummheit der Massen ist aber viel älter und reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück.

Mir fehlt dabei allerdings noch der Bezug zum Themenfeld “Enterprise 2.0″. Kann es nicht auch innerhalb (größerer) Organisationen zu Formen des Crowdsourcing oder der Wisdom of Crowds kommen? Und falls ja, wie kann man diese gezielt nutzen?

Ganz passend dazu gibt es argumentativen Gegenwind bei James Dellow (ChiefTech), der feststellt, dass Instant Messaging in Unternehmen seit 10 Jahren möglich wäre, sich aber nicht so recht durchsetzt. Seine bange Frage ist, ob dies auch für den Bereich Enterprise 2.0 so kommen wird. Dazu verweist er auf Toby Ward (IntranetBlog), der die Auffassung vertritt, dass sich der Nutzen von Plattformen wie Facebook für Unternehmen weder feststellen noch messen lässt.

Foto: Liverpool Street station crowd blur by victoriapeckham auf flickr

Print is deadIst Ihnen auch schon aufgefallen, dass sehr viele der Internet- und Web 2.0-Vordenker in den USA zwar eifrig bloggen, twittern und facebooken, daneben aber auch noch ganz normale Bücher schreiben? So gesehen hat das gedruckte Buch wohl doch noch eine Zukunft!

Allerdings lassen sich bei Werbung und Vermarktung von Büchern über das Internet erhebliche Unterschiede feststellen: Von der klassischen Titelpräsentation bis hin zu viralen Kampagnen ist sehr vieles möglich. Deshalb hier der Versuch einer Kategorisierung:

  1. Verlage 1.0: In diese Kategorie fallen Verlage wie das Traditionshaus Suhrkamp, die ihr Verlagsprogramm noch ganz im Stil des “Web 1.0″ darstellen. Jegliche Elemente des Web 2.0 fehlen, seien es eine Kommentarfunktion oder auch Podcasts.
  2. Verlage 2.0: Hier ist man schon weiter und setzt die neuen Funktionen des Web 2.0 (allerdings ganz unterschiedlich dosiert) ein. Bei Klett-Cotta gibt es das Verlagsblog, Rowohlt setzt auf multidimensionale Werbung und auch Diogenes hat mit Paulho Coelho einen bloggenden Autor im Programm, der gleich alle Register (selbst) zieht.
  3. Autoren 2.5: Paulo Coelho stellt eine geschickte Überleitung in eine weitere Kategorie dar, die bewusst nicht mehr das Wort “Verlag” in der Bezeichnung führt. Hier sind Autoren gemeint, die die Vermarktung ihrer Bücher nicht dem Verlag (oder dem Zufall) überlassen, sondern selbst gezielt das Web 2.0 für ihre Zwecke nutzen. Aktuelles Beispiel ist Joseph Jaffe, der sein neues Buch u. a. über Facebook lanciert hat. Autoren mit Kultstatus (im Web) haben es (noch) leichter: David Weinberger brauchte für sein aktuelles Buch nicht viel zu machen: Technorati listet über 1.000 Blogs auf, die das Buch in der einen oder anderen Form besprochen haben.

Werden Verlage deshalb überflüssig? Wohl kaum. Denn nicht jeder Autor erreicht den Status eines Jaffe oder Weinberger (die zudem beide Universitäts-Professoren sind). Dennoch sollten Verlage aufpassen: Vom anderen Ende des Marktes her (also dem Long Tail) kommen Plattformen wie die readbox, die für Autoren ein wichtiges Instrument des Marketings sein können. Und wer dort Erfolg hat, aber keinen Verlag, wählt eben einen Print-on-demand-Anbieter als Partner.

Der “Flaschenhals” wird künftig ganz eindeutig die Kompetenz der Vermarktung sein. Ein weiteres aktuelles Beispiel dazu liefert uns Jeff Gomez, der sein bald erscheinendes Buch mit dem bezeichnenden Titel “Print is dead” mit Textauszügen und Podcasts auf seinem Blog bewirbt.

das daimler blogSeit heute ist es also online, das Daimler Blog. Optisch sehr gut gelungen, tritt uns hier fast schon ein Zwilling der (neuen) Konzern-Website entgegen. Ob wohl beide mit einer Blog-Software erstellt worden sind?

Zum Inhalt lässt sich noch wenig sagen, das Blog soll aber sicher ein Sympathie-Träger für Daimler werden und dürfte mit einem Auge auch in Richtung Personal-Marketing schielen. Der erste fachliche Artikel, der sich mit einer Initiative zur Berufsausbildung in Malawi befasst, ist sichtlich direkt aus der Praxis heraus geschrieben und wird bei den (mitlesenden) PR-Experten des Hauses, die perfekte Formulierungen gewohnt sind, für leichte Nervosität gesorgt haben…

Der Sache tut das keinen Abbruch. Im Gegenteil: Dass Daimler als eines der ersten großen Unternehmen in Deutschland bloggt, kann man nur positiv sehen. Und da ist es gut, dass man auch der Eigenart des Mediums “Blog” Rechnung trägt nicht etwa einen (zweiten) PR-Kanal eröffnet. Abzuwarten bleibt, ob das Blog auf Dauer nur Geschichten aus der weiten Konzernwelt erzählt, oder ob man auch den Mut hat, hin und wieder zur Unternehmenspolitik Stellung zu nehmen.

Witzig am Rande: Online ging das Blog mit dem Titel “Der Daimler Blog”. Im Laufe des Nachmittags aber veränderte sich die Bezeichnung wenn man mit der Maus darüber fuhr: Aus dem “Der” wurde ein “Das”. Und als ich das Logo herunter laden wollte, bekam ich nur noch ein “Das” zu fassen…

« Ältere Artikel § Neuere Artikel »