TechCruch

Sie durchstöbern gerade die Artikel mit dem Schlagwort TechCruch.

Wer als Unternehmer am Markt Erfolg haben will, muss ein sehr emphatisches bzw. strukturiertes Verstehen der Werteebene des Kunden haben. Das sagt Prof. Peter Kruse im hier vorliegenden Gesprächsausschnitt. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt uns aktuell das Crunchpad. Michael Arrington, von Haus aus eigentlich Jurist und seit Jahren sehr erfolgreicher Techblogger, denkt, dass es einen Markt (= “Resonanzfähigkeit” in der Sprache von Prof. Kruse) für einen Computer gibt, mit dem man im Prinzip nur im Web surfen kann.

Das Crunchpad ist in meinen Augen ein wirklich tolles und logisches Produkt, das gut in unsere Zeit passt. Das Erstaunliche daran ist aber, dass ein Blogger das Gespür dafür hat, dass dieses Produkt ein Erfolg werden kann und nicht einer der etablierten Hersteller, seien es Apple, Asus, Dell oder HP.

Prof. Kruse fordert denn auch eine Professionalisierung des Unternehmertums und fügt hinzu, dass Unternehmer wahrnehmende Menschen sind. Interessant auch, dass er den nötigen Fokus an Wahrnehmung nicht nur auf der Ebene des Kunden sieht, sondern auch im Unternehmen selbst verortet. Dabei geht es darum, sich bildende Wertemuster frühzeitig (!) zu erkennen und dann zu handeln.

In Zeiten großer Veränderungen haben diese Fähigkeiten aber offenbar fast nur Startups bzw. branchenfremde Unternehmen: Tesla etwa ist einer der Vorreiter bei Elektrofahrzeugen, Apple hat das Mobiltelefon praktisch neu erfunden und Michael Arrington setzt jetzt als Blogger durch, dass ein Tablet-PC auf Basis von Linux und nur mit einem Browser ausgestattet, serienreif entwickelt wird.

Als Betriebswirt kann ich damit im Prinzip gut leben. Nachdenklicher macht mich da schon, dass wir heute in fast allen Lebensbereichen “Unternehmertypen” im Sinne von Prof. Kruse bräuchten: Wer reformiert unsere Politik? Wer schafft die “Schule 2.0″, so dass emphatische Lehrerinnen (Sabine Czerny) nicht mehr länger die Ausnahme sind und mit Preisen für ihre Zivilcourage ausgezeichnet werden müssen?

Wo ist unsere Courage und Entschiedenheit in Sachen Klimapolitik? Warum kann sich ein Land wie Deutschland nicht das visionäre Ziel geben, den Ausstoß von CO2 stark zu senken ohne dabei den Lebensstandard seiner Bevölkerung zu schmälern? Sind wir nicht eine führende Industrienation, die mit Erfindergeist, Forschungsinstituten und einer klugen Politik so etwas angehen und dabei noch die eigene Wirtschaft sanieren (und von ihrer hohen Exportabhängigkeit befreien) könnte?

Ich bin fest überzeugt: Wir können das! Allerdings sollten wir dabei nicht auf die inzwischen blind und lahm gewordenen Institutionen in Politik, Verwaltung, im Hochschulbereich oder auf Verbands- und Kammerebene warten. Von dort kommen keine Impulse, allenfalls Bremsmanöver.

Statt dessen braucht es jetzt Leute wie Michael Arrington, die einfach selber anfangen und sich vernetzen. Er hätte auch jammern können und behaupten, er könne nichts gegen einen Riesen wie HP ausrichten. Kann er doch!

Positive Beispiele, die in die richtige Richtung gehen, gibt es aber auch bei uns: Etwa die stART09, eine Konferenz, die den Kulturbereich und das Web 2.0 zusammenbringen will (und wird!). Cem Basman (Sprechblase) organisiert die Microblogging Konferenz(en). Neue und junge Stimmen im Bereich der Blogs sind z. B. Leander Wattig und Sascha Pallenberg. Es tut sich also was, wenn auch natürlich noch nicht ganz vergleichbar mit den USA.

Abschliessend sollten wir bedenken: Wir, also die “Generation Online”, sind praktisch alle auf Twitter, haben Blogs und nutzen auch das mobile Web. Welche andere Personengruppe in Deutschland ist derart hoch vernetzt und so professionell informiert? Also denken wir unternehmerisch und mischen uns ein. Die Resonanz ist da!

flickr-arrington-techcrunch-robert-scoble

Das Bloggen hat auch schon bessere Zeiten gesehen. TechCrunch etwa war vor noch nicht allzu langer Zeit so etwas wie der Mittelpunkt des Web 2.0, seine Artikel wurden mit Andacht und Respekt gelesen, kommentiert oder verlinkt. 

Inzwischen aber scheint sich das Blatt zu wenden, mag Michael Arrington noch so cool auf einem Segway durch die (neuen) Büroräume des Blogs fahren und gleichzeitig sein iPhone bedienen (einen Moment, den Robert Scoble nicht besser hätte fotografisch einfangen können).

Wer etwa diesen Gastartikel von Keith Rabois (Slide) liest und sich dann die Kommentare dazu anschaut, bekommt deutlich vor Augen geführt, dass die Leser unzufrieden sind. Nicht wenige Kommentare äußern offenen Unmut über die Qualität des Artikels und fordern bessere journalistische Standards ein!

“Seriously please hire some guy that went to journalism school, someone that can do some basic research, instead of some celebrity due who is blogging about his latest brain fart…”

So etwas wäre noch vor ein oder zwei Jahren undenkbar gewesen: Blogs waren etwas Besonderes und anders als die klassischen Medien, die das Internet ohnehin nicht verstanden. An Blogartikeln, zumal an denen von TechCrunch, gab es nichts zu kritisieren, allenfalls wurden die Thesen der Artikel kontrovers (in den Kommentaren) diskutiert.

Inzwischen ist das offenbar anders. Das Publikum ist heute anspruchsvoller und stellt insbesondere an die Flagschiff-Blogs hohe Ansprüche. Interessant ist dabei, dass die Kritiker explizit auf den Journalismus Bezug nehmen und dessen Basics, nämlich eine solide Recherche der Fakten, einfordern.

In der Tat hat der Gastautor in seinem Artikel in klassischer Blogmanier überhaupt nicht recherchiert, sondern einfach eine bemerkenswerte, aber auch recht gewagte These aufgestellt, die ihm die Leser so nicht mehr ohne Weiteres abkaufen. Sie wollen eine derart steile These belegt sehen!

Der Artikel mag ein Ausreißer sein. Ich stelle aber schon länger fest, dass sich in den Kommentaren von TechCrunch der Tonfall geändert hat. Er ist deutlich respektloser geworden. Ganz offenbar haben die Leser im Lauf der Zeit dazu gelernt und lassen sich nicht mehr jedes X für ein U vormachen.

Dazu gelernt haben aber auch andere Medien, wie etwa die New York Times oder auch Onlinemedien, die immer schon näher am klassischen Printstandard geschrieben haben (ZDNet, cnet…). Sie brauchten eine ganze Weile, bis sie die Tech-Blogs eingeholt hatten, punkten heute aber mit ihrer Verlässlichkeit und Faktentreue. 

Abseits der (auch in den USA) immer wieder aufflammenden Kontroverse zwischen alten und neuen Medien müssen also auch Blogs sehen, dass die Luft für sie dünner wird. Einfach drauflos schreiben ist kein Geschäftsmodell (mehr).

Dem Tablet-Format stehen interessante Zeiten bevor: Die Firma Plastic Logic will 2009 einen eReader auf den Markt bringen, dessen Besonderheit darin liegt, dass er mehr oder weniger ganz aus Kunststoff besteht, was ihn sehr leicht, biegbar und rubust macht. Weitere Einzelheiten dazu im Handelskraft Blog.

eingebunden mit Embedded Video

Bei Engadget sieht man deswegen schon schwere Zeiten für den Kindle von Amazon heraufziehen. Und Michael Arrington dürfte den Auftritt von Plastic Logic auf der Demo Fall 08 auch zur Kenntnis genommen haben, entwickelt er doch gerade einen Tablet PC (auf Open Source Basis), zu dem unlängst der erste Prototyp gezeigt wurde.

Die große Unbekannte in diesem Wettrennen ist, was die Käufer bevorzugen werden: Ein Lesegerät, dessen Bildschirm Schwarzweiß darstellt und das dafür aber eine sehr lange Akkulaufzeit bietet (Amazon Kindle, Plastic Logic, Sony), oder eher den Tablet PC mit Farbbildschirm und der Möglichkeit, im Web zu surfen (TechCrunch Tablet) zum Preis einer deutlich geringeren Akkulaufzeit.

Ich persönlich tendiere eher in die Richtung des TechCrunch Tablet. Denn praktischer ist es allemal, mit einem Gerät verschiedene Formate (Text und Video) in Farbe nutzen zu können. Zudem ist hier die empfindliche Glasoberfläche nicht das letzte Wort: Biegsame Farbdisplays sind schon in Entwicklung…

Betrachtet man zudem, was sich bei Apple in Sachen iPhone und iPod Touch tut, sieht man, dass Spiele eine nicht zu vernachlässigende Kategorie sind. Es könnte also gut sein, dass konservative Leute lieber beim guten alten Buch und der Zeitung auf Papier bleiben, während die Geeks und Freaks möglichst vielseitige Minicomputer bevorzugen werden, die alles können: eBooks darstellen, im Web surfen, Videos und Podcasts abspielen und so weiter. Die Reader auf der Basis von E-Ink könnten da leicht auf der Strecke bleiben. Was denkt Ihr?