Suchmaschine

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Twitter hat eine neu gestaltete Website und präsentiert seine Suchfunktion jetzt auffällig prominent. Überhaupt hat die neue Startseite ein völlig anderes Gesicht als bisher und positioniert Twitter in einem neuen Licht. Sehr gut hat Ben Parr (Mashable) diese Akzentverschiebung herausgearbeitet. Aber ist Twitter damit schon eine Suchmaschine?

Gerne wäre man wohl die Suchmaschine für das Echtzeitinternet (Realtime Internet). Fakt ist aber, dass Twitter nicht allein auf dieser neuen Bühne spielt. FriendFeed, Facebook und andere Dienste gehören ebenfalls dazu. Welche Suchmaschine auch immer uns also zeigen will, was “right now anywhere in the world” so diskutiert wird, Twitter wird hierfür nicht die Alleinvertretung geltend machen können.

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Mit markigen Worten sollte man ja vorsichtig sein. Aber vermutlich laufen wir tatsächlich auf so etwas wie einen “Kampf der Kulturen” zu, bei dem die alten, analogen Medien mit allen nur denkbaren Mitteln um ihre Existenz kämpfen werden. Ihr Feind – oder besser: Ihr Feindbild – ist die neue, digitale Welt.

In dieser digitalen Welt passieren viele Dinge und bewegen sich Akteure, die von den Vertretern der alten Medien nicht verstanden werden. Da wären einmal die Blogger. Schon deren blosse Existenz mutet vielfach wie ein Rätsel an: Warum schreiben diese Leute wirres Zeug ohne Recherche, anstatt einfach eine gute Zeitung zu lesen? Woher nehmen sie die Berechtigung, jetzt zu jedem Thema mitdiskutieren zu wollen, wo sie doch “keine Relevanz” haben und die normalen Zeitungsleser und Fernsehzuschauer doch auch ihren Mund halten – außer sie werden gefragt?

Dann wären da die Suchmaschinen, allen voran Google. Würden diese ihre Daten wenigstens alphabetisch auflisten, könnte man sich mit ihnen vielleicht noch arrangieren. Aber der Einsatz von Algorithmen macht das Suchen und Gefunden werden in den Augen klassischer Medienleute unverständlich, undurchsichtig und damit zu einer Entwürdigung.

Zu wahrem Teufelszeug aber werden diese Suchmaschinen, weil sich mit ihnen scheinbar mühelos viel Geld verdienen lässt, während den guten, alten Printmedien allmählich das Wasser bis zum Hals steht: Print verliert stetig Leser und Anzeigen, während Google schlafwandelnd sicher durch die aktuelle Krise steuert und dabei ohne Atem zu holen immer weiter Innovationen einführt und neue Geschäftsfelder erschliesst.

Zum Überlaufen aber bringt das Fass die Tatsache, dass alle diese neuen Akteure des digitalen Zeitalterns sich kaum mehr um die alten Medien und ihre Eliten scharen. Wo man eigentlich Achtung, Ehre und Respekt erwarten würde, denn schließlich sind die traditionellen Medien ja die vierte Gewalt im Staat, herrschen stattdessen eher Desinteresse und Respektlosigkeit.

Die neue Welt begegnet der alten oft genug mit der Attitüde, dass deren Zeit abgelaufen sei. Ja, man mag es formulieren wie man will, hier prallen wirklich Welten aufeinander. Wo die Fronten verlaufen, zeigen der Artikel von Hubert Burda in der FAZ einerseits, sowie die sehr guten Antworten darauf von Anja Seeliger im Perlentaucher und Ulirke Langer auf medial digital. Mein Artikel auf Carta zielt auf die technische Ebene und endet mit einem Plädoyer an die Kraft der Innovation.

Was aber, wenn die alten Eliten nicht wollen? Dann wird es den zähen Kampf um Subventionen, Gesetze zum Leistungsschutzrecht (für Verlage) und die Kulturflatrate geben. Dieser Kampf könnte hart und unfair werden. Denn die alten Eliten wissen, dass sie auf Dauer nicht werden gewinnen können. Also werden sie das Internet diffamieren und versuchen auszubremsen, wo und solange es nur geht.

Das Problem dabei ist, dass es hier eine recht große Koalition analoger Alt-Eliten geben könnte. Denn der Medienwandel bedroht nicht nur Zeitungen und Zeitschriften, sondern pocht auch bei so manch anderer Branche an die Tür. Etwa im Bildungswesen, von den Schulen bis zu den Universitäten. Dazu kommen Industrie, öffentliche Verwaltung und Dienstleister, die bekanntlich mit dem Thema “Enterprise 2.0″ noch so ihre liebe Mühe haben.

Ein wichtiger Punkt ist die Erkenntnis, dass die Vertreter des analogen Denkens vieles im Internet nicht verstehen und auch nicht verstehen wollen. Eine sachliche Auseinandersetzung auf der Ebene dessen, was etwa eine Suchmaschine leistet und was nicht, ist damit nur schwer möglich. Es ist, als ob zwei Parteien aufeinander treffen, die nicht dieselbe Sprache sprechen.

Aber nicht alle Probleme mit dem Internet liegen auf der Verständnisebene. Der Bereich Enterprise 2.0 steuert die wichtige Erkenntnis bei, dass Social Software tendenziell flache Hierarchien und ein eher demokratisches Rollenverständnis mit sich bringt (Netzwerkeffekte, Vernetzung…). Das aber ist ein kultureller Bruch für viele Institutionen, die streng hierarchisch aufgebaut sind.

Andreas Göldi beleuchtet auf netzwertig.com, warum speziell für Manager der Umgang mit dem Wandel von der analogen zur digitalen Zeit so schwierig ist. Seiner Meinung nach sind Manager auch nur Menschen und neigen dazu, Entscheidungen von großer Tragweite auf die lange Bank zu schieben.

In dieser Erkenntnis liegt leider noch kein Lösungsweg. Wichtig wäre es jetzt, dass der Graben zwischen den beiden Welten nicht zu groß wird. Helfen können dabei Produkte bzw. Lösungen, die den Ein- und Umstieg ins digitale Zeitalter erleichtern. Mark Sigall hat in einem Blogpost bei O’Reilly darauf hingewiesen, dass ein Tablet-PC von Apple den Baby-Boomern in Amerika wesentlich mehr helfen würde als das iPhone. Das iPhone ist in seinen Augen ein Produkt für junge Leute mit guten Augen und flinken Fingern. Ältere Personen dagegen kämen mit einem größeren Gerät sicher besser zurecht und könnten so den Umstieg von der gedruckten Zeitung zu Onlinemedien schaffen.

In diesem Sinne sollte man vielleicht auch “Barcamps für Silversurfer” organisieren und die Senioren damit auf die Seite der Internetfreunde ziehen. Aber auch bei Jugendlichen gibt es Bildungslücken, wenn etwa viele gar nicht recht wissen, was Blogs sind. Da müssen schon wir vom Web 2.0 ran, denn die Medienleute und Noch-Zeitungsmacher haben gerade selber alle Hände voll zu tun…

Mittlerweile vergeht ja kaum mehr ein Tag, an dem Google nicht irgendetwas Neues einführt. Das Tempo bzw. die Schlagzahl, mit dem das gerade 10 Jahre alt gewordene Unternehmen aus Kalifornien inzwischen vorgeht, ist schon erstaunlich, ja fast beängstigend.

Für Aufmerksamkeit im großen Stil sorgte zuletzt Chrome, ein ganz neuer Browser. Weniger Beachtung fanden die Videofunktion in den Google Apps und die Neuerungen bei Picasa. Ganz aktuell ist eine Initiative, mit der Google die Archive von Zeitungsverlagen ins Netz bringen und für die Suche zugänglich machen will. Wohlgemerkt: Das sind nur die Neuigkeiten der letzten 10 Tage und ich behaupte nicht, dass meine kleine Liste vollständig ist.

Im Kern ist Google jedoch eine Suchmaschine mit “Werbeabteilung”. Warum also diese ständig wachsende Schaar zusätzlicher Produkte, von denen die meisten zudem völlig kostenlos angeboten werden?

Manche sehen darin einen (erbitterten) Wettbewerb mit Microsoft. Andere vermuten, dass all diese Produkte ein Ausfluss der Hausregel von Google seien, wonach jeder Mitarbeiter an vier Tagen in der Woche seine normale Arbeit erledigen und am fünften Tag eigenen Projektideen nachgehen dürfe.

In meinen Augen ist eine andere Erklärung viel plausibler: Google lebt von Werbung im Kontext seiner Suchmaschine. Das Lebenselixier für Google ist also das Internet an sich sowie dessen Umfang und Nutzungsintensität. Je stärker das Internet genutzt wird und je schneller es wächst, desto mehr werden auch die (komplementären) Kernprodukte von Google, Suche und Werbung, nachgefragt.

Betriebswirtschaftlich ausgedrückt unterstützt Google also das Wachstum seines Marktes. Solange das Unternehmen dabei seinen Marktanteil halten oder weiter ausbauen kann, ist das eigene Wachstum gesichert. Schauen wir in diesem Kontext auf den Aktienkurs von Google, so fällt auf, dass man dem Unternehmen seit 2008 die (unendliche) Wachstumsphantasie nicht mehr so recht glauben mag. Der Kurs hat jedenfalls einen Einbruch erlitten und tendiert seither seitwärts.

So gesehen mutet Google’s immer schneller wachsende Schaar von Diensten und Initiativen schon ein wenig verzweifelt an, wenn man sie im Licht des Aktienkurses sieht. Denn strategisch betrachtet kann das Unternehmen sonst kaum etwas machen, um das Werbevolumen im Internet insgesamt auf Wachstumskurs zu halten. Denn das ist schon ein ziemlich großes Rad, an dem es zu drehen gilt, selbst für Google.

Als Beleg für meine Vermutung werte ich die Meldung, dass Google aktuell ein Startup unterstützt, das mittels Satellitentechnik das Internet in den weniger entwickelten Ländern rasch voran bringen will. Nichts könnte Google wohl gelegener kommen als viele neue Internetuser in Afrika, Asien und auch Südamerika…

searchme logoErst also Searchme und jetzt Yahoo. Meine Erwartungen für 2008 haben also nicht getrogen. Suchmaschinen auf der Basis semantischer Software kommen auf den Markt. Allerdings unterscheiden sich die beiden Ansätze deutlich. Searchme hat sich vorgenommen, die Suchbegriffe nach ihrer semantischen Bedeutung korrekt erfassen zu können und eine zweistufige Ausgabe vorzunehmen: Erst die Kategorie, dann die dazu passenden Seiten. Yahoo geht einen anderen Weg und bindet Drittanbieter mit ihren Daten ein, so dass die Suchergebnisse verbessert bzw. präzisiert werden.

Yahoo! LogoKlar ist: Beides muss man erst einmal in der Praxis sehen und ausprobieren können. Searchme befindet sich allerdings noch in der Closed Beta und die “Open Search Platform” von Yahoo ist wohl noch gänzlich geschlossen. Wir müssen uns also noch etwas gedulden. Spektakulärer ist zweifellos der Ansatz von Searchme. Wenn dieses Konzept gute Suchergebnisse hergibt, könnte Google einen ernsthaften Wettbewerber bekommen.

blogato logoDie deutsche Blogsuchmaschine blogato hat einen Relaunch hingelegt und steht jetzt in verbesserter Form zur Verfügung. Erste Tests zeigen, dass nun wieder sehr aktuelle und brauchbare Ergebnisse angezeigt werden. Zu manchen Stichworten ist blogato sogar schneller als die Google Blogsuche: “Gründerboom” als Suchbegriff bringt bei blogato schon den aktuellen Artikel von deutsche-startups.de, während dieser bei Google noch fehlt.

Insgesamt zeigt sich blogato konzentrierter und übersichtlicher als etwa Google, weil erheblich weniger Ergebnisse aufgelistet werden. Sucht man etwa nach “blogoscoop”, stehen 13 blogato-Treffer gegenüber 49 bei Google. Und das zeigt die Unterschiede für den Gebrauch: Für ein möglichst vollständiges Bild bleibt Google unverzichtbar, für einen raschen Einblick ist blogato gut geeignet.

Allerdings finde ich auch Lücken: Mit dem Stichwort “Enterprise 2.0″ kann blogato nichts anfangen, während Google 1.511 Treffer anzeigt. blogato bleibt also noch ein “work in progress”. Dennoch haben wir es schon mal in blogoscoop verlinkt, wie der Screencast von Jan Tißler schön zeigt.

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