Studien oder Whitepapers gibt es bald wie Sand am Meer. Meistens liegen sie als Dateien auf unseren Rechnern herum, heruntergeladen im festen Willen, sie zu lesen. Dann aber fehlt uns die Zeit oder die Studie ist doch nicht so nützlich wie zuerst gedacht.
An der Nützlichkeit der neuen Studie von Centrestage (Esslingen) kann es keinen Zweifel geben. Denn sie schafft einen ersten Überblick über Enterprise 2.0 Fallbeispiele im deutschsprachigen Raum. Erfreulich ist zudem, dass die Autoren dieser Studie, Dr. Martina Göhring, Prof. Joachim Niemeier und Milos Vujnovic, den Begriff Enterprise 2.0 weit auslegen und damit nicht nur rein unternehmensinterne Anwendungen (des Wissensmanagements etwa) auflisten, sondern auch den Bereich Marketing und Vertrieb einschließen.
“Der Schwerpunkt für die Einführung von Enterprise 2.0 liegt klar bei der Entwicklung von neuen Fähigkeiten innerhalb des Unternehmens. Aber auch die Chancen, mit neuen Technologien die Markt- und Kundennähe zu verbessern, wird zunehmend erkannt.”
Für mich überraschend zeigt die Studie, dass freie Software (Open Source bzw. transformative Lösungen) das Feld praktisch beherrscht und die namhaften Plattformanbieter (Cisco, IBM, Microsoft, Oracle, SAP) bislang nur einen eher kleinen Marktanteil für sich gewinnen konnten.
Weniger überraschend ist hingegen die Erkenntnis, dass Unternehmen die Funktionalitäten von Social Software immer noch unterschätzen. So klar die Rolle der Software für das Management von Informationen (Daten) erkannt wird, so sehr missachtet man ihre Potenziale beim Kooperations- und Kollaborationsmanagement.
“Selbst Unternehmen, die bislang davon ausgegangen sind, dass ihre Mitarbeiter auf einem qualitativ hohen Niveau zusammen arbeiten, ist man erstaunt, wie sich Kollaboration und Kooperation beschleunigen können.”
Hinsichtlich der Zielsetzungen von Enterprise 2.0-Initiativen zeigt sich, dass mehr als zwei Drittel der Unternehmen eine Kostenreduktion erwarten und diese ganz überwiegend in der Verbesserung interner Prozesse sehen. Eine Kostenreduktion in der gesamten Prozesskette bis hin zu Kunden und Partnern (Lieferanten) sehen dagegen erst 21 %. Damit wird klar, dass Unternehmen, die Social Software praktisch einsetzen, noch vorsichtig und eher konservativ agieren.
Die Studie schließt mit der Muster-Architektur eines Enterprise 2.0-Projektes sowie einem kurzen “Fitness-Check”. Mit insgesamt nur 36 Seiten bleibt sie erfreulich knapp. Der einzige wesentliche Kritikpunkt aus meiner Sicht wäre der fehlende Beleg für die These, dass Enterprise 2.0 jetzt ein “positives Momentum” aufweise und damit “zunehmend reif für den Breitenmarkt” sei.
Als Berater für Social Media teile ich diese Ansicht natürlich voll und ganz. Den skeptischeren Lesern der Studie wäre an dieser Stelle vielleicht aber mit einer Visualisierung in Form einer Zeitachse geholfen, aus der sich die allmähliche Häufung von Fallbeispielen ablesen lassen würde. Der in der Studie gewählte Weg der Einordnung der Fälle in ein Adoption-Modell kann mich nicht ganz überzeugen. Denn die geringe Fallzahl (n = 72) legt ja nahe, dass der Themenkomplex Enterprise 2.0 gerade erst im Bereich der “Early Adopters” angekommen sein dürfte und wir von einer “Early Majority” noch weit entfernt sind.
Insgesamt ist die Studie eine empfehlenswerte Lektüre, die zudem durch eine klare und stringente Gliederung erleichtert wird. Weder muten uns die Autoren zu viel Grafiken oder Statistiken zu, noch langweilen sie mit überlangen Texten. Was will man mehr? Papierflieger faltet man da lieber aus anderen Papers…















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