Social Network

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Facebook kann nicht endlos wachsen. Zudem ist damit zu rechnen, dass das Social Network irgendwann an Popularität verlieren und damit für Marketing-Kampagnen weniger interessant sein wird. Die Frage ist nur: Wann tritt diese Trendwende ein?

Ein paar Blogartikel aus den letzten Tagen haben mich aufhorchen lassen und ich frage mich, ob diese Artikel vielleicht schon als “schwache Signale” in diese Richtung gedeutet werden können:

Inside Facebook und die Grenzen des Wachstums

Das Blog Inside Facebook veröffentlichte jüngst eine eigene statistische Auswertung, wonach in Ländern, in denen Facebook sehr früh populär wurde, eine Art Wachstumsgrenze dann einzutreten scheint, wenn etwa die Hälfte der Bevölkerung auf Facebook registriert ist. Ab diesem Punkt scheint das Interesse etwas abzunehmen, die User loggen sich weniger häufig ein und der Saldo von neuen und geschlossenen Accounts kann auch mal negativ werden. Bei Inside Facebook selbst will man diese Daten mit Vorsicht interpretiert wissen, da sie noch keinen längerfristig stabilen Trend darstellten. Dennoch können sie einen Hinweis auf die möglichen Grenzen des Wachstums bei Facebook sein.

Für das Marketing bzw. Social-Media-Planning gilt deshalb: Man darf sich nicht vom globalen Trend zu Facebook verleiten lassen, der weiterhin Wachstum und hohe Popularität signalisiert. Vielmehr muss darauf geschaut werden, wo Facebook im eigenen Land steht und welches Stadium im Produktlebenszyklus hier erreicht ist.

Jamais Cascio und die Frage der Langeweile

Dem Zukunftsforscher Jamais Cascio wurde die Frage gestellt, ob es etwas gibt, das Facebook zur Gefahr werden könnte. Hier seine Antwort:

Den Menschen könnte es auf Facebook langweilig werden, so dass sie einfach weiter ziehen. Nun ist diese Feststellung weder als klare Zukunftsprognose, noch als Interpretation von Statistiken zu sehen. Interessant finde ich aber, dass ihm gerade Anfang 2011 so eine Frage gestellt wurde.

Zuupy und der Ärger mit Facebook’s Schnittstellen

Das Startup Zuupy muss man nicht unbedingt kennen. Bemerkenswert ist aber, dass das junge Unternehmen kaum ein Jahr nach seiner Gründung davon abrückt, sich stärker mit Facebook zu verbinden. Als Grund dafür werden u. a. Probleme mit der Schnittstelle (API) angegeben, bei der es zu häufig Änderungen gebe, welche die externen Entwickler ständig zu ungeplanten Nachbesserungen zwinge. Zudem sei Facebook “overhyped”.

Das sind keine weltbewegenden Neuigkeiten, zumal Zuupy keine große Nummer ist. Aber es wirft ein interessantes Schlaglicht darauf, wie Facebook aktuell bei Entwicklern gesehen wird: Nämlich nicht mehr nur mit bedingungsloser Zustimmung, sondern deutlich nüchterner abwägend, und in Frage stellend, ob eine enge Koppelung des eigenen Geschäftsmodells an Facebook als Plattform nicht vielleicht eine sehr riskante Strategie sein könnte.

Fazit

Facebook ist noch lange nicht in Gefahr. Zudem scheint in Deutschland der Wachstumstrend nach wie vor intakt zu sein. Erste schwache Signale deuten jedoch darauf hin, dass Facebook insgesamt auch stagnieren und in der Gunst der User sowie der Entwickler an Attraktivität verlieren kann. Das Social Network könnte irgendwann sogar als langweilig eingestuft werden.

Am Ende hat uns Mark Zuckerberg mit Facebook eben keine Wundertüte, sondern ein ganz normales Produkt beschert, das, wie alles andere auch, einem normalen Produktlebenszyklus unterliegt…

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Praktisch zur gleichen Zeit befassten sich Marcel Weiß und ich mit der Thematik “Facebook” im Kontext des Medienwandels. Seinen lesenswerten Artikel findet man auf netzwertig.com, meinen auf Carta.

Facebook ist schon ein Phänomen: Fehltritte wie vor kurzem bei den AGB’s (siehe dazu Nico Lumma und auch Leander Wattig) werden rasch wieder ausgebügelt und schaden dem enormen Wachstum nicht.

Ob wir von Facebook in diesem Jahr schon das Konzept zu einem tragfähigen Geschäftsmodell sehen werden? Bei Twitter hat man es (wiederholt) für 2009 angekündigt, Mark Zuckerberg aber hüllt sich in Schweigen und wartet ab…

Facebook LogoDa kommt also Facebook mit seiner deutschen Sprachfassung hier an und in der Blogosphäre hat sich der Wind ganz schön gedreht: War man sich vor einigen Monaten noch ziemlich einig, dass dieses Social Network seine lokalen Konkurrenten, allen voran studiVZ, nur so wegpusten würde, bläst nun Facebook selbst ein strenger Wind ins Gesicht.

Robert Basic analysiert die Nutzerzahlen und kommt zum Ergebnis, dass der deutsche Markt stark zersplittert sei. Somit hätten die Networks deutscher Machart eine realistische Chance, im Wettbewerb mit den “dominierenden US-Plattformen” bestehen zu können. Kurz- bis mittelfristig gesehen ist das sicher richtig. Langfristig sieht er etwas völlig Neues kommen, das die Social Networks ablösen könnte: Das Revival der Homepage sowie Networking als Commodity. Das wäre dann vielleicht so etwas wie eine “frei schwimmende Profilseite”, mit der Traffic teilweise zu mir selbst kommt oder ich damit aber auch irgendwohin gehen und zeitweilig andocken kann.

Vor dem Hintergrund eines solchen Szenarios sieht selbst der junge Mark Zuckerberg recht alt aus. Aber muss er sich deswegen Sorgen machen?

Sorgen sollte er sich um sein aktuelles Geschäft machen. Denn die fallenden bzw. stagnierenden Nutzerzahlen zeigen, dass die User der unnötig vielen Spielereien auf Facebook überdrüssig werden. Und das ist kein gutes Zeichen. Meines Erachtens hat man versäumt, ernsthafte (nützliche) Anwendungen zu entwickeln und etwa Facebook an die Spitze von Enterprise 2.0 zu setzen. Die Plattform ist ja da, es fehlen aber taugliche Applikationen für das Projektmanagement oder intelligente Wiki-Module für das Wissensmanagement. Facebook hätte die Intranet-Anwendung kleinerer Unternehmen werden können. Aber diese Möglichkeiten hatte man offensichtlich nicht im Blick.

Peter Thiel dachte wohl nur ans (schnelle) Geld und Mark Zuckerberg fehlt eben doch so etwas wie Berufserfahrung. Als schweren Fehler könnte sich auch noch herausstellen, dass man etwa den deutschen Markt ganz aus dem sonnigen Kalifornien steuern möchte. Ohne eigene Niederlassung aber, so denke ich, wird Facebook hier nicht richtig ankommen.

Facebook bräuchte wenigstens ein kleines Team hier vor Ort, das die einschlägigen Web 2.0 Veranstaltungen besucht, Kontakte zu Hochschulen und Unternehmen knüpft und nebenbei vielleicht noch den Politikern in Berlin erklärt, was Social Networks eigentlich sind. Und so könnte Andreas Göldi, der notorische Facebook-Pessimist, am Ende doch noch mit seiner Skepsis Recht behalten. Ich gebe aber die Hoffnung noch nicht ganz auf. Denn Mark Zuckerberg und seine Mannschaft mögen noch sehr jung sein. Dafür sind sie aber auch lernfähig, flexibel und durchaus noch für eine Überraschung gut.

Wiki World FlickrWer bwl zwei null schon länger liest, wird festgestellt haben, dass ich mir viel Gedanken um Blogs (Corporate Blogs) und Social Networks mache, aber relativ wenig über Wikis schreibe. Das hat seinen Grund. So faszinierend Wikis im Web 2.0 sind und so sehr sie unseren Gebrauch des Internets beeinflusst haben (die Wikipedia etwa), so skeptisch bin ich nach wie vor was deren Einsatz in Unternehmen betrifft.

Meine Beobachtung ist, dass heute viele Unternehmen (die meisten?) mit Content Management Systemen arbeiten. Nun werden natürlich die Wiki-Experten aufheulen und anführen, dass Wikis weitaus mehr sind und können, als ein simples CMS. Und ich bin sofort bereit das zu glauben. Der Punkt ist nur: Die Betonung liegt auf dem “mehr”.

Ein Unternehmen, das bereits erfolgreich mit einem CMS arbeitet, wird den Sprung zum Wiki vielleicht als nicht so dringend und revolutionär erachten, als manche Enthusiasten des Web 2.0 sich das erhoffen. In diese Kerbe schlägt aktuell Ted Tjaden (slaw.ca), der keinen rechten Grund für Anwaltskanzleien erkennen kann, von ihrem CMS auf Wikis umzusteigen. James Dellow (ChiefTech) greift die Argumentation auf, ohne weiter überzeugende Belege zugunsten der Wikis finden zu können, wie er selbst einräumt.

Weiter führt uns vielleicht eine Unterscheidung, die Michael Idinopulos (Transparent Office) trifft: Er trennt zwischen dem eigentlichen Work Flow (in-the-flow) und reinen Wissenssammlungen (above-the-flow) und plädiert dafür, Wikis nicht above-the-flow zu nutzen, sondern in-the-flow. Da aber konkurrieren sie mit Projekt-Blogs und stärker noch mit dem Umstand, dass vielen Unternehmen der Einsatz von Social Software für die Arbeit im Team noch reichlich fremd und ungewohnt ist.

Und so denke ich, dass Blogs im internen Einsatz in Unternehmen durchaus ihren Platz finden werden. Wikis dagegen werden es schwer haben. Denn sie konkurrieren vielfach eben doch mit dem (schon vorhandenen) CMS. Ob die Hersteller von CMS den Wikis kampflos das Feld überlassen werden? Wohl kaum. Sie werden ihre Systeme “leichter” machen und Funktionalitäten des Web 2.0 integrieren. Am Ende stehen wir dann da, wo Ray Sims (Sims Learning Connections) es schon im Herbst 2007 vorausgesehen hat: “…the word wiki fades away…”.

Abbildung: wiki world (draft) by kaurjmeb auf Flickr

MyAlikes LogoNoch ein Social Network? Reichen uns nicht schon Facebook, StudiVZ und Konsorten? Zudem sind die Nischen auch schon sehr gut besetzt, man beachte da etwa Ning oder Noserub, wo man sich sein persönliches Network bauen kann. Ich war also schon skeptisch, als mich Manuel Gruber einlud, mal einen Blick auf MyAlikes zu werfen.

Seit ein paar Tagen läuft hier die Preview-Phase, zu der natürlich Freunde und Bekannte eingeladen werden, dazu handverlesenes Publikum. Wer neugierig ist, kann sich auf der Startseite melden. Aktuelles dazu im Blog von MyAlikes.

Was ist das Besondere?

Bei MyAlikes liegt der Fokus auf der Kommunikation, Selbstdarstellung sollen die User ruhig anderswo betreiben. Und damit man gut ins Gespräch kommt, darf man zunächst seine Interessen im sog. LifeScreen definieren. In der Folge wird dann beim Betrachten anderer Userprofile ein sog. Matching angezeigt, das mir auf einen Blick zeigt, ob es da gemeinsame Interessen gibt oder nicht. Das funktioniert wirklich verblüffend und ermöglicht einen völlig anderen Zugang zu anderen Usern als etwa auf Facebook. Hinter dieser Funktion steckt Potenzial, auch wenn sich das hier schlecht in Worten ausdrücken lässt.

Leider sind noch etliche wichtige Features nicht installiert und das System läuft so holprig wie es eine Alphaphase nur sein kann. Das Design ist frisch und modern, stellenweise aber etwas übertrieben. Auch die Usability leidet noch, den vieles ist zwar da, aber man findet es (noch) nicht…

Vielversprechend und innovativ sind die Ideen zur Vermarktung. Nicht die Werbung steht im Vordergrund, sondern Partnerfirmen, die Diskussionen und Chats zu ihren Produkten auf MyAlikes stattfinden lassen können. Denn wer hat schon ein eigenes Forum im Netz und kann dies dauernd “unter Dampf” halten?

So könnte etwa ein Buchverlag eine Neuerscheinung auf MyAlikes zur Diskussion stellen und etwa den Autor für einen Abend als Moderator engagieren. Alle User auf der Plattform, die in ihrem LifeScreen das Interesse an Büchern stehen haben, werden dann darauf aufmerksam gemacht, dass da eine Diskussion läuft. In diesem Sinne muss nicht mehr ich danach schauen, wo und ob gerade was los ist, sondern der Dialog kommt zu mir.

Fazit: Leicht wird es sicher nicht, gegen die schon etablierte Konkurrenz anzutreten. Aber in MyAlikes stecken ein paar sehr gute Ideen mit Potenzial. Entscheidend dürfte sein, mit dem Start der Betaphase schon die eine oder andere interessante Partnerfirma zu präsentieren. Dann hätte MyAlikes vom Fleck weg etwas, wonach andere mühsam suchen: Ein tragfähiges Geschäftsmodell – made in Germany.

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