Die Wikipedia ist ein Meilenstein in der Entwicklung des Internets und eine kulturelle Leistung, auf die wir als Menschheit stolz sein können. Dass dieses frei zugängliche Wissen mit Traditionen bricht und sogar Geschäftsmodelle ins Wanken bringt, ist dabei unvermeidlich. Aber die Wikipedia selbst ist nicht unverwundbar. Sie hat Schwächen in ihrem System und Wettbewerber. Bei uns in Deutschland weniger bekannt sind etwa Citizendium, Squidoo oder HubPages. Am Rand werden die Grenzen ziemlich fließend und gehen in Suchmaschinen wie Mahalo oder Yahoo Answers über.
Nun hat auch Google angekündigt, eine eigene Wissensbasis aufzubauen und darin, im Gegensatz zur Wikipedia, die Autoren beim Namen zu nennen (und sogar abzubilden). Der wenig elegante Markenname “Knol” leitet sich vom Wort “Knowledge” ab, sein Dienst ist noch nicht öffentlich zugänglich.
Wie es der Zufall will, kündigt der Spiegel nur wenige Tage später an, “alle relevanten Informationen auf einen Klick” bieten zu wollen, indem man mit Bertelsmann zusammen ein Wissensportal eröffnet, in das die Inhalte der Spiegelhefte, des Bertelsmann Lexikons sowie Artikel der Wikipedia zusammengeführt werden.
Wo spielt also künftig die Musik?
- Die Wikipedia wird weiter den Ton angeben. Das Lexikon ist bereits so groß und reaktionsschnell, dass ihm allenfalls finanzielle Engpässe gefährlich werden können. Die Ablehnung der Wikipedia in Fachkreisen (”nicht zitierfähig”) tut der Sache keinen Abbruch, weil breite Bevölkerungsschichten sich mit der Leistung der Wikipedia offenbar sehr gut bedient fühlen. Gesichertes Fachwissen gibt es in anderen Wikis, etwa hier (IAM-Wiki).
- Über Google’s Knol lässt sich noch wenig sagen. Den Ansatz über die Nennung von Autoren in Kombination mit Werbung halte ich für zum Scheitern verurteilt. Denn so lassen sich leicht gute Artikel für potentiell trafficstarke Artikel finden (”Schnupfen”), nicht aber für politisch schwierige Themen (”Auschwitz”). Zudem scheint mir ungeklärt zu sein, ob eine beliebige Privatperson etwa über den Kölner Dom schreiben dürfte (und an der Werbung verdienen), während die Kirche nach Geldern zum Erhalt des Bauwerks sucht (moralische Konflikte)?
- Der Ansatz von Spiegel Wissen weist in die richtige Richtung. In Zeiten von immer mehr frei verfügbarem Wissen ist die Aggregation ein wichtiges Thema. Allerdings könnten die beteiligten Partner übersehen, dass künftig der maßgebliche Faktor nicht die Inhalte, sondern die Suchmaschinentechnologie und semantische Software sein werden (Trend von der “Suchmaschine” zur “Antwortmaschine”).
- Schon in naher Zukunft wird fast jede Form von Wissen im Netz frei verfügbar sein. Der traditionelle Markt für das Sammeln, Aufbereiten und Publizieren von Wissen dürfte nach und nach verschwinden. Die “Wissensindustrie” folgt damit der Musikindustrie. Diese hat ihre Inhalte lange zu schützen versucht, nur um dann doch der Entwicklung (ratlos) hinterher zu laufen. Gestützt wird dieser Trend von der aktuell ablaufenden Entwicklung zum “semantischen Web”, das im nächsten Jahrzehnt das Bild prägen dürfte.
- Darauf folgt sehr wahrscheinlich das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz (AI) und Singularität. Aussagen zum zeitlichen Horizont mache ich an dieser Stelle lieber nicht: Es könnte schnell gehen (2020?), oder noch lange dauern (2050?).
Das Foto oben links zeigt eine “Leiter des Wissens“. Auf Flickr lassen sich übrigens sehr schöne Bilder finden, auch wenn man die Suche auf freie Werke (Creative Commons) einschränkt. Die Bildersuche auf Google ist damit praktisch obsolet geworden.













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