Semantische Software

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Ein neuer Anlauf beim eyePlorer: Das Startup aus Berlin hat sich meine Kritik hier im Blog zu Herzen genommen und ein neues Video produziert, mit dem jetzt sehr anschaulich dargestellt wird, was der eyePlorer leisten kann:

eingebunden mit Embedded Video

Wer also hier seine Suchbegriffe eingibt, erhält “Eyespots” als erstes Ergebnis. Das sind assoziative Begriffe und nicht Links zu anderen Webseiten (wie bei Google). Mit jedem der angezeigten Begriffe ist direkt eine (kurze) Erklärung verbunden, sowie die Möglichkeit, über einen Link zu weiteren Informationen zu gelangen.

Das Marketing für den eyePlorer ist mit diesem neuen Video wirklich gut geworden. Was aber ist vom Produkt selbst zu halten? Welche Erwartungen erfüllt der eyePlorer?

Spontan fallen mir Kinder und Jugendliche als Zielgruppe ein. Denn sie sind mit den typischen Suchergebnissen bei Google meist überfordert und können beim eyePlorer gezielt Wissen erwerben. Zudem werden sie hier nicht durch dreiste SEO oder gar pornografische Links abgelenkt.

Bei den Erwachsenen dürften sich aber die Geister scheiden: Wer gerne mit Mindmaps, Assoziationsketten und visualisierten Ergebnissen arbeiten, könnte hier heimisch werden. Wer aber wie ich schon zu lange von den klassischen Formen der Wissensdarstellung “verbildet” wurde, steht etwas ratlos vor den (vielen) Eyespots.

Etwa beim Suchbegriff “Romantik”, wo einige der Eyespots zu interessanten Aussagen führen (etwa Leidenschaft, Teufelspakt, Etymologie), während andere eher unverbunden oder gar nichtssagend im Kontext stehen (etwa Latein, Wohlstand oder Ständeordnung).

Wer es nicht mit der Romantik hat, findet zu David Weinberger drei Eyespots die alle zur gleichen Aussage führen (die immerhin seine Person treffend beschreiben), während man zu Clay Shirky (noch) nicht fündig wird. Zudem greift der eyePlorer auffallend häufig auf die Wikipedia als Quelle zurück.

Das sollte noch anders werden, denn sonst kann man gleich selbst dort nachsehen. Zudem vermisse ich eine stärker hierarchisch aufgebaute Struktur des Wissens: Klickt man nämlich von den Eyespots über die kurzen Erläuterungen weiter, landet man gleich bei der Quelle, die meist ein längerer Artikel in der Wikipedia ist. Ein Zwischenschritt über Passagen, die nicht gleich ganze Artikel sind, wäre gut.

Schließlich vermisse ich eine bessere Orientierung für vorgebildete Nutzer: Wer Mozart und seine Musik schon kennt, kann mit den Eyespots nicht sehr viel anfangen, man befindet sich zu schnell auf einer eher verwirrenden Detailebene. Es fehlen lenkende Kategorien wie etwa Lebensgeschichte, Zeitgeist, aktuelle Werkrezeption, Tourismus…

Mein Fazit: Der eyePlorer ist eine erstaunliche Leistung, die uns einen interessanten Weg für den Umgang mit Wissen in der Zukunft zeigt. Noch aber bleibt dem Team um Ralf von Grafenstein und Martin Hirsch viel zu tun. Wer sich selbst ein Bild machen will, kann dies aktuell auch auf der CeBIT tun (via Twitter).

Man betrachte mal dieses Video und überlege sich, was hier beworben oder visualisiert wird:

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Alles klar? Oder eher nicht? Hier stellt ein deutsches Startup aus Berlin seinen Ansatz für eine neuartige Suchmaschinentechnologie vor. Es handelt sich um die vionto GmbH, ihr Produkt nennt sich eyePlorer.

Was immer der eyePlorer heute schon kann oder künftig können wird: Mit diesem Video als Teaser wird man niemanden hinter dem Ofen hervorlocken können. Er ist viel zu kurz und praktisch unverständlich: 12 Sekunden Dauer und das ohne Ton. Ein Screencast wäre hier besser gewesen (und sicher nicht teurer).

Da passt es dann auch ins Bild, dass das Startup natürlich kein Corporate Blog führt und auch sonst um die Möglichkeiten des Web 2.0 einen weiten Bogen macht. Ist das typisch deutsch?

Vionto bewegt sich im Bereich von semantischer Software und damit dem Web der dritten Generation (Hochtechnologie), macht aber in Bezug auf Social Software und das Social Web einen doch eher unbeholfenen Eindruck.

Immerhin hat ja die FAZ ausführlich berichtet und es ihrerseits nicht geschafft, den eyePlorer zu verlinken (der Name des Startups wird gleich gar nicht erwähnt). Medial kongenial, aber leider nicht auf der Höhe der Zeit.

Als Quantensprung bezeichnen Dr. Klaus Holthausen und Roy Uhlmann  (Qimaya) im Interview mit Steffen Büffel den von ihnen entwickelten Ansatz in Sachen Semantisches Web. Anders als andere Forscher oder Unternehmen setzt das Team von Qimaya nicht auf Ontologien oder Thesauri, sondern auf ein selbstlernendes System.

Der springende Punkt: Ontologien sind statisch und müssen deshalb bei Veränderungen aktualisiert werden. Demgegenüber soll das selbstlernende System von Qimaya dynamisch sein und sich selbst an Veränderungen anpassen können.

Noch gibt es von Qimaya kein frei zugängliches Produkt, man will aber noch im Laufe diesen Jahres mit einer Suchmaschine online gehen. Muss sich Google deshalb Sorgen machen? Nicht unbedingt. Aktuell kursieren gerade wieder Spekulationen darüber, ob Google selbst bereits semantische Software einsetzt, wenn etwa Sucheingaben, die als konkrete Fragen formuliert sind, direkt beantwortet werden.

Spannend bleibt das Thema auf alle Fälle. Das Interview mit Qimaya wurde am Rande der 1. Dresden Open Space geführt. Auf der CeBIT 2009 veranstaltet die T-Systems ihren nächsten Open Space.

Dave Winer lehnt sich weit aus dem Fenster: Mitten in die Wirtschaftskrise hinein verkündet er das Ende der Online-Werbung: Diese habe bekanntlich noch nie richtig funktioniert, keiner brauche sie und deshalb käme jetzt ihr logisches Ende.

Mich hat es etwas erstaunt, aus einer so prominenten Quelle eine solche Aussage mitgeteilt zu bekommen. Und ich wage es, dagegen zu halten. Hier täuscht er sich gründlich, die Werbung in digitaler Form läuft sich gerade erst warm!

Allerdings gebe ich Dave Winer recht, wenn er bemerkt, dass die derzeit üblichen Werbebanner auf Webseiten keine Zukunft haben. Diese sind tatsächlich nicht viel mehr als eine Verlegenheitslösung einer Branche, die jahrzehntelang in den Kategorien von Printmedien denken konnte und sich erst noch so richtig auf das Internet einstellen muss.

Zudem fehlt es vielleicht noch an der einen oder anderen Stelle, was die technische Unterstützung betrifft. Denken wir etwa an Xing, wo es noch vor Monaten passieren konnte, dass einem Mitarbeiter der Dresdner Bank neben sein Profil eine Anzeige der Deutschen Bank gestellt wurde. Oder an Facebook, wo dem als liiert registrierten User ungeniert Werbung von Datingportalen gezeigt wurden.

Wie aber wird Werbung im Internet künftig aussehen?

Ich denke, dass die meisten Webseiten künftig auf den ersten Blick völlig werbefrei sein werden und neben ihrem eigentlichen Content reichlich freie Flächen (ähnlich wie dieses Blog) aufweisen werden. Auf diesen freien Flächen kann dann Werbung eingeblendet werden, aber eben nicht permanent (wie heute der Fall). Hält sich ein Besucher auf einer Seite länger auf, wird irgendwo auf der freien Fläche eine kleines Feld sichtbar werden, das allein schon deshalb auffallen wird, weil vorher an dieser Stelle gar nichts sichtbar war. Dieses Werbefeld wird in Abhängigkeit verschiedener Parameter individuell zugeschnitten sein:

  1. Kontext, also möglichst passend zum gerade sichtbaren Inhalt der Webseite;
  2. Tageszeit, sofern das Sinn macht (im Automobilbereich vielleicht nicht, für Kinobesuche dagegen schon);
  3. Leser, abhängig von der IP-Adresse oder einer Registrierung auf der gerade besuchten Webseite;
  4. Endgerät: normaler Rechner, Smartphone, Navigationsgerät (im Auto)…
  5. Datenverbindung: Breitband oder Mobilnetz;

Zudem wird die einzelne Werbeanzeige eine recht flexible Angelegenheit hinsichtlich ihrer Größe und ihres Inhalts. Denkbar ist, dass zunächst nur ein kleiner Teaser sichtbar wird, der wieder verschwindet, sofern der User ihn nicht mit der Maus (oder dem Finger bei Touchscreen-Bildschirmen) berührt.

Berührt man aber das Werbefeld, vergrößert sich die Anzeige auf ein Mehrfaches ihrer ursprünglichen Fläche und bietet dann eine Auswahl von Links: Etwa zu einen kurzen Video mit weiteren Infos zum Produkt, oder zu den Meinungen von anderen Käufern und schließlich auch den Link zu einer Hotline (etwa via Videotelefonie), wo man persönlich mehr erfahren und gleich bestellen kann.

Die Werbeanzeige der Zukunft wird praktisch immer diese drei Elemente umfassen:

  1. Links für mehr Informationen zum Produkt (hierarchisches Informationsangebot)
  2. Links zu den Aussagen Dritter (Mouth-to-Mouth, Word of mouth, Diskussionen auf Blogs und in Foren…)
  3. Handlungsmöglichkeit für den User (Kauf, Reservierung, Wunschliste…).

Willi Schroll (future facts blog) macht bei seinen Überlegungen zu Google deutlich, dass künftig Werbung und Business Enabling eine eher unscharfe Grenze haben werden: Bietet etwa Google auf eine Suche hin eine passende Einkaufsstätte (als Suchergebnis) an und der User kauft dort tatsächlich ein, könnte eine Provision vom Händler an Google fliessen.

Eine weitere Form der Werbung muss erst noch erfunden werden: Anzeigen, die sich an eine gerade interagierende Gruppe von Personen richtet. Die (technische) Entwicklung von Social Networks geht ja immer weiter in Richtung einer Kommunikation in Echtzeit. Auf Facebook und FriendFeed sind heute schon Chats möglich und Videokonferenzen vermutlich nur noch eine Frage der Zeit. Unterhält sich also eine Gruppe von Personen auf einem Netzwerk, müsste im Prinzip allen Beteiligten dezent die gleiche Werbung eingeblendet werden, damit diese vielleicht sogar zum Gesprächsgegenstand wird.

Diese Funktion so zu implementieren, dass sie nicht aufdringlich wirkt sondern eher als Bereicherung gesehen wird, dürfte eine recht große Herausforderung sein. Unmöglich aber ist sie nicht: Denn wenn sich etwa eine Gruppe von Studenten nachmittags fachlich austauscht, warum sollte ihnen dann nicht eine Studentenkneipe vorschlagen können, die Unterhaltung abends bei einem Glas Bier (oder mehreren) fortzusetzen? Und falls bei dieser Gelegenheit noch die Möglichkeit besteht, einen Billiardtisch für eine bestimmte Uhrzeit (in dieser Kneipe) zu reservieren, hätte eventuell Google auch noch nach dem Prinzip des Business Enabling mitverdient.

Insgesamt sehe ich die Werbung also keineswegs auf dem roten Pfad der “Death Spiral”, wie in der oben eingefügten Grafik aus der Präsentation von Sequoia. Vielmehr dürfte die grüne Linie die Entwicklung besser abbilden. Die aktuelle Krise mag einen Einbruch mit sich bringen, ab da aber wird es stetig wieder aufwärts gehen. Und Dave Winer dürfte mit seiner Behauptung, die Werbung sei am Ende der Finanzkrise “completely forgotten”, ziemlich allein dastehen…

So macht man es besser nicht: Das Startup von Nova Spivack, das mit seiner semantischen Software die Welt verbessern und das Web 3.0 einleiten will, hat einen doppelten Fehlstart hingelegt.

Um Buzz zu erzeugen, hat man ein virales Video in Umlauf gebracht, das angeblich nur zum internen Gebrauch bestimmt war. Warum aber landet so etwas dann auf YouTube und kurze Zeit später im Blog von Michael Arrington (TechCrunch)?

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Der Humor des Videos ist offenbar grenzwertig, wie die Kommentare auf TechCrunch zeigen. Auch ich finde das nicht wirklich lustig. Doch damit nicht genug: Etliche Personen, die den Start von Twine genutzt haben, um sich auf der Plattform umzusehen, konnten damit nicht viel anfangen. Es herrscht offenbar eine gewisse Ratlosigkeit darüber, was Twine denn nun sein soll. Das wiederum finde ich sehr lustig, denn ich bin als Beta-Tester schon an länger an Bord und war anfangs genau so irritiert wie jetzt das breite Publikum. Vielleicht hilft ja ein Blick in das offizielle Video?

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Twine ist also eine weitere Variante zum Thema “Sharing” und “Bookmarking”. Die hohen Erwartungen, die man wegen der semantischen Software hat, werden aber nicht auf Anhieb erfüllt: Dazu muss man Twine erst einmal über längere Zeit nutzen und mit Content anreichern. Erst dann kann die Semantik ihr Können demonstrieren und interessante Bezüge herstellen.

Das genau ist aber der kritische Punkt: Auf Anhieb ist Twine nicht besser als eine Suche bei Google und das könnte noch zum Problem werden.

Andererseits ist die Intention von Nova Spivack klar und nachvollziehbar: Dienste wie Delicious oder Diigo, die ohne semantische Software arbeiten, können allein über die Tags nicht in jedem Fall ähnlich guten Content anzeigen. Denn nicht jeder verwendet ein Stichwort beim Taggen in exakt der gleichen Intention. Dazu muss erst eine semantische Software die Inhalte scannen und anhand des Grades an Übereinstimmung der verwendeten Begriffe entscheiden, ob die Texte zueinander passen. Wie Twine das allerdings bei Fotos oder Videos machen will, ist mir nicht klar.

Klar ist jedenfalls, dass selbst die beste semantische Software nichts nützt, wenn sie auf einer mehr oder weniger leeren Datenbank sitzt. Entweder schafft es also Twine, jetzt rasch viele aktive User zu gewinnen, oder die Sache geht in die Hosen. Das “We Organize That Shit” – Video war dazu schon mal nicht sehr hilfreich.

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