Robert Scoble

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Das Gebäude 43 auf dem Firmengelände von Google (”Googleplex”, Mountain View, California) hat einen besonderen Ruf. Einmal, weil darin am Pagerank gearbeitet wird und zum Anderen haben dort auch die Firmengründer ihre Büros.

Robert Scoble jedenfalls scheint von diesem Gebäude so fasziniert und inspiriert zu sein, so dass er seiner neuesten Idee exakt den Namen Building 43 gab. Eigentlich macht er damit das, was er schon immer gemacht hat (seit ich ihn kenne): Er geht in Unternehmen und macht Video-Interviews. Neu daran ist jetzt, dass er nicht mehr den neuesten Trends auf der Spur sein möchte, sondern “normalen” Unternehmen den praktischen Nutzen von Social Software vermitteln will.

Bei TechCrunch ist man skeptisch: Zwar gebe es genügend Unternehmen, die mit ihren Webseiten noch tief in den 90er Jahren steckten, aber vermutlich weder Robert Scoble noch Building 43 kennen würden. Wie will er sie über das Internet erreichen?

Ich bin mal sehr gespannt. Denn die Antwort auf obige Frage müsste eigentlich lauten: Überhaupt nicht. Eine Vielzahl von Unternehmen (wenn nicht sogar die Mehrheit) hat mit dem Internet noch immer nicht viel am Hut. Daran ist keine spezielle Aversion schuld, sondern meist nur die Tatsache, dass eingeschliffene Prozesse und tradierte Gewohnheiten nicht hinterfragt werden.

Zudem haben viele Menschen in den 90er Jahren, als das Internet aufkam, davon einen bestimmten Eindruck bekommen, den sie bis heute unverändert mit sich herumtragen. Das ist das eigentlich Interessante: Während Einige für den Wandel im Internet sehr sensibel und empfänglich sind, können Andere darin keine nennenswerte Entwicklung feststellen. Dabei ist das noch nicht einmal unbedingt eine Frage des Alters!

Ich werde jedenfalls das neue Projekt von Robert Scoble mitverfolgen. Im Frühjahr diesen Jahres war ich in Gespräche involviert, in denen es darum ging, etwas Ähnliches in Deutschland aufzuziehen (ohne dass wir von Building 43 gewusst hätten).

Das Projekt kam nicht zustande, u. a. weil es eben Zweifel gab, ob sich dafür auch das entsprechende Publikum würde mobilisieren lassen. Nun schauen wir mal, wie das bei Robert Scoble so läuft…

Wenn Robert Scoble von einer Sache ganz begeistert ist, sollte man ja lieber etwas vorsichtig sein. In diesem Fall ist es Palm (ja, die Firma gibt es noch!) und deren neues Smartphone Pre, das in den USA mit Sprint als Carrier auf den Markt gebracht wird.

Eine Überraschung ist Palm mit dem Pre sicher gelungen. Ob das Gerät aber gegenüber dem iPhone wirklich überzeugen kann, wird sich erst noch zeigen müssen. Aktuell sind noch zu wenig Details bekannt und erst recht keine Preise. Gute Berichte haben die New York Times und All Things Digital (Peter Kafka).

Interessante Fakten zum Pre: Das Smartphone kommt mit einem neuen Betriebssystem (warum wollte man nicht auf Google Android zurückgreifen?). Zudem konnte Palm für die Entwicklung des Pre offenbar ein paar Leute von Apple abwerben, die am iPhone bzw. iPod gearbeitet haben. Dieses Detail zeigt einmal mehr, dass derzeit Apple den Maßstab setzt – und nicht etwa Nokia.

In Sachen Videoscreens aber setzen weder Palm noch Apple die Maßstäbe, sondern Robert Scoble – dieses Ungetüm habe ich hier nur spasseshalber drin, weil er als Einziger ein paar (wacklige) Bilder des Pre zeigen kann….

Gary Vaynerchuk ist in den USA ziemlich bekannt geworden mit seinem Wein-Videoblog. Aktuell äußert er sich zu den Perspektiven der Werbung in schwierigen Zeiten auf seine ganz eigene Art. Wirklich sehenswert:

Ein interessantes Detail dabei: Das Video wird live aufgenommen und die Zuschauer (früher hätte man gesagt: Blogleser!) können via Chat direkt reagieren. Der Kameraschwenk während der Aufnahme zeigt es ganz offen.

Wer das Ganze etwas gesetzter und sauber ausformuliert haben möchte, kann es hier nachlesen (Pete Caputa auf dem HubSpot Blog). Beide Quellen übrigens via Robert Scoble auf FriendFeed.

Die Situation bei uns im Land bringt Christian Fachat in einem Tweet auf den Nenner: Realitätsfremd. Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

Oder doch: Warum betone ich in zwei aufeinander folgenden Artikeln den Bereich Video?

Ganz einfach, weil ich hier einen klaren Trend sehe. In Ländern wie Frankreich oder den USA, wo es bereits sehr viele Blogs gibt und diese auch von einer breiten Leserschicht getragen werden, zündet jetzt die nächste Stufe. Die Vorreiter bzw. kommerziell orientierte Blogs begnügen sich nicht mehr nur mit Text, sondern werden multimedialer und spontaner.

Klar ist auch, dass dieser Trend auf längere Sicht in die Unternehmen hinein wirken und den Bereich “Enterprise 2.0″ erfassen wird: Werksfernsehen ist dann nicht mehr nur eine Sache für große Konzerne wie Daimler, sondern für jeden Mittelständler interessant. Entscheidend wird aber sein, dass man dafür die erforderliche Infrastruktur hat: Nur wer intern Blogs zulässt, mit Wikis arbeitet und ein von den Mitarbeitern aktiv mitgestaltetes Intranet vorweisen kann, verfügt über die nötige Basis, über die Videos gezeigt, verlinkt und kommentiert werden können.

Was so eine Kredit-, Banken- und Politik-Krise doch bewirken kann! Da wäre etwa Sonnyboy Robert Scoble, der sich bitter darüber beklagt, dass er auf FriendFeed zur aktuellen Lage nur dummes Geschwätz findet und nicht etwa gute Erklärungen, Einsichten und Lösungsvorschläge! Wie naiv man doch sein kann…

Von ganz anderem Kaliber sind da die Überlegungen von Jeff Jarvis. Er sieht eine enorme Tragweite für die aktuellen Vorgänge und stellt dabei nüchtern fest, dass “neue Strukturen” die alten nicht ersetzen, solange diese noch intakt sind. Neue Strukturen bauen auf entstandene Lücken auf, so Jarvis. Und dass speziell im Bankensektor gerade ein paar deutliche “Lücken” entstehen, ist ja unübersehbar.

Nicht so klar ist jedoch, wie schnell und heftig dies auf andere Sektoren und speziell die Internetbranche durchschlagen wird. Jason Calancanis sieht für Startups relativ schwarz und hat dafür extra sein Blog wieder aktiviert (wenn auch angeblich nur für diesen einen Artikel). Etwas allgemeiner fasst sich Henry Blodget und auch sein Tenor ist (auf kurzfristige Sicht) alles andere als optimistisch.

Die Welt also ein einziges Jammertal? Nicht ganz! Hank Williams etwa kommt zur Einsicht, dass die Web 2.0 Community so langsam damit beginnen könnte, nützliche Dinge zu entwickeln. Die Einsicht kommt spät, aber zusammen mit der Krise vielleicht gerade zur richtigen Zeit. Viel spricht etwa dafür, dass sich Social Software und Collaboration Tools jetzt durchsetzen können, wenn die Unternehmen darauf aus sind, Kosten zu sparen oder mit relativ geringem Mitteleinsatz ihre Produktivität zu steigern.

Für alle Startups und Gründer in schwierigen Zeiten hier noch zwei trefflich passende Leseempfehlungen: Umair Haque und Nova Spivack. Beide Personen könnten unterschiedlicher kaum sein, haben aber diesen unerschütterlich klaren Blick für die Dinge, die kommen werden. Wer sich daran ausrichten kann, dürfte die aktuelle Krise(n) gut überstehen…

Ein Thema, das uns ja immer wieder beschäftigt, ist die permanent weiter steigende Informations- und Datenflut. Clay Shirky hat dazu gerade auf der Web 2.0 Expo (New York) einen interessanten Vortrag gehalten, in dem er das Problem nicht in der Menge der Daten, sondern in unseren inadäquaten Filterfunktionen sieht. Wie immer sehr aufschlussreich, allerdings bietet er keine Lösungen.

Aber dass muss der Professor auch gar nicht. Da sind nämlich schon andere am Werk, etwa Hewlett Packard. Bei HP hat man (unschwer) gesehen, dass nicht nur im Web die Datenmenge ständig wächst, sondern auch auf den Servern der Unternehmen und deshalb ein neues Geschäftsfeld (”Information Management Digital Hub Beta”) aufgebaut.

Robert Scoble hat dazu ein Interview mit Robin Purohit, General Manager of Information Management bei HP geführt. Demnach bietet HP aktuell Lösungen an, mit denen insbesondere sehr große Unternehmen ihre Datenbestände, etwa alle E-Mails, auf bestimmte Inhalte durchsuchen lassen können. Zugleich wird dabei ein als relevant eingestufter Pool von Daten sicher abgespeichert, damit Elemente daraus nicht mehr gelöscht oder verändert werden können.

Anwendbar ist das derzeit nur für rechtliche Fragen, das Risikomanagement oder die Konzernsicherheit. In Zukunft will man bei HP mit Produkten aus diesem Bereich aber auch “produktive” Prozesse unterstützen können und entwickelt dazu weitere Software u. a. auf semantischer Basis.

Wo es um die Suche in und nach Dokumenten geht, ist natürlich auch Google nicht weit: Der Suchgigant bietet ebenfalls Produkte für die interne Suche an und bringt sich dazu immer wieder mal in Erinnerung. Allerdings ist so eine Suchfunktion nicht immer der Weisheit letzter Schluss, wie Dan Woods treffend beschreibt: Denn was im Web sehr gut funktioniert, weil da Google’s PageRank ordnend wirkt, trifft auf den Servern der Unternehmen auf reichlich andere Verhältnisse.

Wer mit den Angeboten von HP oder Google nicht weiterkommt, kann sich auch mal die Lösungen einer kleinen deutschen Firma ansehen: EasyBrowse bietet Produkte zur Suche von Dokumenten an, die auf semantischer Software basieren und etwa in großen Verlagen lange schon erfolgreich eingesetzt werden. Und das unterstreicht die Aussage von Clay Shirky, denn es kommt tatsächlich auf die richtigen (semantischen) Filter an, um in einer sehr großen Datenmenge zuverlässig die richtigen Dateien zu finden.

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