Robert Basic

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Bloggen scheint ja immer noch etwas Besonderes zu sein, wenn etwa das ZDF mit einer gewissen Verwunderung feststellen muss, dass zum Parteitag der amerikanischen Demokraten in Denver rund 500 Blogger akkreditiert sind.

Damit es auch hierzulande mit dem Bloggen weiter aufwärts geht, schreiben Andreas Mertens und Michael Wald seit kurzem ein Blog, dessen Titel zugleich Programm ist: Erfolgreich bloggen. Für Kenner der Materie ist das vielleicht keine aufregende Lektüre, für Neueinsteiger und weniger tief involvierte Blogger aber sicher interessant. Und es zeigt, dass sich auch hierzulande die Blogosphäre allmählich weiter auffächert.

Blogs sind eben hervorragende Nischenmedien und möglicherweise stehen wir hier immer noch am Anfang der Entwicklung. Ein neues Kapitel eben dieser Entwicklung könnte eine neue Suchmaschine einleiten, die gerade an den Start gegangen ist: BackType nimmt sich der Kommentare aus Blogs an und will diese auffindbar (und sortierbar) machen. Robert Basic findet das gut, Nicole Simon weniger.

Ich tendiere dabei eher zur Sichtweise von Nicole Simon, aber vielleicht sind meine Bedenken auch unbegründet: Denn wer will eigentlich Kommentare aus ihrem Kontext losgelöst lesen? Und ob Robert Basic deswegen jetzt häufiger auf anderen Blogs kommentieren wird?

Warten wir einfach ab. Spätestens, wenn auch Erfolgreich bloggen über BackType schreibt, wissen wir, dass sich diese Suchmaschine etablieren konnte und im Mainstream angekommen ist. Dann ist immer noch Zeit, ein paar Kommentar-Feeds aus BackType zu abonnieren – wir haben ja sonst nichts zu lesen…

zoomer logoWir erinnern uns: Vor ein paar Wochen startete Zoomer, ein Online-Nachrichten-Medium aus dem Hause Holtzbrinck, das sich explizit an ein jüngeres Publikum wendet. An Kritik aus der Blogosphäre hat es nicht gefehlt, auch ich stand dem Projekt zunächst skeptisch gegenüber.

Um so interessanter nun ein Blick auf die Entwicklung des Traffics. Bei der IVW wird Zoomer zwar noch nicht ausgewiesen, aber Alexa liefert schon eine schöne Grafik (die sich hier leider nicht auf die Schnelle einbinden lässt). Demnach verläuft die Entwicklung etwas sprunghaft, aber mit Tendenz nach oben.

Laut Alexa hat Zoomer das Nachrichtenportal “Der Westen” schon eingeholt, liegt aber noch (knapp) unter dem Blog von Robert Basic und erst recht natürlich unter der FAZ. Nun sind die Daten von Alexa natürlich immer mit großer Vorsicht zu genießen, aber für eine Aussage zur Tendenz dürfte es schon reichen: Zoomer kommt beim Publikum derzeit besser an, als die Kritiker es dachten.

Schwieriger ist es schon (oder immer noch), sich auf der Website von Zoomer direkt ein Bild davon zu machen, was gerade so los ist. Während etwa die amerikanische Huffington Post zu jedem ihrer Artikel auch die Zahl der Kommentare angibt (gut sichtbar unter dem Titel) und damit eine hohe Transparenz schafft, verschleiert Zoomer das Echo seiner Leser eher, als es transparent zu machen.

Etwa bei den Kommentaren: In den Übersichten wird ihre Zahl (bei den Artikeln) nicht angezeigt. Zudem wird da ein bisschen getrickst. Schaut man nämlich die Artikel zur Fußball-Bundesliga an, so fällt auf, dass unter jeden Artikel die gleichen Kommentare gestellt sind. Kommentare werden hier also in einer Art Rubrik gesammelt, was unter den einzelnen Artikeln natürlich optisch mehr hergibt (wenn man nicht so genau hinsieht).

Inhaltlich dürfte Zoomer den Nerv seiner Zielgruppe dagegen schon recht gut treffen: Anspruchsvolle politische Themen fehlen weitgehend, dafür ist viel Platz für den Boulevard. So darf Magdalena von Podolski per Videocast die Besetzung des Films “Der rote Baron” kritisieren und sammelt damit immerhin 13 Kommentare (Stand: Montag Nachmittag). Aus diesen lässt sich auch entnehmen, dass für Zoomer auf StudiVZ Werbung gemacht wird (wer hätte das gedacht!).

Insgesamt für Zoomer mehr Web 2.0 einzufordern, ist wohl nur eine akademische Frage. Denn vielleicht will das Publikum das gar nicht. Lieber schaut man sich im Video die blonde Magdalena an und gibt sich damit zufrieden, wer weiß? Mich würde allerdings interessieren, welche Zugriffszahlen die diversen Meinungsmacher-Videos auf Zoomer so haben. Wie schlägt sich der graumelierte Ulrich Wickert (mit Substanz in seinen Aussagen) gegenüber so einem blonden Engel?

Eine Kritik vielleicht zum Schluss: Dafür dass Zoomer im Gegensatz zu vielen Blogs nicht zwingend ein hoch gebildetes Publikum anspricht, ist die Benutzerführung noch zu kompliziert. Während man Blogs einfach von oben nach unten lesen kann und eigentlich nur scrollen muss, will auf Zoomer jeder Artikel und jedes neue Thema gezielt angeklickt sein. Das könnte einem etwas passiver veranlagten Publikum auf Dauer vielleicht zu mühsam sein – oder bin ich vom Lesen vieler Blogs schon zu verwöhnt?

Schon mal von diesem Blog gehört: German Cowboys? Ich auch nicht, bis ich auf TechCrunch UK den Artikel über die Award Winners der Next Web Konferenz sah. Darunter befinden sich die Dutch Cowboys, ein offensichtlich ziemlich großes Blog aus den Niederlanden, das seit einiger Zeit auch einen deutschen Ableger betreibt.

Während die Niederländer auf ihrer Seite stolz eine Technorati-Authority von 1432 ausweisen, kommen die German Cowboys erst auf 4 Zähler. Online ist das deutsche Pendant seit November 2007, damals noch mit Artikeln des Originals durchsetzt (auf Niederländisch). Auch jetzt findet man noch Themen aus dem Nachbarland im Blog und die eine oder andere Werbeanzeige richtet sich speziell an Kenner der niederländischen Sprache…

Ansonsten aber gut gemacht, nur eben leider völlig unbekannt. Wie so oft krankt die Sache daran, dass man sich nicht vernetzt. An Themen oder Debatten der deutschen Blogosphäre scheinen sich die German Cowboys grundsätzlich nicht zu beteiligen. In der Folge werden sie auch nicht wahrgenommen. Laut Google Blogsuche hat noch kaum ein deutsches Blog auf die Dutch Cowboys verlinkt.

Robert Basic und zweinull.cc werden sich freuen: Denn diese beiden Blogs hätten in Sachen Traffic vielleicht darunter zu leiden, wären die German Cowboys annähernd so bekannt und populär wie die Dutch Cowboys im Nachbarland.

Facebook LogoDa kommt also Facebook mit seiner deutschen Sprachfassung hier an und in der Blogosphäre hat sich der Wind ganz schön gedreht: War man sich vor einigen Monaten noch ziemlich einig, dass dieses Social Network seine lokalen Konkurrenten, allen voran studiVZ, nur so wegpusten würde, bläst nun Facebook selbst ein strenger Wind ins Gesicht.

Robert Basic analysiert die Nutzerzahlen und kommt zum Ergebnis, dass der deutsche Markt stark zersplittert sei. Somit hätten die Networks deutscher Machart eine realistische Chance, im Wettbewerb mit den “dominierenden US-Plattformen” bestehen zu können. Kurz- bis mittelfristig gesehen ist das sicher richtig. Langfristig sieht er etwas völlig Neues kommen, das die Social Networks ablösen könnte: Das Revival der Homepage sowie Networking als Commodity. Das wäre dann vielleicht so etwas wie eine “frei schwimmende Profilseite”, mit der Traffic teilweise zu mir selbst kommt oder ich damit aber auch irgendwohin gehen und zeitweilig andocken kann.

Vor dem Hintergrund eines solchen Szenarios sieht selbst der junge Mark Zuckerberg recht alt aus. Aber muss er sich deswegen Sorgen machen?

Sorgen sollte er sich um sein aktuelles Geschäft machen. Denn die fallenden bzw. stagnierenden Nutzerzahlen zeigen, dass die User der unnötig vielen Spielereien auf Facebook überdrüssig werden. Und das ist kein gutes Zeichen. Meines Erachtens hat man versäumt, ernsthafte (nützliche) Anwendungen zu entwickeln und etwa Facebook an die Spitze von Enterprise 2.0 zu setzen. Die Plattform ist ja da, es fehlen aber taugliche Applikationen für das Projektmanagement oder intelligente Wiki-Module für das Wissensmanagement. Facebook hätte die Intranet-Anwendung kleinerer Unternehmen werden können. Aber diese Möglichkeiten hatte man offensichtlich nicht im Blick.

Peter Thiel dachte wohl nur ans (schnelle) Geld und Mark Zuckerberg fehlt eben doch so etwas wie Berufserfahrung. Als schweren Fehler könnte sich auch noch herausstellen, dass man etwa den deutschen Markt ganz aus dem sonnigen Kalifornien steuern möchte. Ohne eigene Niederlassung aber, so denke ich, wird Facebook hier nicht richtig ankommen.

Facebook bräuchte wenigstens ein kleines Team hier vor Ort, das die einschlägigen Web 2.0 Veranstaltungen besucht, Kontakte zu Hochschulen und Unternehmen knüpft und nebenbei vielleicht noch den Politikern in Berlin erklärt, was Social Networks eigentlich sind. Und so könnte Andreas Göldi, der notorische Facebook-Pessimist, am Ende doch noch mit seiner Skepsis Recht behalten. Ich gebe aber die Hoffnung noch nicht ganz auf. Denn Mark Zuckerberg und seine Mannschaft mögen noch sehr jung sein. Dafür sind sie aber auch lernfähig, flexibel und durchaus noch für eine Überraschung gut.

Eines unserer prominentesten Blogs hat dieser Tage ein neues “Gesicht” bekommen: Bei Basic Thinking wurde frisch tapeziert. Auch wenn noch nicht alles fertig ist, hier mal ein Blick auf das (vorläufige) Ergebnis:

  1. Optik: Aus meiner Sicht kann man das Remake nur loben. Robert ist das große Kunststück gelungen, seinem Blog eine neue, frische Anmutung zu geben ohne dass darunter die Wiedererkennbarkeit gelitten hätte. Das breitere Format verbessert die Lesefreundlichkeit erheblich, das Farbschema ist gut gewählt. Die beiden rechten Spalten wirken bislang dezent, sind aber auch noch nicht ganz fertig. Abzuwarten bleibt, ob die geplanten Werbebanner (zu viel) Unruhe ins Bild bringen.
  2. Werbekonzept: Hier beschreitet Robert Neuland, indem er die Google-Anzeigen rauswirft und künftig auf individuelle Anzeigen setzt, die ihm seine Leser (gegen Provision) vermitteln sollen. Peter Turi hat dazu kritisch nachgefragt, der Praxistest steht noch aus. Ich vermute, dass auf längere Sicht Firmen direkt bei Robert den Anzeigenplatz buchen bzw. Agenturen diese Möglichkeit in ihre Media-Planung aufnehmen werden.
  3. Artikel-Schreibe: Hier hat sich gar nichts geändert, Robert ist sich und seinem Stil treu geblieben. Für die Leser bedeutet das, dass sie weiterhin einem Wechselbad von kurzen und langen Artikeln ausgesetzt sind. Ihm reichen schon acht Worte für ein Posting, auch wenn Journalisten alter Schule sich hier mit Grausen abwenden dürften. Und wie die Länge der Artikel, schwankt auch die Qualität: Von banal bis genial ist alles vertreten. Positiv zu Buche schlägt das hohe Maß an persönlicher Authentizität. Robert versteckt sich nicht hinter seinem Blog, er verkörpert es wie kaum jemand sonst in der Blogosphäre.
  4. Inhalte: Robert Basic steht mitten im Web 2.0, ist aber nicht darauf fixiert. Sein Themenspektrum ist eigentlich sogar ziemlich breit und das dürfte auch ein wesentlicher Erfolgsfaktor seines Blogs sein: Hier ist für jeden (Leser) etwas dabei.

Fazit und Empfehlung: An der neuen Optik gibt es nichts auszusetzen, das Blog macht im neuen Kleid wirklich einen Sprung nach vorn. Aber bei den Inhalten bzw. deren Qualität würde ich mir auch einen Sprung nach vorn wünschen: Etwas weniger Quantität, dafür mehr Qualität. Es müssen nicht 20 Blogartikel am Tag sein, oder?

Und mit mehr Konstanz in der Qualität könnte Robert es schaffen, über die Blogosphäre hinaus deutlich stärker wahrgenommen und als Meinungsführer in Sachen Internet bzw. Web 2.0 beachtet zu werden. Das wäre gut für ihn und gut für die gemeinsame Sache.

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