Rivva

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Roodle LogoIch habe nicht schlecht gestaunt, als mir auf Rivva im Teaser zu Martin Weigerts Artikel (zweinull.cc) über Roodle die Worte “aus dem oberschwäbischen Bad Saulgau” ins Auge sprangen. Da gibt es also einen neuen Service für Fotosharing im Web 2.0, der in meiner unmittelbaren Nähe entstand (Luftlinie max. 500 Meter), und ich erfahre davon erst auf Rivva…

Vergleicht man die Startseite von Flickr mit der von Roodle, könnte der Unterschied kaum größer sein: Hier ein ziemlich überladenes Durcheinander, dort eine schlichte und einfache Benutzerführung. Und sehr gut aussehen tut Roodle auch noch! Damit kann das neue Tool sein Versprechen, eine einfache und verständliche Anwendung zu sein, sicher einlösen.

Da ich kein Fotofreak bin, kann (und will) ich hier nicht näher auf Features eingehen oder einen dezidierten Vergleich mit Flickr anstellen. Etwas Anderes scheint mir aber durchaus bedeutsam: Das Web 2.0 ist längst selbst zu einem komplexen Moloch geworden, der auf normale (oder unbedarfte) Internetuser stellenweise weder einladend noch verständlich wirkt. Dabei war mal alles so einfach und insgesamt übersichtlich.

Aber wo Dienste wie Flickr allmählich an ihrer eigenen Vielfalt zu ersticken drohen, ist die Zeit wohl reif für Roodle. Möge dieser Service bekannt und erfolgreich werden – sich aber immer seiner Wurzel der “Einfachheit” erinnern…

Rivva LogoRivva ist eigentlich eine tolle Sache. Aber in letzter Zeit irritiert mich doch die größer werdende Zahl englischsprachiger Blogposts, die offensichtlich deshalb in den Top-Stories erscheinen, weil sie von anderen englischsprachigen Blogs verlinkt werden.

Da zeigt uns also das Medium, das “sowas wie Techmeme für die deutschsprachige Blogosphäre sein möchte“, Artikel aus amerikanischen Blogs und die Diskussion, die diese Artikel in anderen amerikanischen Blogs ausgelöst hat. Aber kann ich das nicht besser direkt auf Techmeme sehen? Sollte Rivva uns diese Artikel nicht dann erst zeigen, wenn sie in den deutschsprachigen Blogs reflektiert werden?

Dieser Artikel von mir bekam auf Rivva jedenfalls keine “Vorzugsbehandlung” gegenüber den amerikanischen Blogs und musste sich ziemlich hinten anstellen (d. h. er wurde nur in den “weiteren Stories” sichtbar, während in den Top Stories amerikanische Blogs die Sache unter sich ausmachten). Bin da nur ich irritiert, weil es mich selbst betrifft, oder wird Rivva da seiner Rolle als Memetracker der deutschsprachigen Blogs tatsächlich nicht gerecht?

Die in meinen Augen ungute Tendenz lässt sich mittlerweile auch an den Leitmedien ablesen, wo TechCrunch aktuell schon auf Platz 13 steht, ReadWriteWeb auf 103 und Robert Scoble gerade auf Rang 254 eingestiegen ist. Schöne Aussichten sind das!

Stellt Euch vor, es ist Preisverleihung und keiner geht hin. So ähnlich muss das beim Goldenen Prometheus gewesen sein. Denn in der Blogospähre hat niemand kaum jemand davon Kenntnis genommen. Dabei wurde Matthias Mattusek für sein Video-Blog “Matusseks Kulturtipp” ausgezeichnet, Näheres dazu in diesem Interview.

In den Rivva-Leitmedien finde ich dieses Blog leider nicht, obwohl man mit so einer Auszeichnung angeblich im “Blogger-Olymp” angekommen ist. Ganz offensichtlich feiert sich da die Medienbranche selbst und vergibt Preise in Bereichen, wo sie keine Ahnung davon hat, wo der Hase wirklich läuft.

Hier noch was zum Lachen: Man achte beim preisgekrönten Herrn Matussek darauf, wie er das Wort “Blog” verwendet:


WarningUnter der netten Überschrift “The Lazysphere and the Decline of Deep Blogging” kritisiert Steve Rubel, dass die amerikanischen Techblogger nachlässig (”lazy”) geworden seien und anstelle origineller, eigener Gedanken nur noch Artikel veröffentlichten, in denen die aktuellen Schlagzeilen oberflächlich nachgebetet würden. Seiner Meinung nach schielen sie mit damit vorrangig darauf, auf den Seiten der Aggregatoren wie Techmeme oder Digg zu landen.

Da ist es doch ein schöner Zufall, dass es bei uns fast zeitgleich Malte Landwehr bei Rivva in die Schlagzeilen schafft. Sein Thema: Wie hole ich mir mit Social Media Optimization und Linkbaiting viel Traffic auf mein Blog. Über 40 Kommentare hat er dafür im Blog bekommen, auf Rivva sind immerhin 7 Links angegeben (worauf man leider nicht mehr direkt verlinken kann).

Malte will ich an dieser Stelle nicht kritisieren. Im Gegenteil: Er wollte ja nur die Probe aufs Exempel machen und demonstrieren, wie so etwas geht (bzw. wie effektiv es sein kann). Das ist ihm gelungen. Und die Reaktionen auf sein Posting zeigen, dass die Denke, die Steve Rubel in Amerika kritisiert, auch bei uns anzutreffen ist.

Einen Ausweg sieht Bob Warfield (SmoothSpan Blog). Er empfiehlt den Bloglesern, die Top 100 Blogs konsequent zu meiden und stattdessen die aus der zweiten Reihe (also die Plätze 101 bis 200) zu wählen. Diese aufstiegsorientierten Blogs bemühten sich noch mehr um Qualität und originelle Beiträge als die Blogs an der Spitze.

Schade nur, dass sowohl Technorati in den USA als auch die Deutschen Blogcharts nur die ersten 100 Plätze auflisten. Die guten Blogs aus der zweiten Reihe darf man sich also selbst irgendwie zusammen suchen…

Foto: Warning by emmma peel auf Flickr

Frank Patzig hat es schon im Juli treffend auf den Punkt gebracht und Rivva sehr gelobt. Rivva ist eine Entwicklung von Frank Westphal und orientiert sich am amerikanischen Vorbild Techmeme.

Hier wird versucht, aus der Vielzahl an Blogartikeln wichtige Beiträge herauszufiltern und aufzuzeigen. Maßgeblich für die Wichtigkeit ist dabei unter anderem die Verlinkung aus anderen Blogs auf den jeweiligen Beitrag. Mein Blog hat es auf diese Weise bereits (oder erst) zweimal in die Schlagzeilen bei Rivva geschafft (wenn ich mich recht erinnere).

Dieses Prinzip der “elektronischen Redaktion” könnte man auch vermarkten und als individuell konfigurierbare Lizenz anbieten. Große Unternehmen beispielsweise, über die in der Blogosphäre häufig berichtet und debattiert wird, könnten so gezielt die wichtigen Beiträge über ihr Haus heraufiltern lassen und dann (manuell) auswerten. Das könnte einfacher und effizienter sein als über Suchmaschinen wie Google oder Technorati Wichtiges von Unwichtigem (von Hand) zu trennen.

Oder umgekehrt: Ein Unternehmen möchte sein Wettbewerbsumfeld beobachten, dabei aber nur Beiträge (samt den weiterführenden Diskussionen) aufgezeigt bekommen, die eine gewisse Aufmerksamkeitsschwelle überschreiten. Dafür müsste man die Software so einstellen können, dass nicht die gesamte Blogosphäre, sondern nur dieser relevante Ausschnitt gescannt wird.

Und für private Blogleser könnte man daraus eine richtige Web 2.0 Plattform entwickeln, wo man sich registrieren und dann sein indivduelles Wunschmenü zusammenstellen kann. Dazu sollte dann noch RSS so integriert werden, dass man von seinen (Lieblings-) Blogs alle Beiträge zu sehen bekommt, während der “Rest” eben gefiltert wird.

Spätestens an die dieser Stelle müssen die guten alten Zeitungsverlage sich Gedanken machen, wie sie noch auf diesen Zug aufspringen können! Denn sonst entsteht im Netz schon bald ein ziemlich perfektes Nachrichtensystem, das ganz ohne Zeitungen lebt und wo allenfalls noch nach der Schnittstelle zu Facebook (und Konsorten) gefragt wird, nicht mehr aber nach den Schlagzeilen der New York Times.

Andreas Göldi, der die Debatte um “Zeitungen ohne Papier” angestoßen hat, stellt hier in einer Liste eine Reihe sehr guter Vorschläge zusammen, um den Zeitungsverlagen auf die Sprünge zu helfen. Die Kompatibiltät zu Anwendungen wie Rivva oder Techmeme sollte er meines Erachtens noch ergänzen, auch wenn hier noch vieles erst im Werden ist.

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