Oliver Gassner

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Robert Basic verkauft allen Ernstes sein Blog Basic Thinking. Da gehen die Wogen natürlich hoch, was sogar mich und dieses Blog aus einem (milden) Winterschlaf holt…

Macht so ein Blogverkauf Sinn? Für Robert Basic vielleicht schon, für einen Käufer eher nicht, wie Oliver Gassner zeigt. Denn Basic Thinking ist eigentlich untrennbar mit der Person von Robert selbst verbunden.

Und da wären wir beim Wörtchen “eigentlich”. Denn wenn jemand aktuell die Ambition hätte, ein kommerzielles Blogprojekt zu starten, mit dem ein jüngeres web- und technikaffines Publikum angesprochen werden sollte, könnte da schon was gehen: Es wäre zwar ein Bruch, weil Robert als Person weg wäre. Der Käufer würde dafür aber vom Start weg mit reichlich Traffic, einem guten Pagerank und ebensoviel Aufmerksamkeit starten können. Blogtechnisch betrachtet könnte es also schon Sinn machen.

Bleibt aus der Marketingsicht die Frage, ob es klug ist, gerade eine Marke wie Basic Thinking zu übernehmen und weiterzuführen. Assoziativ bleibt einfach die Nähe zum Namen von Robert Basic, was auf Dauer problematisch sein könnte (zumal Basic kein besonders häufiger Name in Deutschland ist). Da wird man gut abwägen müssen, weil eine Änderung des Markennamens (wegen der Domain) praktisch nicht möglich ist.

Schauen wir einfach mal, was wird. Der Zeitpunkt ist nicht gerade günstig gewählt, weil das Geld kaum irgendwo besonders locker sitzen dürfte. Und so wird sich auch Marcel Weiß (neunetz.com) wieder beruhigen: Das Blogwerk ist nicht in Gefahr, eher im Gegenteil. Die Aktion von Robert mag für einige Zeit  Wirbel und reichlich Links einbringen, viele Leser müssen sich aber erst einmal neu sortieren. Das sollte der stetigen und unaufgeregten Berichterstattung der Blogs im Blogwerk eigentlich zugute kommen…

DauerWerbeBlogAuf dem Fischmarkt wurde es angekündigt und kurz nach Mitternacht war es online: Das DauerWerbeBlog von Oliver Gassner und Stefan Heß. Ein Blog, in dem es nur um Werbung geht. Die Idee wäre witzig, wenn Werbung selten und schwer zu finden wäre. Aber so?

In einem Punkt muss ich den beiden Autoren Recht geben: Eine unverkrampftere Einstellung gegenüber Werbung auf Blogs kann der deutschen Blogosphäre nicht schaden. Und vielleicht kann ja dieses Blog dazu einen Beitrag leisten?

Inhaltlich werden wir sehen müssen, wo der thematische Schwerpunkt liegen wird. Bleibt es zu diffus, dürften sich kaum genügend Leser finden und das Experiment scheitern. Denkbar wäre aber, dass sich das DauerWerbeBlog auf witzig und selbstironische Art nah am Themenfeld “Tech” bzw. “Web 2.0″ ansiedelt, wo es schon ein genügend großes Bloglesepublikum gibt und die beiden Blogger schnell reich und berühmt werden können. Ich wünsche jedenfalls viel Glück!

Oliver Gassner arbeitet – ja als was eigentlich? Als Multitalent: Trainer, Problogger, Journalist, Berater und Buchautor. Er ist 43 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Mit seiner Familie lebt er in Vahingen / Enz (nordöstlich von Stuttgart).

Mit Olivia Adler zusammen hast Du gerade ein Buch zu Second Life geschrieben. Wen wollt Ihr damit hauptsächlich erreichen?

An sich alle, die sich kompakt und kompetent über Second Life informieren wollen ohne mit Hype oder Weltuntergangsszenarien genervt zu werden. Wir wollten nicht noch eine Anfänger-Anleitung mit Riesenscreenshots liefern. Wir wollten denen, die schon da sind Orientierung liefern, die Kultur von SL in den Blick rücken aber auch Firmen erste Hinweise geben, wie SL – und virtuelle Welten allgemein nutzbar sein können.

Einige Phänomene in Second Life finden Einsteiger (insbesondere mit einem Business-Hintergrund) befremdlich, etwa Avatare in Tiergestalt oder Avatare mit Flügeln. Wie geht man mit dieser Vielfalt am besten um?

So wie mit Vielfalt in der realen Welt auch: Man versucht zu verstehen und zu tolerieren. Ich finde menschliche Phantasie an sich eines der spannendsten Dinge auf diesem Planeten und SL macht diese Kreativität sichtbar. Das mag Menschen, die Welt gern in schwarzweiß hätten, irritieren. Ich sehe es so: Phantasie und Kreativität sind unsere letzten Chancen, um auf diesem Planeten noch ne weile Gastrecht zu haben. Deshalb ist alles begrüßenswert, was diese menschlichen Eigenschaften fördert und übt. SL ist dafür ein Mosaiksteinchen.

Ein besonderer Reiz an SL liegt sicher in der Vielfalt an Handlungsmöglichkeiten und Erlebnisdimensionen. Wo siehst Du vor diesem Hintergrund die Perspektiven und künftigen Schwerpunkte: Eher im Bereich Fantasy und Freizeit, oder werden Bereiche wie Business und Didaktik mehr Gewicht finden?

Das ist, wie wenn man fragt, ob man mit einem Computer besser Geschäftsbriefe schreiben oder virtuelle Monster umballern kann. Das Faszinosum des Werkzeugs Computer liegt ja in seiner Eigenschaft als ‘Turing-Maschine’, das heißt: Es ist der Universal-Simulator. Mit der Textverarbeitung simuliere ich ne Schreibmaschine, mit World of Warcraft oder Counterstrike ‘Räuber und Gendarm’ und mit SL eben alles, was in die dritte Dimension geht: Präsenz. Das Spannende ist jetzt, wo man das überall einsetzen kann. Ob SL jemals für First-Person-Shooting oder Rennsimulation geeignet sein wird, lass ich hier mal offen, aber für bestimmte Spielkontexte ist es, wie man aktuell ja sieht, geeignet.

Und 3D-Systeme spielen bei der Geschäftskommunikation sicher in Zukunft einen große Rolle. Seien es Konferenz-Systeme wie wir sie von CISCO in der neuen 24-Staffel sehen oder Meetingszenarien wie sie IBM und andere in SL und anderen 3D-Systemen ausprobieren. Recruiting findet schon heute teilweise in SL statt, Universitäten experimentieren mit eLearning und der Knackpunkt ist: es geht da eben beides und alles, so wie ich vormittags mit dem Rechner meine Brief schreibe und abends ein paar Monster kleinschrededdere – oder meine CDs verwalte oder…

Second Life ist lange Zeit schnell gewachsen, zuletzt flachte dieses Wachstum aber etwas ab. Ist die Zeit vielleicht doch noch nicht reif für virtuelle Welten?

Das plötzliche starke Wachstum kam durch den Medienhype, nicht dadurch, dass SL selbst sich aufgeplustert hätte. Dass das Wachstum wieder stetig ist, statt exponentiell, ist eher angenehm. Die die nur mal gucken wollten sind wieder weg und die, die an 3D und seiner Zukunft mitarbeiten wollen, kommen weiterhin. Reife ist ja nichts was als Explosion kommt, insofern ist stetiges Wachstum der Reife zuträglicher als exponentielles. Ein bisschen affig kommt es mir vor, dass die, die SL gehypt haben es jetzt trotz Wachstum schon schwinden sehen.

Wie denkst Du über die möglichen Pläne von Google, auf Basis von Google Earth ebenfalls eine virtuelle Welt zu bauen (eine sog. Mirror World). Wäre das gut oder schlecht für Second Life?

Es ist ja nur scheinbar so, als sei Second Life allein auf weiter Flur. Es gibt nicht nur frühere 3D-Welten (auf die wir ja im Buch hingewiesen haben) es gibt auch einen ganze Reihe von Alternativen, die nicht erst seit dem Hype in Entwicklung sind. Man sollte wohl davon ausgehen, dass Konkurrenz nicht nur das Geschäft belebt sondern auch die Qualität verbessert und die Ausdifferenzierung begünstigt.

Google ist ja weniger an ‘erfundenen Dingen’ interessiert als an der Abbildung oder besser: ‘Duchsuchbarmachung’ dessen was ‘ist’. Anders: “Berlin” in SL wird sicher etwas anderes sein als “Berlin” auf GoogleEarthMirrorWorld und ich könnte mir vorstellen, dass beides nebeneinander zu ganz verschiedenen Zwecken dient.

Auch heute gibt es ja die Internetseiten der Stadt Berlin und Berlin bei Diensten wie Qype und das ist auch kein Problem. Generell wird wie gesagt das Thema 3D bleiben und sich ausweiten und je mehr Ansätze es da gibt, desto mehr wird man sehen, was da trägt und was nicht. SL-Experten halten SL selbst nicht unbedingt für das letzte Wort zu dem Thema. Das sehe ich auch so.

Vielen Dank, Oliver, für das Gespräch.

Danke dir auch ;)

Second Life Buch Cover GassnerOlivia Adler und Oliver Gassner haben zusammen das Buch “Second Life, Das Buch zum zweiten Leben” geschrieben, erschienen bei O’Reilly (Deutschland).

Eine bessere Einführung in deutscher Sprache dürfte es derzeit kaum geben: Die beiden Autoren schreiben unterhaltsam und leicht verständlich über alle wesentlichen Aspekte rund um SL. Die durchgehend farbige Bebilderung (mit Screenshots) trägt zudem erheblich zum Verständnis bei.

Mehr zum Buch und Second Life selbst folgt noch diese Woche, Oliver Gassner wird mir hier im Blog ein Interview geben. Eine ausführliche Buchbesprechung hat Jan Tißler (Upload) verfasst.