Nico Lumma

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Mir ist nicht bekannt, ob Loic le Meur Beethovens Neunte kennt bzw. schon mal etwas von Friedrich Schiller gelesen hat. Ich vermute eher nicht, denn er legte uns ja neulich erst dar, wie er es schafft, seinen Tausenden von “Freunden” auf Facebook, Twitter, Friendfeed und natürlich Seesmic zu folgen. Da bleibt sicher keine Zeit mehr für klassische Musik oder Gedichte.

Wir zumindest sollten uns unsere Zeit nicht gänzlich von diesen jungen Medien stehlen lassen. Und Loic le Meur sollten wir auch nicht glauben, denn so einen hanebüchenen Unsinn habe ich schon lange nicht mehr gelesen! Klar ist: Er hat etwas zu verkaufen. Und deshalb braucht er viele Kontakte, denen er das Gefühl vermitteln will, dass er ihnen nicht nur dauernd selbst etwas erzählt, sondern ihnen ebenfalls zuhört.

Im Grunde findet hier eine Perversion der Medien des Web 2.0 statt, indem diese wieder zu einer Art von “Massenmedium” zurückverwandelt werden. Denn man kann nicht den Dialogcharakter all dieser Erfindungen nutzen und gleichzeitig die Kontaktzahlen in eine Höhe treiben, wie sie einer Fachzeitschrift als Auflage zu einem auskömmlichen Geschäft verhelfen würden.

In diesem Sinne kann ich auch Nico Lumma nicht zustimmen, der vermutet, Loic le Meur wolle nichts verpassen. Nein. Der kalifornische Franzose weiß ganz genau was er macht. Er führt die Leute hinters Licht.

Foto: Loic le Meur by Joi auf Flickr

twitter logoTwitter ist in aller Munde und mit Twitterdings und twitkrit gibt es hierzulande zwei sehr schöne neue Blogprojekte rund um das Faszinosum. Während sich twitkrit mehr der künstlerisch, literarischen Seite von Twitter annimmt, dürfte Nico Lummas Twitterdings bald schon ein unentbehrlicher Wegweiser durch den rasch immer dichter werdenden Dschungel an Applikationen und Mashups rund um Twitter werden.

Alles schön und gut, aber über die Ebene der Spielerei sind wir damit noch nicht hinaus, oder? Hat Twitter auch bei der “richtigen” Arbeit eine Perspektive? Ich habe das lange nicht gesehen, bis ich bei mir Alert Thingy installiert habe. Seither habe ich in kompakter Form und frei auf dem Desktop einen Anschluss an den Datenstrom, den Twitter ununterbrochen produziert. Das Praktische daran ist, dass ich über Alert Thingy nicht nur passiv mitlesen, sondern auch selbst twittern kann.

Und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man so etwas auch in komplexen Projekten einsetzen kann. Etwa wenn ein (teilweise) räumlich getrenntes Team sich untereinander in knapper Form auf dem Laufenden halten möchte. Twitter ist da nämlich überraschend vielseitig und vor allem extrem schnell: Bis man etwa bei einer E-Mail nur die Adresse des Empfängers eingegeben oder aus einem Verzeichnis ausgewählt hat, hat man bei Twitter die Botschaft schon formuliert und abgeschickt.

Noch Fragen? Was Twitter wert ist, weiß Michael Arrington (TechCrunch) ziemlich genau und wer (wie ich) noch etwas Nachholbedarf bei den Begrifflichkeiten hat, mag in diesem kleineren Wiki (Twitter Fan Wiki) fündig werden. Mir auf Twitter zu folgen lohnt jetzt noch nicht, ich bin noch ziemlich stumm und höre vorerst nur zu…