Microsoft

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Der Mann im Kapuzen-Sweatshirt ist eine schillernde Persönlichkeit: Musiker und (Ex-)Hippie einerseits, Venture-Capitalist und Buchautor andererseits. Im Silicon Valley ist Roger McNamee, Mitgründer von Elevation Partners, als einer der frühen Investoren in Facebook gut bekannt. Seine Aussagen über die Zukunft des Internets sind sehenswert, denn er lehnt sich weit aus dem Fenster und spart nicht mit provokativen Aussagen:

Eine längere Fassung des gleichen Vortrags, dieses Mal mit Sakko statt Kapuzen-Sweatshirt, gibt es hier (Fora.TV). Ein paar Anmerkungen aus meiner Sicht:

Seine Beobachtungen zu Microsoft und Google sind zweifellos bemerkenswert. Sie bedeuten aber nicht, dass die beiden Unternehmen in naher Zukunft einfach verschwinden werden: Sie verlieren nur ihre dominante Stellung, weil jetzt zunehmend andere Plattformen neben sie treten und damit die bislang monolithischen Strukturen einebnen werden (bei Betriebssystemen im Fall von Microsoft und bei alternativen Suchmöglichkeiten gegenüber Googles Suchindex).

Die starke Betonung von Apple und den Tablet-Computern enthält meines Erachtens einen Denkfehler. Tablets werden nicht so dominant werden, wie Roger McNamee vermutet, weil sie nur ein Element eines immer breiter und vielfältiger werdenden Hardware-Spektrums sind. Spielkonsolen erwähnt er gar nicht, vermutlich weil er keine Erfahrung damit hat. Auch das “Internet der Dinge” wird nicht thematisiert. Der Wesenskern der gerade ablaufenden Veränderung besteht also nicht darin, dass es jetzt Tablets gibt, sondern dass wir von immer mehr Gegenständen umgeben sind, die mit dem Internet Verbindung aufnehmen können.

Seine Betonung der Bedeutung von HTML5 ist sicher richtig. Im Vortrag auf Fora.TV gibt er dazu noch eine sehr interessante Antwort auf eine Frage aus dem Publikum, das Urheberrecht betreffend. Sinngemäß führt er aus, dass Raubkopien ein großes Problem waren und noch immer sind, tendenziell aber an Bedeutung verlieren werden, weil künftige Inhalte nicht mehr als einfach zu kopierende Dateien in Erscheinung treten werden, sondern als komplexe und vernetzte Strukturen, die sich schlicht nicht mehr kopieren lassen. Das ist in meinen Augen eine visionäre Aussage, die plausibel und spannend zugleich klingt!

Schließlich noch das Social Web. Hier sei alles gelaufen und Facebook als dominierender Akteur etabliert. Das darf man gerne hoffen, wenn man ein größeres Paket an Facebook-Aktien besitzt. Leider hat Roger McNamee hier nicht in die Zukunft, sondern nur in seinen Geldbeutel geschaut. Facebook ist bei weitem nicht die sichere Bank, um die sich alle anderen herum gruppieren müssen, auch wenn Mark Zuckerberg das sicher gerne so hätte (mehr dazu in Kürze hier im Blog).

Insgesamt ein sehr interessantes Video, das mich zu der Überlegung gebracht hat, ob die heute gängige Trennung in “Web 1.0″ und “Web 2.0″ nicht bald schon überholt sein wird. Aus der Zukunft rückblickend wird vielleicht neu eingeteilt: In die Phase, in der man praktisch nur mit einem PC bzw. Notebook in Verbindung mit einem Browser im Web unterwegs war (also von 1994 bis ca. 2007), und in die neuere Phase, in der das Web über eine Vielzahl von Geräten und über unterschiedliche Software-Modalitäten genutzt wird, bis hin zum Internet der Dinge, zu dem Smartphones und Tablets nur den Einstieg markieren.

Mehr Anmeldungen als freie Plätze, mit dieser Situation sah sich Frau Prof. Dr. Andrea Back von der Universität St. Gallen konfrontiert, die zusammen mit T-Systems am 23.08. eine Konferenz zum Thema “Enterprise 2.0″ organisierte. Ich gehörte zu den 60 Personen, die sich rechtzeitig angemeldet hatten und verbrachte in der Folge einen hochsommerlichen Tag in der Schweiz. Was hat es gebracht?

Enterprise 2.0 als Thema befindet sich im Aufwind, so viel wurde deutlich. Denn noch vor wenigen Jahren waren die Praktiker auf solchen Veranstaltungen rar und Collaboration Software im konkreten Einsatz konnte kaum jemand vorweisen. Das ist heute anders, in St. Gallen konnte man das sehen. Die Teilnehmer rekrutierten sich überwiegend aus mittleren bis großen Unternehmen. Praktisch nicht vertreten waren auf dieser Konferenz die “Geeks” bzw. “Social Media Konferenz Hopper”, ihnen war aber vielleicht aber auch die Destination St. Gallen nicht hipp genug.

Workshop Mobile Business Solutions mit Thomas Walter und Thomas Sammer

Das dicht gepackte Programm enthielt u. a. die Ergebnis-Präsentation einer neuen Studie zur Verbreitung bzw. Nutzung von Enterprise 2.0 im deutschsprachigen Raum, die das Institut von Frau Prof. Back in Zusammenarbeit mit T-Systems durchgeführt hatte. Darin wird deutlich, dass Collaboration Software als Tool-Set betrachtet, allmählich in den Unternehmen angekommen ist, dort aber aber vorläufig noch einen eher moderaten bis geringen Einfluss auf die Geschäftsprozesse hat.

Obwohl die T-Systems als Mitveranstalter sich optisch sehr präsent zeigte, hiess der eigentliche Elefant im Raum “Microsoft”. Deren Software SharePoint wurde prominent vorgestellt, obschon ihr direkter Bezug zu Enterprise 2.0 eher dünn ausfällt (man lese dazu auch diesen Blogpost). Zudem durfte Dorothée Appel, CIO von Microsoft Deutschland, ihre (generelle) Sicht der Dinge darlegen. Dabei fiel immerhin das wichtige Stichwort “Realtime”, auch wenn man ansonsten den Eindruck gewinnen musste, die Zukunft gehöre den Telefonaten und Video-Konferenzen, die natürlich über Outlook organisiert werden, während schriftliche Äußerungen weniger wichtig würden. Bei Microsoft scheint man immer noch nicht ganz begriffen zu haben, was Collaboration Software ausmacht und wie im digital vernetzten Unternehmen der Zukunft wirklich gearbeitet wird. Erhellend, wenn auch nicht beispielgebend, war dieser Vortrag aber allemal.

Von persönlichen Vorlieben oder Abneigungen abgesehen, muss insgesamt gefragt werden, ob die Praktiker aus den Unternehmen am Ende des Tages wirklich zufrieden waren. Mir scheint, dass die Konferenz etwas zu wenig Zeit für den direkten fachlichen Austausch liess, nicht zuletzt, weil sie an einer nur allzu bekannten Krankheit litt: Kaum ein Referent schaffte es, sein Zeitlimit einzuhalten. Auch die Folien zu den Vorträgen waren häufig Meisterwerke der Informations-Überfrachtung. Wann wird der IT-Sektor endlich lernen, Präsentationen im Stile von SlideShare auszuarbeiten und seine Botschaften genauer auf den Punkt zu bringen, anstatt die Teilnehmer endlos mit Details zu traktieren?

Im Innenhof des Weiterbildungszentrums der Universität St. Gallen

Doch damit genug der Kritik. Frau Prof. Back überlegt sich schon, ob sie anlässlich der nächsten Studie ihres Instituts wieder eine Konferenz organisieren soll und ich will sie keinesfalls davon abhalten! Vielleicht könnte sie dazu Referenten von Startups aus dem Bereich Enteprise 2.0 gewinnen, obschon diese kaum als Sponsoren werden auftreten können und in Europa wenig verbreitet sind. Podio (Sitz in Kopenhagen) fällt mir ein, aber auch Jive (Büro in Frankfurt).

Ich durfte am Rande der Konferenz u. a. Dr. Stefan Hagen persönlich kennen lernen (wir lesen unsere Blogs gegenseitig, sind uns bisher aber noch nicht begegnet) sowie Ellen Trude (die eigens aus Köln angereist war). Nach St. Gallen werde ich gerne wieder kommen.

Motorolo PHOTON 4G for Sprint

Google greift tief in seine Taschen um für ca. 12,5 Mrd. US-$ die Mobilfunksparte von Motorola zu übernehmen. Der Schachzug kommt überraschend und die Meinungen darüber sind geteilt. Während manche den Kauf positiv sehen, weil Android  mit künftig rund 17.000 Mobilfunk-Patenten im Rücken besser dastehen sollte, fürchten andere, dass Google seine Android-Partner (HTC, LG, Samsung und Sony Ericsson) vor den Kopf stossen und sich zudem im margenschwachen Hardware-Geschäft verzetteln könnte.

Ein Analyst von S&P hat die Google Aktie deshalb von “Buy” auf “Sell” gestellt. Aber ist das nicht ein bisschen voreilig?

Im Grunde genommen ist Google bis heute eine Suchmaschine mit angehängter Werbeabteilung, die sich um die Vermarktung der Anzeigenplätze kümmert. Dieses Geschäft läuft gut, sehr gut sogar. Nur hat es sich im Lauf der Jahre eben verändert: Reichte es in den Anfangsjahren aus, überhaupt nur eine sehr gute Suchmaschine zu sein, stellten sich bald Wettbewerbskonflikte auf der Ebene der Browser ein.

Nicht alle Anbieter von Browsern, allen voran Microsoft, waren Googles Suchmaschine wohlgesonnen. Google musste erkennen, dass sein schönes Geschäft bedroht war, weil auf manchen Browsern andere Suchmaschinen vorinstalliert waren und sich sehr viele User damit zufrieden gaben. Also fing Google an, die Mozilla Foundation zu unterstützen und entwickelte parallel dazu seinen eigenen Browser, Google Chrome.

Etliche Jahre reichte das aus, doch dann kann die Post-PC-Ära, wie Steve Jobs das nennt: Smartphones und Tablets als neue Gerätegattung lösten die Vormachtstellung des PC ab und Google hatte wieder ein Problem: Wie bringt man nur die Suchmaschine zuverlässig auf alle diese Geräte und das möglichst noch an prominenter Stelle?

Die Antwort hiess: Android, oder auf deutsch: Ein eigenes Betriebssystem für Smartphones und Tablets. Android war eine tolle Sache, abgesehen davon dass Steve Jobs darüber ziemlich böse wurde. Denn die Smartphones mit Googles Software wuchsen seinem Geschäft mit dem iPhone über den Kopf. Es begannen die Patentkriege, die aber im Grunde gar keine wirklichen Patent-Streitigkeiten sind, sondern nur eine neue Form des Marketing. Ich schlage dafür den Begriff “Patent-Marketing” vor!

Wenn etwa Apple Samsung verklagt, weil der koreanische Hersteller seine Smartphones und Tablets dem iPhone bzw. iPad zu ähnlich gestaltet haben soll, ist das auf der juristischen Ebene eine ziemlich dünne Angelegenheit. Marketingtechnisch aber macht es Sinn. Die Botschaft an die Käufer lautet: Ihr werdet doch nicht so ein abgekupfertes Produkt kaufen, sondern lieber das Original haben wollen?

In diesem Sinne wäre der Kauf von Motorola Mobility durch Google ein reines Patent-Marketing-Geschäft. Das ist es aber nicht. Denn Larry Page, der neue CEO im Hause Google, hat etwas ganz anderes im Auge. Er weiß, dass ihm gerade seine schöne Android-Plattform unter der Hand zerbröselt – und das nicht wegen irgendwelcher Patente.

Das Problem liegt in der Fragmentierung der Plattform, die aktuell mit der Vielzahl an Endgeräten und mehreren Varianten des Betriebssystems den Käufern keine einheitliche Produkterfahrung mehr bietet, sondern eher Konfusion auslöst und für Enttäuschungen sorgt. Etwa wenn junge Käufer sich ein neues Android-Smartphone kaufen und dann feststellen müssen, dass auf ihrem Gerät bestimmte Apps oder Spiele nur schlecht oder gar nicht laufen. Noch ist das in der Öffentlichkeit kein großes Thema, es könnte aber bald eines werden.

Dazu kommt, dass die meisten Android-Geräte einfach nicht an die Qualität des iPhone herankommen. In der Folge stösst Google mit seinem Ansatz, nur ein gutes Betriebssystem für mobile Geräte anzubieten, an seine Grenzen. Das durfte Larry Page auch an anderer Stelle lernen: Der von Google entwickelte Ansatz, den Chrome Browser zu einem vollwertigen Betriebssystem für Notebooks auszubauen und mit dem Chromebook den drögen Windows-Rechnern etwas Attraktives entgegen zu stellen, ist gescheitert. Nicht an Microsoft, sondern an Apple.

Steve Jobs hat mit der überraschenden Neuauflage des MacBook Air im Jahr 2010 gezeigt, wo der Hammer für mobile Rechner hängt. Diese sind schnell, klein und unglaublich leicht – und kommen zu einem Preis, der praktisch allen Wettbewerbern die Luft ausgehen lässt. Möglich ist das nur, weil Apple beides kontrolliert, Hard- und Software, und damit hoch performante Systeme schaffen kann, bei denen alle Komponenten bestmöglich zusammen spielen. Das zeigt sich nicht nur am MacBook Air, sondern auch am iPad, dessen Preis und Leistungsfähigkeit von den Wettbewerbern im Android-Lager immer noch nicht erreicht ist. Hier kommt Google mit seinem bisherigen Ansatz nicht weiter.

Google muss also tiefer bohren und bei der strategischen Integration einen Schritt weiter gehen, auf die Ebene der Herstellung von Endgeräten. Die vielfach zu lesende Kritik, Google verstünde nichts von der Produktion und könne auch kein Marketing, kann man getrost vergessen: Wenn jeder immer nur das macht, wovon er schon immer etwas verstanden hat – wo soll dann der Fortschritt herkommen?

Google ist ohne Zweifel reif für diesen Schritt und Larry Page kann jetzt zeigen, was er drauf hat. Dass die Medien noch lange die skeptische Karte spielen und mit Horror-Szenarien auftrumpfen werden, wird ihn nicht irritieren. Schließlich hat er das im Fall von YouTube alles schon mal erlebt: Google wurde 2006 für verrückt erklärt, einen Kaufpreis von 1,65 Mrd. US-$ für ein Video-Portal ohne klar erkennbares Geschäftsmodell auf den Tisch zu blättern. Die Kritik an diesem Deal ist inzwischen verstummt – gut dass die Analysten und Medien jetzt neuen Stoff für ihre Untergangs-Analysen bekommen…

Droid Gang, watch your back iOS.

Wie schnell und grundlegend sich doch Märkte ändern können: Aktuellen Zahlen von comScore zufolge (und von TechCrunch zitiert) ist in den USA jetzt Android das Betriebssystem für Smartphones mit dem größten Marktanteil, vor Research in Motion (RIM, BlackBerry) und Apple (iOS). Mit deutlichem Abstand auf dieses Spitzentrio folgt Microsoft auf Platz 4. Das im Herbst 2010 neu eingeführte Windows Phone 7 scheint bislang Microsofts Verluste bei den Marktanteilen nicht bremsen zu können, comScores Zahlen zufolge hält der Negativtrend an.

In (West-) Europa sieht es kaum anders aus. Auch hier schiebt sich Google’s Android mit enormen Wachstumsraten in Richtung Spitze und hält, den Angaben von IDC zufolge, im vierten Quartal 2010 mit 31 % Marktanteil erstmals den ersten Platz. Auch hier sind RIM und Apple gut positioniert, während Microsoft und Nokia (hier noch mit Symbian) verlieren.

Folgerungen:

Als Apple 2007 das iPhone einführte, wurde damit die Kategorie “Smartphone” neu definiert. Allerdings konnte der phänomenale Erfolg des iPhone nicht verhindern, dass Google mit Android an Apple vorbeizog. Die Strategie, ein annähernd gleich gutes Betriebssystem an beliebig viele Hersteller mehr oder weniger zu verschenken, führt am Ende zur größeren Gerätevielfalt und einem viel weiter gefassten Preisspektrum. Der Markt honoriert die größere Vielfalt und ignoriert die vielfach in (Blog-) Medien angestellten peniblen Leitungsvergleiche, die nur für Technik-Freaks interessant sind.

Letztlich können beide Unternehmen hoch zufrieden sein, setzen sie doch mittlerweile die Maßstäbe in einem Markt, auf dem sie vor wenigen Jahren noch überhaupt nicht vertreten waren. Für Microsoft (und Nokia!) brechen allerdings schwere Zeiten an, wenn der Negativtrend in Sachen Windows Phone 7 im weiteren Verlauf des Jahres 2011 anhalten sollte. Die Tage von Steve Ballmer könnten dann gezählt sein.

flickr nexus one simone.brunozzi

Wozu muss Google jetzt auch noch Mobiltelefone verkaufen? Das Nexus One ist ohne Zweifel ein sehr interessantes Gerät und man kann es, wie Peter Sennhauser (netzwertig), im Licht von Googles Suchmaschine sehen.

Dass dem Nexus One aber keine weitere Strategie zugrunde liegen soll, bezweifle ich. Denn dieses Gerät (und seine Nachfolger) bedient mehr, als nur das klassische Suchmaschinen- bzw. Werbegeschäft von Google. Das Nexus One ist wahrscheinlich auch ein Baustein für das Geschäft mit Unternehmen (Corporate Software Business).

Hier müssen wir die IBM und Microsoft in den Blick nehmen, denn diese beiden Konzerne sind entscheidende Akteure am Markt, wenn es um Firmenlösungen für E-Mail, Office Software, Intranet und (Social) Collaboration bis hin zum Projektmanagement geht.

Der Markt für Software in diesem Bereich ist enorm groß und Google darin bislang nicht viel mehr als ein Zwerg. Sogar ein recht unbedeutender Zwerg. Genau das aber könnte sich in den nächsten Jahren ändern. Google könnte die Strategie verfolgen, neben seinem erfolgreichen Geschäft mit Online-Werbung ein zweites, großes Standbein aufzubauen und das Nexus One könnte dazu ein Schlüsselelement werden.

Der Wind in den Segeln für Google in diesem Bereich heißt Cloud Computing. Nachdem traditionelle Lösungen für Unternehmen immer auf der Basis eines lokalen Hostings liefen, konnte Google mit seinem webbasierten Ansatz nicht viel ausrichten. Die Google Apps und Google Mail waren im letzten Jahrzehnt eher exotische Randerscheinungen und keine ernsthafte Alternative für das Gros der Unternehmen.

Mit dem Aufkommen des Cloud Computing ändert sich das fast schlagartig, denn Google ist jetzt schon dort, wo der gesamte Markt hinzieht: Im Netz. Schätzungen von Gartner zufolge könnte der weltweite Markt für Cloud Computing bis zum Jahr 2013 auf 150 Mrd. USD wachsen. Warum sollte sich Google nicht ein signifikantes Stück von diesem Kuchen abschneiden?

Die Produktpalette dafür steht: Neben den Google Apps (Office Produkte, E-Mail und Business-Video) bietet Google auch einen Browser (Chrome) und sogar ein Betriebssystem (Chrome OS). Google Voice deckt die Flanke der Telefonie ab, während Wave als (sehr) avanciertes Tool für das Projektmanagement gesehen werden kann. Eventuell noch bestehende Lücken im Programm lassen sich sicher unschwer noch schließen.

Das Tüpfelchen auf dem i ist das Nexus One. Google könnte damit etwa ein Leistungspaket schnüren, bei dem es pro Arbeitsplatz-Lizenz ein Nexus One gratis dazu gibt. Der so ausgestattete Mitarbeiter eines Unternehmens hätte damit alle wichtigen Software-Produkte nicht nur am Arbeitsplatzrechner, sondern auch auf seinem Smartphone verfügbar. Die Synchronisation würde automatisch und unauffällig im Hintergrund laufen. In Verbindung mit Google Voice könnten Unternehmen damit vermutlich sogar auf Festnetztelefongeräte ganz verzichten, die Mitarbeiter wären (egal unter welcher Nummer) immer auf ihrem Nexus One erreichbar.

Einem solchen Paket haben derzeit weder die IBM, noch Microsoft etwas entgegen zu setzen. Die Gerüchte, dass auch Microsoft an einem eigenen Mobiltelefon arbeitet, dürften deshalb nicht aus der Luft gegriffen sein.

Ins Bild passt da auch, dass das Nexus One, wie alle Android Geräte bisher, im Vergleich zu Apples iPhone schwach aussieht, wenn es um Unterhaltung geht: Das iPhone ist bei Musik, Spielen und Videos einfach besser. Fast könnte man meinen, Google habe sich bislang das Geschäft absichtlich verdorben, damit nur ja Android nicht zu spielerisch und konsumentennah wahrgenommen wird.

Klar dürfte sein, dass Google im Geschäft mit Unternehmen seine Wettbewerber an deren empfindlichster Stelle angreifen wird: Beim Preis. Während etwa die IBM oder Microsoft nicht nur Marktanteile, Margen und Umsätze werden verteidigen müssen, kann Google ungerührt die Spielregeln ändern, so wie man das auch schon mit Android oder der kostenlosen Navigation (über Google Maps) gemacht hat.

Seitdem das Betriebssystem Android kostenlos auf dem Markt ist, verliert Microsoft mit Windows Mobile nicht nur Marktanteile, sondern auch Umsätze. Im Markt für Navigation hat Google seinen Konkurrenten Nokia soeben gezwungen, auf die kostenlose Schiene umzusteigen, um nicht zu riskieren, weiter zu viel Marktanteile zu verlieren.

Gestützt auf sein hervorragend laufendes Stammgeschäft kann Google also neue Märkte erobern und dabei gelassen das Feld von hinten aufrollen. Als grobe Richtschnur kann man sich merken: Pro Quartal erzielt Google aktuell etwa 5 bis 6 Mrd. USD Umsatz und verbucht davon bis zu 2 Mrd. USD als Gewinn. 2010 dürfte Google also mehr als 20 Mrd. USD Umsatz und ca. 8 Mrd. USD Gewinn machen.

Vorstellbar ist nun, dass Google schon 2015 bis zu 50 % seines Umsatzes nicht mehr mit Werbung, sondern mit Softwarelizenzen im Firmengeschäft verdient. Das wäre nicht nur eine sehr gute Diversifikation, sondern würde auch der Google-Aktie Fantasie verleihen.

Ein Hinweis zum Schluss: Andy Rubin, Vice President of Engineering bei Google hat in einem Gespräch mit Walt Mossberg zugegeben, dass sein Unternehmen an einem Enterprise-Google-Phone arbeitet. Hat da noch jemand Zweifel am hier skizzierten Strategiekonzept? Honi soit qui mal y pense…

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