Medien

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Letzte Woche schlug mir Robin Meyer-Lucht (Carta-Blog) vor, parallel zu meinem Blog auch auf Carta als Autor zu schreiben. Da ich praktisch von Anfang an Carta mit großem Interesse las, fiel mir die Zustimmung nicht schwer!

Ein Artikel von mir wurde dann auch gleich übernommen. Für die Stammleser von bwl zwei null ändert sich dadurch nichts, einige Artikel erscheinen künftig sowohl hier als auch auf Carta. Wie sich das in Sachen Duplicate Content auswirkt, wird sich zeigen.

Ganz aktuell hat Robin Meyer-Lucht übrigens der Schweizer SonntagsZeitung ein Interview (ohne Garantie für diesen Link!) gegeben: Es geht um den Medienwandel und das, was Zeitungen aktuell tun können. “Bloß nicht die Nerven verlieren”, empfiehlt er. Dem schließe ich mich umstandslos an und empfehle zudem der SonntagsZeitung, sie möge doch allen ihren Artikeln der Onlineausgabe eigene Links zuweisen, so dass diese über Suchmaschinen besser gefunden werden können. Das sollte beim Pagerank und bei den Werbeeinnahmen recht schnell Wirkung zeigen…

Burda setzt also verstärkt auf das Web, wie Christiane zu Salm aktuell der FAZ im Interview bestätigt hat: Bis 2011 soll ein Drittel des Umsatzes auf den Onlinebereich entfallen. In manchen Blogs wird das süffisant kommentiert (”Burda geht auf Kaffeefahrt“) und vielleicht auch nicht ganz ernst genommen (”Im Internet zahlt niemand für Inhalte“).

Mir scheint aber, dass Frau zu Salm im Interview einen ganz wesentlichen Punkt richtig getroffen hat: “Indem wir Commerce, Inhalt und Monetarisierung zusammen bringen”, soll das Geschäft profitabel werden. Bisher war es ja so, dass traditionelle Geschäftsmodelle (aus dem Offline-Bereich) mehr oder weniger linear im Web (und isoliert voneinander) abgebildet wurden. Das Meiste davon läuft nicht so richtig.

Vielleicht liegt es ja daran, dass wir noch zu sehr in überkommenen Strukturen denken. Nehmen wir das Einkaufen im Web: Viele Online-Shops mögen ja ganz gut gemacht sein, allein ihnen fehlt etwas Entscheidendes, nämlich die Bewertungen der Käufer. Außer Amazon trauen sich bislang nur Wenige, Bewertungen und Kommentare ungefiltert einfach so neben ihre Angebote zu stellen. Und selbst Amazon fehlt noch etwas zur Vollkommenheit: Die Urteile und Rezensionen von Fachexperten bzw. Journalisten, die in den einschlägigen Medien veröffentlicht werden. Als Kunde hätte ich gern alles zusammen!

Die Verbindung aus Shop + Kundenrezensionen + Expertenurteile macht allein schon deshalb Sinn, weil wir als Verbraucher in dem unaufhörlich weiter steigenden Angebot an Produkten und Dienstleistungen immer schwerer den Durchblick behalten.

Wer sich etwa schon einmal die (hoffnungslose) Mühe gemacht hat, bei einem Auto wie dem VW Golf nur einen groben Überblick über die möglichen Varianten von Motoren und Getrieben zu bekommen, weiß wovon ich hier schreibe. Eine Bresche in das Dickicht schlagen immerhin die Kaufberatungen der Zeitschrift Auto, Motor und Sport. Nur wer jetzt noch so etwas wie Bewertungen von Kunden (wie bei Amazon) erwartet, kann bei Google lange suchen. Kein Wunder, tun sich doch die Hersteller schon bei ihren Konfiguratoren im Web erstaunlich schwer…

Hier gibt es also noch sehr viel Potenzial. Und ein Medienhaus wie Burda könnte dafür sogar gut positioniert sein: Mit circa 260 Print-Titeln hat man nämlich in sehr vielen Bereichen eine glaubwürdige Expertenbasis.

Wo liegen die Geschäftsmodelle?

  1. Handel: Das ist die naheliegendste Lösung. Wer einen Shop betreibt, sollte einen Teil der Spanne erhalten. Allerdings können die Margen hier extrem schwanken. Bei Oberbekleidung dürfte viel Spielraum sein, während bei Lebensmitteln die Luft schnell dünn wird.
  2. Expertenurteile: Hier wird es spannend! Denkbar ist, dass der Betreiber einer erfolgreichen Plattform die Verlage zur Kasse bitten kann, damit ihre Artikel verlinkt bzw. direkt eingestellt werden. Denkbar ist aber auch der umgekehrte Weg: Eine Plattform braucht die Expertisen eines renommierten Mediums und zahlt deshalb diesem Lizenzgebühren. Offen ist natürlich die Frage, wie es in diesem Kontext mit Blogs aussieht. Denn auch diese haben heute ja teilweise schon Expertenstatus. Vielleicht wachsen den Bloggern hier neue Einnahmequellen?
  3. Kundenrezensionen: Diese sind das Salz in der Suppe. Wer hier nicht auf eine genügend große Basis kommt, wird mit seiner Plattform scheitern. Im Konsumgüterbereich dürfen deshalb vermutlich keine Hürden aufgebaut werden, es muss alles “free and easy” sein. Im B2B-Bereich dagegen könnte aber allein schon der Zugang zu einer guten Plattform so wertvoll sein, dass die User dafür bereit sind, Eintritt zu bezahlen. Denkbar wären auch Mischformen, wie etwa bei Xing praktiziert: Basisleistungen gibt es umsonst und frei zugänglich für jeden, höherwertige Inhalte dagegen nur gegen Zahlung. Wobei ich mit “höherwertigen Inhalten” durchaus nicht nur die Artikel von Experten meine, sondern auch die Ansichten und Meinungen von Käufern.

Fazit: Im Web steckt noch jede Menge Fantasie und noch viel mehr Möglichkeiten für interessante Geschäfte. Meines Erachtens sollten sich aber nicht nur Medienhäuser wie Burda dazu Gedanken machen, sondern auch die Hersteller von Konsum- und Investitionsgütern, sowie natürlich die Dienstleister (etwa Banken!).

Eigenartigerweise können gerade die “Hersteller” noch so gut wie gar nicht sehen, dass die Zukunft digital ist und folglich im Web liegt. Dabei zeigt die hier skizzierte Entwicklung, dass künftig Wertschöpfungsketten von der Herstellung bis zum Verkauf medial ganz anders geprägt sein werden als bisher und es für Unternehmen durchaus Sinn macht, den Fuß hier frühzeitig in die Tür zu bekommen. Sonst landet am Ende das Geschäft allein bei Frau zu Salm und Hubert Burda

Eigentlich können wir ja nur staunen ob des Wandels, in den uns das Internet gestürzt hat. Hier einige Überlegungen, mal nicht als Text, sondern als Präsentation.

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Die Folgerung aus dem Ganzen: Neue Geschäftsmodelle kann nur entwickeln, wer die zugrunde liegende Technologie ganz oder wenigstens in Teilen begreift. Das wiederum setzt voraus, dass man sich aktiv damit befasst.

Martin Koser hat sich dieses neue Video in sein Blog gestellt und ich übernehme es umstandslos. “Blogs in Plain English” ist ein weiteres Erklär-Video von Common Craft (Seattle, USA). Bemerkenswert darin ist nicht die Erklärung, was Blogs sind, sondern wie sie in den größeren Zusammenhang der (traditionellen) Medien gestellt werden.

Demnach wurden Nachrichten bislang nur “professionell” erstellt (von Journalisten), danach redaktionell gefiltert und schließlich verbreitet (Zeitung, Radio, Fernsehen). Mit dem Internet und darin den Blogs tritt neben die professionelle Produktion auch eine “persönliche”, bei der praktisch jeder mitmachen kann. Zudem wird jetzt der Begriff “Nachricht” (News) sehr viel großzügiger interpretiert: Jeder der etwas mitzuteilen hat, wird auch ein Publikum finden, das seine Nachrichten neu und interessant findet (”Isn’t everything news to someone?”).


Was das Video nicht thematisiert: Das Maß an Zeit, das Blogs von ihren Lesern erhalten, geht anderen Medien verloren (mehr oder weniger). Ich folgere daraus, dass je mehr Blogs es gibt und je besser diese werden (und das werden sie, auch in Deutschland!), desto schwieriger wird die Situation für die klassischen Medien.

Das ist die Chance für Blogger und bloggende Unternehmen. Denn das Internet bewirkt hier und heute einen fast schon unvorstellbaren Wandel im Medienangebot und in der Folge beim Medienkonsum. Dabei werden im Kern Zeitbudgets umgeschichtet, weil der Tag nur 24 Stunden hat. Tendenziell sinkt dabei die Reichweite der klassischen Medien, egal ob eine Zeitung in gedruckter Form oder digital im Internet verfügbar ist. Und darin wiederum liegt genau die Chance für uns Blogger – und für Unternehmen, so sie denn ein Corporate Blog haben.

Dumm nur, dass die meisten Unternehmen es gar nicht als ihre Aufgabe Chance sehen, im Internet mehr Präsenz zu zeigen und auf Formate des Web 2.0 zu setzen. Sie könnten jetzt mehr Aufmerksamkeit bekommen. Und sie könnten direkt an ihre Kunden und die Öffentlichkeit herantreten, anstatt weiterhin nur durch die Filter der klassischen Medien (einschl. der klassischen Werbung!).

Was haben die Buchmesse in Frankfurt und das Web 2.0 miteinander zu tun? Und wer sich für letzteres interessiert, sollte der nicht lieber die aktuellen BarCamps besuchen?

Nicht unbedingt. Dem Einsteiger in Sachen Web 2.0 seien BarCamps ausdrücklich empfohlen, die Experten vom Fach aber dürften ruhig auch mal einen Besuch auf einer traditionellen Messe einplanen und sich ein Bild vom Stand des Medienwandels machen. Denn längst geht es auf der Frankfurter Buchmesse nicht mehr nur um das gedruckte Buch.

Zwar sieht man dort Bücher bis zum Abwinken, aber eben nicht nur. Langsam aber sicher schieben sich auch hier das Internet und die digitalen Medien zwischen die Buchregale und fordern ihre Aufmerksamkeit. Und während im Bereich Belletristik das Internet noch gern übersehen wird, zeigt sich bei den Fach- und Wissenschaftsverlagen schon ein ganz anderes Bild: Hier gewinnen allmählich die elektronischen Produkte die Oberhand und (gedruckte) Bücher scheinen nur noch zur bunten Dekoration des Messestandes zu dienen.

Vielleicht wirkt diese Darstellung etwas überspitzt, aber für mich lagen die deutlichsten Überraschungen ganz klar in Halle 4.2, wo neben Fach- und Wissenschaftsverlagen auch eine Reihe von Softwarehäusern ihre Produkte vorstellten. Mehr dazu im Lauf dieser Woche hier im Blog (Stichwort: “Semantisches Web”).

Ein Gefälle zeigte sich aber auch in anderer Hinsicht: Während die großen (namhaften) Verlage alle mehr oder weniger stark schon an Konzepten und Strategien arbeiten, die weit über die aktuellen Internetauftritte hinausreichen, fehlt es den kleinen Häusern an Wissen und mehr noch an personellen Ressourcen. Die Stimmung schwankt zwischen einem “das gedruckte Buch wird schon nicht tot zu kriegen sein” und einem “hoffentlich geht es uns nicht so wie der Musikbranche”.

Ohne Zweifel stehen die Verlage vor dem größten Umbruch in ihrer Geschichte, auch wenn diese Aussage noch keine Konsensmeinung ist. Die Softwarebranche jedenfalls steht schon bereit und auch an klugen Vorträgen zur Digitalisierung und dem Web 2.0 mangelte es auf der Messe nicht. Etwas mehr an Debatten und Diskussionen zum Wandel der Medien hätte ich allerdings schon erwartet.

Und eine stärkere Teilnahme oder Beobachtung seitens der Blogosphäre wäre vielleicht auch nicht schlecht: Denn sonst wird sie von der Softwarebranche irgendwann still und leise überholt, wenn diese in ihre Programme nach und nach Funktionalitäten des Web 2.0 integriert. Speziell Wikis bzw. Content Management Systeme (für den internen Einsatz) sind in den Verlagen schon weiter verbreitet, als mancher vielleicht glauben mag.

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