Lifestreaming

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Wenn die IBM einen Blick in die Zukunft riskiert, sollte man Beeindruckendes erwarten können. Das aktuelle Video mit zweieinhalb Minuten Länge fällt aber eher dadurch auf, dass es wenig Überraschendes bietet:

eingebunden mit Embedded Video

Die Aussicht auf kostengünstige Solarenergie ist tatsächlich interessant. Gut möglich, dass wir auf diesem Gebiet kurz vor einem größeren Durchbruch mit weitreichenden (und mehrheitlich positiven) Folgen stehen.

Die Kristallkugel in Sachen Gesundheit wirkt auf mich noch etwas zwiespältig. Dass Genanalysen schon bald für wenig Geld durchgeführt werden können, ist nicht neu. Allein, was geschieht mit diesen Daten? Hier gibt es noch jede Menge ethischer Fragen zu klären. Zudem müsste sich hier die Medizin radikal umstellen: Bislang ist diese Disziplin eher reaktiv und nicht antizipatorisch (präventiv) tätig.

Zum Gähnen finde ich den dritten Punkt, Spracherkennung für das Internet. Das ist eigentlich ein alter Hut, an dem aber offenbar die IBM sehr hängt und endlich auf den großen Durchbruch hofft. Ich dagegen vermute, dass in den nächsten 5 Jahren Touchscreens eine immer weitere Verbreitung finden werden und damit bedeutender als jede Form der Spracherkennung sein werden.

Auch der digitale Einkaufsassistent ist eher zum Schmunzeln geeignet. Oder liegt es vielleicht daran, dass ich mich kaum je in Umkleidekabinen mit Frauenkleidern in der falschen Größe wiederfinde? Persönlich erhoffe ich mir eher, dass wir bald überall Bodyscans durchführen lassen und dann maßgeschneiderte Kleidung kostengünstig (!) über das Internet bestellen können. Das wäre doch mal eine Vision für Spreadshirt, oder?

Schließlich verspricht uns die IBM nichts weniger als das Ende des Vergessens, weil alles was wir tun  aufgezeichnet und an passender Stelle wiedergegeben werden wird. Der Ansatz dazu kommt aus dem Bereich des Lifestreaming und wird hoffentlich noch sehr viel länger auf sich warten lassen, als uns die IBM hier verspricht. Mir sind ein paar schlaflose Nächte wegen des Information Overload lieber als ein endloser Alptraum an unwiderruflich aufgezeichneten Daten, für die sich in erster Linie ohnehin wohl nur unser Innenminister interessieren wird.

Wem jetzt schwindlig ist nach so viel Prognosen, kann zur Ernüchterung ja mal kurz bei diesem Herrn vorbeischauen. Auch er hat die kommenden Jahre im Visier, geht dabei aber von einer ganz anderen Perspektive aus. Wer wohl am Ende richtig liegen wird?